Montag, 5. Januar 2009

Sag' mir wo die Krähen sind


Als ich gestern auf meinen neuen Sohlen aufs gefrorene Eis auf der Allmend in Zürich wagte, merkte ich, dass ich leider gar keine neuen Sohlen an meine alten Schuhe montiert hatte. Es war glitschig, ich hätte den besseren Halt brauchen können. Aber ich hatte lediglich neue Einlagen in meine Schuhe gelegt, sportliche Einlagen zwar der Marke "Obama", gepostet bei der Migros. Aber das nützte wenig auf dem Eis.




Trotzdem wagte ich mich hinaus auf den eisigen Platz und hörte Krähen, die in der Kälte krähten so laut nur Krähen krähen . Es tönte nach "Change in Switzerland" Marke Blocher.




Heute kontrollierte ich die Plakatwände auf dem Bahnhof Luzern und entdeckte einen kahlen Apfelbaum, um den nicht einmal der Geier kreist, aber auch kein Rabe.
Fortsetzung folgt

Samstag, 3. Januar 2009

Auf neuen Sohlen

Heute wechselte ich die Sohle meiner Schuhe. Ich fand bei der Migros ein sportliches Produkt der Marke „Obama“. Weiter kaufte ich bei der Migros einen Rasierer der Marke Philips und einen Staubsauger der Marke Miostar. Die Migros führt fast jede Marke und dazu ein paar eigene. Wer daraus schlau wird, ist der Kunde König.

Dann legte ich los – und startete meinen Lauf. Ich dachte weder an Barack noch an den Papst, sondern nur noch an meinen Plan 09.


Fortsetzung folgt

Freitag, 2. Januar 2009

Change has come to Gaza

Gestern vermisste ich den Papst, zum ersten Mal in meinem Leben. Ich bin nicht katholisch und auch sonst nicht religiös. Aber gestern um halb acht habe ich die Tagesschau auf SF 1 eingeschaltet. Kein Papst. Dank dem Internet kam seine Botschaft zum neuen Jahr trotzdem bei mir an. .Gefordert sei „globale Solidarität“, um Frieden zu schaffen. Hätte ich das gehört, hätte ich wohl gedacht, jetzt redet der wie der Schwarze, der neulich ins Weisse Haus einzog. Aber es war tatsächlich Benedikt XVI.


Fortsetzung folgt

Donnerstag, 1. Januar 2009

Plan 09

Dieses Jahr mache ich etwas Neues . Ich schreibe einen Roman. Aber dieser Roman beginnt nicht mit den Worten: „Dieses Jahr mache ich etwas Neues.“ Sondern ganz anders.

Fortsetzung folgt

Freitag, 26. Dezember 2008

Ein anderes Gedicht

Es läuten die Glocken: Bim-bam-bim-bam;
es sausen die Autos über den Damm;
die Kirche reckt ihren Turm zum Himmel
und macht Reklame mit ihrem Gebimmel.
Sie wirbt für den christlichen Gedanken -
aber drum herum die Häuser der Banken
sind eine Etage höher.

Wenn zu New York die Börse kocht,
dann beten die frommen Pfaffen:
dass keiner werde eingelocht,
dass sie alle Geld erraffen.
Aber wie sie auch beten in brausendem Chor:
die Banken ragen zum Himmel empor
eine Etage höher.

Und es beten die Pfaffen nach alter Art
gegen sündige Teufelsgedanken.
Das Kirchenvermögen liegt wohlverwahrt
nebenan, nebenan in den Banken.

Wer regiert die Welt - ? Hier kann man das sehn.
Um alle Kirchen die Banken stehn
eine Etage höher.

Kurt Tucholskv, 1930

Echt

Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben. Das hat mehrere Gründe, die feinsten sind die wissenschaftlichen Gründe (...) Über die ältere Nationalökonomie kann man ja nur lachen und dürfen wir selbe daher mit Stillschweigen übergehn. Sie regierte von 715 vor Christo bis zum Jahre 1 nach Marx. Seitdem ist die Frage völlig gelöst: die Leute haben zwar immer noch kein Geld, wissen aber wenigstens, warum.


Kurt Tucholsky

Dienstag, 23. Dezember 2008

Ein Gedicht

Wenn die Börsenkurse fallen
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heisst Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben. (....)

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen, (....)

triffts hingegen grosse Banken
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt mit Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

(...) Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!

Kurt Tucholsky, 1930