Freitag, 19. September 2008

Rettung

Das Paket im Umfang von 700 Milliarden Dollar, das die amerikanischen Finanzmärkte vor dem Untergang hätte bewahren sollen, ist vorerst gescheitert. Was bedeutet das ? Dass die amerikanischen Finanzhäuser wie Domino-Steine eines nach dem andern umfällt?

So, wie es heute, 15.00 Uhr MEZ aussieht, nicht. Zumindest die europäischen Börsen reagieren gelassen, sogar der Kurs der UBS ist sachte am Stiegen; dabei hätte doch gemäss hiesigen Kommentatoren gerade die UBS davon profitieren sollen, dass ihnen die amerikaischen Steuerzahler unter die Arme greifen.

Ich denke, wir dürfen wir den heutigen Tag zum Anlass nehmen, über Rettungen durch den Staat nachzudenken. Denn mit grösster Wahrscheinlichkeit werden solche Aktionen generell überschätzt.

Sicher wären einige gar nie nötig gewesen wären. In diese Kategorie gehört die angebliche "Rettung" der Swissair. Die Schweizer Politiker versuchten alles und baten die Schweizer Steuerzahler, ohne es ihnen direkt zu sagen, zur Kasse. Zu allem Übel ging dann die Swissair trotzdem unter.

Doch die Schweiz, sie ging deswegen nicht unter. Inzwischen sehen wir doch alle, dass es gar keine nationale Fluggesellschaft brauacht, um Zürich mit Singapur oder New York zu verbinden. Es gibt genügend andere Fluggesellschaften, die diesen Service gerne übernehmen.

Eine Bank ist selbstverständlich keine Fluggesellschaft, der Finanzplatz spielt für das Land eine ganz andere Funktion als die internationale Verkehrsanbindung. Eine Bank geht unter, sobald die Leute anfangen, in die Schalterhalen zu stürmen, um ihr Geld abzuheben. Jede Bank geht unter, wenn dieser Prozess einsetzt. Jede Bank der Welt.

Zum letzten Mal live gesehen wir das bei der Spar- und Leihkasse Thun.Die Leute standen Schlange, die Bank ging unter.

Aber die Schweiz nicht. Und so gesehen stellt sich tatsächlich die Frage, was passieren würde, wenn sogar die UBS unterginge? Würde dann so wenig wie damals, als die Spar- und Leihkasse Thun unterging?

Wohl kaum. Schliesslich ist im Fall Thun nicht nichts passiert. Sondern es geschah, was in jedem Lehrbuch nachzulesen ist. Bricht eine lokale Bank zusammen, hat das Auswirkungen auf die übrige Wirtschaft. Es kam zum lokalen Domino-Effekt rund um Thun im Berner Oberland.

Was auch immer geschieht, vergessen wir nie: Die UBS ist so zentral für die ganze Volkswirtschaft, dass wir einem solcen Schauspiel hoffentlich nie tatenlos zusehen müssen. Und es wäre gut, wenn die Politiker heute schon die richtigen Konsequenzen aus dieser Sachlage ziehen: indem sie für mehr Wettbewerb unter den Banken sorgen. Die Fusionen der Bankgesellschaft und des Bankvereins zur UBS, die Übernahmen der Volksbank und der Bank Leu durch die Credit Suisse - solche Prozesse wären besser nicht geschehen.

Und so gesehen ist es auch nicht der Kapitalismus, der in diesen Tagen abdankt, und schon gar nicht der Wettbewerb. Im Bankenssektor herrscht sicher nicht "zu viel" Wettbewerb - sondern leider "zu wenig". Die heutigen Grossbanken sind schlicht und einfach zu gross, als dass man sie untergehen lassen könnte.

Dienstag, 16. September 2008

Black Tuesday

Man könne die Eigendynamik, ist sie einmal voll in Gang gekommen , nie richtig einschätzen, meinte ich gestern. Und heute?

Sage ich genau dasselbe. Ich habe am 30. Mai, wie hier berichtet,100 UBS-Aktien zum damaligen Kurs von Fr. 25.40 gekauft; ich halte sie immer noch. Ich werde diese 100 Aktien sogar behalten, falls der Kurs unter 10 Franken fällt. Dann werde es vielleicht kritisch, meint Professor Manuel Ammann von der Hochschule St. Gallen heute. Sicher, dann wird es kritisch für den Finanzplatz Schweiz. Aber nicht kritisch für mich.

Wer in Geldsachen darauf achtet, selbst im Worst Case kühlen Kopf bewahren zu können, macht nichts Falsches. Klar sollte man, wenn immer möglich, Aktien nicht gerade dann kaufen, wenn auch Hausfrauen Aktien kaufen. Am 30. Mai jedoch kauften Hausfrauen eher keine UBS-Aktien, sondern ich. Weil ich dachte, dass "das Gröbste nun überstanden" sei.

Heute , am Schwarzen Dienstag, befolge ich eine andere Börsenregel: Man soll, wenn immer möglich, Aktien nicht gerade dann verkaufen, wenn auch Profis ihre Aktien verkaufen. Gestern und heute haben es die Profis getan. Dabei könnten sie aus der Wirtschaftsgeschichte lernen: Werfen die Profis ihre Aktien auf den Markt, sollte der Laie eher kühlen Kopf bewahren - Auf lange Sicht sind wir zwar alle tot, aber auf lange Sicht wird nicht jedes Schweizer Traditionsunternehmen so enden wie die Swissair.

Montag, 15. September 2008

Black Monday

Heute wurde so viel Geld vernichtet wie wohl noch nie an einem Tag zuvor. Wie konnte so etwas passieren?

Um das zu begreifen, muss man zuerst begreifen, wie der umgekehrte Fall abläuft: Die ganz normale alltägliche Geldschöpfung. Das ist ein komplexer Vorgang zwischen Banken und Kunden, Banken und Banken, Banken und Zentralbanken.


Heute ist dasselbe mit umgekehrten Vorzeichen abgelaufen: Heute kam es zur Geldvernichtung. Auch das ist ein komplexer Vorgang zwischen Banken und Kunden, Banken und Banken, aber weil es es am Ende zu unserem Glück Zentralbanken gibt, wird das globale Finanzsystem deswegen nicht einbrechen. Heute nicht, morgen nicht, und übermorgen hoffentlich auch nicht.

Das ist übrigens auch der Grund, warum selbst liberale Ökonomen, die sonst am liebsten alles dem Markt überlassen möchten, von der Elektrizitätsversorgung bis zum Gefängniswesen, warum selbst diese radikalen Theoretiker eine grosse Ausnahme machen: Bei den Zentralbanken. Die Zentralbanken sollen, so weit herrscht unter Ökonomen Konsens, für immer und ewig unter staatlicher Kontrolle bleiben. Denn das Finanzsystem, so sehen wir heute Montag, braucht eine Art Notfallstation. Einen Lender of Last Resort, der für die nötige Liqudität sorgt und damit auch für die Geldwertstabilität.


Klar, heute ist sehr viel Geld vernichtet worden. Geld, so wissen wir alle, ist dank dem Wirken von Zentralbanken zwar mehr Wert als das Papier, auf dem es gedruckt wird. Aber es war trotzdem "nur" Geld, das heute vernichtet wurde.

Ebenso klar ist, dass ich vorsichtig sein müsste, bevor ich das Ende der jetzigen Finanzkrise ausrufe. Sowohl beim Prozess der Geldschöpfung wie beim Prozess der Geldvernichtung setzt eine Eigendynamik ein, die in ihrer Kraft schwer einschätzbar ist. Aber so, wie es heute Abend, 16.50 MEZ aussieht, würde ich meinen: Die Zentralbanken haben ihren Job getan. Sie haben aus 1929 ihre Lehren gezogen. Danke!

Mittwoch, 10. September 2008

Tschau Sämi

"Tschau Sämi", würden Jasser sagen und fröhlich weiter spielen. Die nächste Karte legen die SVP-ler aus. Sagen Sie "Blocher oder keiner", spielen sie einen Trumpf, der nicht sticht. Dann wählen die CVPler, FDPler, SPler und die Grünen nämlich "keinen" resp. keinen SVP-ler, sondern einen CVPler.

Variante zwei: Sagen die SVPler, wie es den üblichen Bundeshausregeln entspricht, "Blocher oder ein Zweiter", dann wird die zweite Person gewählt, die mit Nachnamen Maurer, Spuhler, Fuhrer oder Zuppiger heisst.

Mit dieser Variante hätte Frau Widmer-Schlumpf weiterhin keine Partei mehr hinter sich, aber immerhin einen halben Kollegen oder eine halbe Kollegin an ihrer Seite. Dies passt den SVPlern gar nicht ins Konzept , darum spielen sie wohl Variante eins.

PS: Gestern sah ich den Club am TV mit Altbundesrätin Kopp. Für mich war's amüsant. Und falls auch Sämi dieser Runde zugeschaut hat, wird er heute morgen noch den letzten Trumpf ziehen. Indem er an der Bundesratssitzung alle Karten auf den Tisch legt und dann abtritt.



Tschau-Sepp-Jassregeln

Dienstag, 9. September 2008

Migros-Marken-Salat


Lebensmittel kaufe ich gewöhnlich bei der Ex-Libris-Mutter Migros, inkl. Zahnpasten. Gestern stand ich vor dem Regal und sah: Jetzt führt Migros auch Elmex. Abends las ich im Migros-Mmagazin, wie phantastisch die grüne Elmex Sensitive sein soll. Ich dachte kurz, ob ich von Candida Sensitive zu Elmex Sensitive wechseln soll.

Heute morgen hatte ich einen Termin bei meiner Dental-Hygienikerin. Sie bestätigte mir: Elmex sei super, mit Ausnahme der grünen Elmex Sensitive. Diese Paste gebe Verfärbungen an den Zähnen. Das beste Produkt auf dem Markt sei immer noch Candida Sensitive. Sie wisse zwar, das sei "nur" eine Migros-Marke. Aber es gebe wissenschaftliche Studie, die zeigten, wie gut Candida Sensitive wirke.

Jetzt frage ich mich: Warum pusht Migros Elmex, wenn Migros bessere und billigere eigene Marke im Sortiment führt?

Dienstag, 2. September 2008

Pro Helvetia

Die Kulturstiftung Pro Helvetia möchte die Kultur in der Schweiz fördern. Schön. Darum fördert sie auch Schweizer Buchverlage. Noch schöner. Dieses Jahr hätten gemäss Ausschreibung "unabhängige Schweizer Literaturverlage" profitieren sollen.

Der Hauptpreis in Höhe von 75'000 Franken ging an:

Nagel & Kimche, eine 100 prozentige Tochter des deutschen Grossverlags Hanser .

Okay, jetzt kann man mir vorwerfen, ich sei frustriert, dass unser kleiner Echtzeit Verlag, der sich um die Nebenprämie in Höhe von 25'000 Franken "speziell für Nachwuchsverlage" beworben hat, leer ausgegangen ist. Dabei wissen wir sehr wohl: Vielen andern ging es gleich. Kein & Aber, ein schon etwas grösserer, trotzdem unabhängiger Schweizer Verlag, hat ebenfalls kein Geld erhalten. Aber die Leute dort erwägen nun, bei der Pro Helvetia "Beschwerde einzureichen".

Freitag, 29. August 2008

Politisch korrekt Geld Verlieren

Neulich klagte mir eine Frau: Sie habe ein kleines Vermögen geerbt, verwaltet vom UBS Wealth Management , was hohe Gebühren koste, wenig Rendite einbringe und wohl den Raubbau an unserem Planeten fördere

Was habe ich dieser Frau geraten?

Sie solle die Sache selber in die Hand nehmen und Acht geben, dass die Bankiers wenigstens auf die Umwelt
Acht geben. Dazu braucht man keinen Vermögensverwalter, solche Fonds findet man unter Titeln wie Green Fonds oder Nachhaltigkeitsfonds selber.

Die Reiffeisen-Gruppe zum Beispiel bietet eine ganze Palette an, wobei Futura Swiss Stocks in letzter Zeit sogar vorzügliche Renditen erzielt hat. Wer geografisch stärker diversifizieren will, wähle Futura Global Stock. Dieser Fonds ist in letzter Zeit schlechter gelaufen, hat also, wie Vermögensverwalter sagen würden, "Aufholpotenzial". Wer sein Geld politisch ganz korrekt anlegen will, dem empfehle ich einen neuen Fonds der ZKB, der vom WWF kontrolliert wird.


Sicher ist, dass man so oder so, ob mit UBS oder ohne UBS, ob mit WWF oder ohne WWF, sowohl Geld verlieren als auch Geld gewinnen kann. Aber es gibt Leute, die schlafen ruhiger , wenn sie wissen, dass ihr Geld nicht in Kinderarbeit, nicht in Atomkraft, nicht in die Waffenproduktion und nicht in Gentechnologien fliesst.