Freitag, 10. April 2015

Der Lebenslängliche

Marco Camenisch ist ist mit 66 noch so radikal wie mit 20. Ein Anarchist, der sich kein bisschen anpasst und nimmer vom bewaffneten Kampf distanzieren wird. Zu insgesamt 27 Jahren Zuchthaus wurde er für einen Mord an einem Zöllner verurteilt. Wohin hat diese "Zucht" geführt?

Mein Freund Kurt Brandenberger, "ein scheissbürgerlicher Schreiberling", hat Camnisch über vier Jahre im Gefnägnis besucht und sein Leben aufgezeichnet. Präzis und nah, ohne jede Fraternisierung oder Verdammung.

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Sonntag, 29. März 2015

Schweizer Helden-Geschichten

Die Linken finden diese kleine Streitschrift  toll, die Rechten finden sie dumm, also  geht sie uns alle an. Dachte ich. Bis ich zu lesen begonnen und erfahren habe: Dieses Buch ist nichts für mich, der ich kein studierter Historiker bin. Das ist keine packende  Lektüre  für interessierte Laien, im Gegenteil. Thomas Maissen ist kein vifer Erzähler, er wirkt in diesem Werk wie ein ewiger Besserwisser. Dass es Wilhelm Tell nie  gegeben hat? Wissen wir  doch längst. Dass die Schweiz in die Neutralität gezwungen wurde? Ach wie brisant. Das Verblüffende an solchen  Schweizer Heldengeschichten besteht darin, dass kluge Leute wie  Thomas Maissen meinen, uns weiterhin belehren zu müssen Daraus lernen wir: Es geht nicht um wahr oder nicht wahr, vertrauenswürdige Quellen oder sagenhafte Storys: so lange wir weiterhin  über Tell. Winkelried  & Co. streiten,so lange  leben Tell &  Co.. weiter. Und es entsteht nationale Identität. Thomas Maissen sei Dank.








Freitag, 13. März 2015

Mittwoch, 11. März 2015

Jules Spinatsch und sein Werk

Er war dabei, seinen "Stand" aufzubauen für die Art Genève. Ich durfte ihm zuschauen. Und er hatte mir einiges zu erzählen. Einen kleinen Einblick davon gibt  es hier.

Freitag, 27. Februar 2015

Silvia Bächli und ihr Werk

Neulich durfte ich sie in ihrem Kleinbasler Atelier besuchen.
Hier mein Bericht.
Was für eine tolle Künstlerin! Von Silvia Bächli hätte ich gern ein Bild in meiner Stube. Werde mich gelegentich nach den Preisen erkundigen.

Foto unten: Biennale 2009





Donnerstag, 19. Februar 2015

Zu Besuch bei Mustafa Memeti, dem Imam von Bern

Sein Händedruck ist fest, sein Blick geht direkt zum Gegenüber, sein Lachen breitet sich aus übers ganze Gesicht: Mustafa Memeti, 52, der berühmteste Imam der Schweiz, ist die Herzlichkeit in Person. Zu Tisch bittet er, Wasser gibts, auch Kaffee oder Tee. Dabei treffen wir uns auf einer Baustelle. Das ständige Hämmern und Bohren stört den Imam nicht, im Gegenteil. Dank dem Lärm entsteht Neues: die erste richtige Moschee in Bern, die Ende März eingeweiht wird.

Wir duzen und siezen uns, ganz wie es kommt. Mit den Malern und Maurern redet Memeti Albanisch. Sie kennen sich, sind ja alle vom gleichen Verein. Das Wort Verein ist nicht abschätzig gemeint, sondern juristisch bedingt. Muslime sind in der Schweiz nicht öffentlich-rechtlich anerkannt und darum in Vereinen organisiert. Ihren Imam bezahlen sie mit Mitgliederbeiträgen, das Innere ihrer neuen Moschee von Bern bauen einige Vereinsmitglieder gratis, mit der Büez auf dem Bau haben sie schliesslich Erfahrung. Eine einzige Familie habe Dienst in einem Wert von mehr als 100 000 Franken geleistet, schätzt ihr Imam.

Alle zusammen freuen sich nun, dass sie künftig freitagabends nicht mehr in einen Keller im Berner Aussenquartier hinabsteigen müssen, um Richtung Mekka zu beten. Ihre neue Moschee am Europaplatz ist beispielhaft für Bern und weltweit einzigartig: Sie ist Teil des «Hauses der Religionen». In diesem Zentrum finden acht Religionen unter einem einzigen Dach Platz. Vis-à-vis von der Moschee wurde ein Hindu-Tempel fertig gestellt, als gäbe es in Indien keine blutigen Konflikte zwischen Hindus und Muslimen. In der Etage darüber wurde eine neue Dergah eingeweiht, eine Klosterschule für Aleviten, als wären Aleviten in der Türkei als Religionsgemeinschaft anerkannt. Sakralräume für Buddhisten, Baha’i und ­Sikhs sind entstanden neben der ersten christlichen Kirche der Schweiz, in der verschiedene Konfessionen ihre Gottesdienste abhalten: Reformierte, Katholiken, Äthiopisch-Orthodoxe, Schweizer Herrnhuter. Die Synagoge ist nur einen Spaziergang entfernt. Der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät sagt: «Das Haus der Religionen bringt Licht in die momentane Dunkelheit, die sich um die Religionen gelegt hat.»

Imam Mustafa Memeti ist einer von vielen Promotoren dieses interreligiösen Projekts, doch seit 7. Januar ist er der bekannteste. An jenem Nachmittag kam es in Paris zum Attentat auf die Satire-Zeitschrift «Charlie Hebdo». Zehn Menschen auf der Redaktion wurden gezielt hingerichtet von islamischen Terroristen. «Ein barbarischer Akt», den Imam Mustafa Memeti am gleichen Abend gleich zweimal vor laufenden TV-Kameras verurteilte: zuerst in der «Rundschau», anschliessend bei «10 vor 10». Der Imam war nervös, sein Deutsch stockend, aber seine Botschaft klar. Zwei Tage später predigte Memeti erneut gegen die unmenschliche Tat. Diesmal während der wichtigsten muslimischen Zeremonie der Woche, dem Freitagsgebet, auf Albanisch, Serbisch, Arabisch, Deutsch und deutlich, gefilmt vom Schweizer Fernsehen. Also nicht hinter verschlossenen Türen wie ­andere Imame in der Schweiz.

Mit solch weltoffenen Positionen exponiert sich Memeti bei einem Teil seiner Glaubensbrüder. Das hat er am eigenen Leib erfahren. Im Oktober 2014, der Imam war in Mekka, wurde in seine Berner Kellermoschee eingebrochen. Verletzt wurde niemand, gestohlen nichts, zerstört etwas Einziges: das architektonische Modell der neuen Moschee im Haus der Religionen. Und auf einer Foto wurde das Gesicht Memetis durchgestrichen. Was zeigt: Nicht alle Schweizer Muslime schätzen das interreligiöse Engagement eines Schweizer Imams.

Memeti hat für diese intolerante Haltung kein Verständnis. «Wir Muslime sind hier eingewandert, weil wir in unserer Heimat keine Perspektive mehr gesehen hatten», sagt er und fügt fordernd an. «Also sollten wir die Konflikte, unter denen wir in der Türkei, in Syrien, Indien, Pakistan gelitten hatten, hinter uns lassen.» In den letzten Monaten wurde ­Memeti immer wieder gefragt, weshalb junge Europäer in den Dschihad ziehen. Er ist es müde, darauf zu antworten, sich zu rechtfertigen für die Taten einer Minderheit. Für ihn sind das «kranke Menschen», ihre Aktionen bezeichnet er als «kopflos».

Memeti selber kommt aus dem südlichen Teil von Serbien. Die Worte des Propheten» hat er in Saudi-Arabien, Syrien und Tunesien studiert. Mit dem Diplom in der Tasche kehrte er im Alter von 24 Jahren zurück nach Serbien, wo ethnische Konflikte auch im Namen Gottes ausgefochten wurden. Er lernte seine Frau kennen und verlor das Vertrauen in die Zukunft seiner Heimat. Die Schweiz war das Ziel seiner Hoffnung, hier gründete er 1995 den «Islamischen Verein Bern». Drei Jahre danach folgte ihm seine Frau. Ihre drei Kinder gingen hier in den Kindergarten und zur Schule. Heute arbeitet der ältere Sohn, 25, als gelernter Informatiker, die Tochter, 23, hat soeben die Ausbildung als Sek-Lehrerin abgeschlossen, der jüngere Sohn, 19, macht die Matur. «Alle drei sind praktizierende Muslime», sagt er, als wäre das eine Selbstverständlichkeit.

Doch was wäre, wenn seine Kinder sich gegen ein religiöses Leben entschieden hätten? Da habe der Vater Memeti nichts zu befehlen, antwortet der Imam Memeti, «Religion ist das Persönlichste überhaupt. Zudem dürfen wir nie vergessen: Es gibt keinen perfekten Gläubigen auf Erden. Perfekt ist nur Gott, Mensch ist Mensch, Mensch ist immer schwach.» Memeti wiederholt diese Sätze auf Arabisch, denn genau so stehe es im Koran. Überall gebe es aktive und passive Gläubige, auch im Islam. Ob seine Tochter ein Kopftuch trage, entscheidet sie selber. (Memetis Tochter trägt keines.) Aber zum Schwimmunterricht in der Schule? Da musste sie hingehen. Nicht, weil es ihr Vater befohlen hat, sondern weil es in der Schweiz Regeln und Gesetze gibt. «Die müssen wir einhalten», sagt Memeti. Wer mit den Gesetzen Probleme habe, könne sich hierzulande mit anderen Mitteln als Gewalt oder Verweigerung wehren: mit Beschwerden, Rekursen, Klagen. In der Schweiz werde niemand «generell diskriminiert». Aber wenn sein muslimischer Verein eine Sekretärin suche, habe eine Christin wenig Chancen.

Mit solchen selbstkritischen Aussagen macht sich Mustafa Memeti zum «Musterschüler» des Schweizer Freiheitsbegriffs. Die «SonntagsZeitung» kürte ihn wegen seiner liberalen Haltung zum «Schweizer des Jahres 2014». Memeti: «Jede Person ist frei im Denken und Glauben. So steht es im Koran. Wer glauben will, darf glauben, wer nicht glauben will, darf nicht glauben. Gott hat das uns Menschen frei gelassen.» Nach dieser Logik dürfen Memetis drei Kinder heiraten, wen sie lieben. Das müssten nicht unbedingt praktizierende Muslime sein.

Andere Traditionen hält Memeti in der Praxis strikt ein. Zum Beispiel verfügt die neue Moschee in Bern dank dem finanziellen Zustupf von der Stiftung Haus der Religionen über zwei Stockwerke: Die Männer beten unten, die Frauen oben. Diese Trennung der Geschlechter sei nötig, sagt Memeti: «Damit sich alle voll konzentrieren können.»

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Box: Das Haus der Religionen

Das Haus der Religionen in Bern vereint acht Religionen unter einem Dach: Aleviten, Baha’i, Buddhisten, christliche Kirchen, Hindus, die jüdische Gemeinde, Muslime und Sikhs. Ziel ist der Dialog: Die Religionen gehen aufeinander zu und öffnen sich gegen aussen. Zuletzt wurde am 1. Februar der Hindutempel eingeweiht, am 8. Feb­ruar die äthiopisch-orthodoxe Tewahedo-Kirche. Ende März folgt die Moschee. Einzelne Zeremonien sind frei zugänglich, es gibt Führungen, Lesungen, Diskussionen, Vorträge oder Kurse wie Yoga. Die Kantine bietet eine ayurvedische Küche, die vereinbar ist mit allen Glaubensformen. www.haus-der-religionen.ch

Mittwoch, 11. Februar 2015

Neulich war ich in Liestal

Einer kleinen Hauptstadt, in der ich vor 55 Jahren und zwei Tagen geboren bin.
Hier mein Bericht