Samstag, 12. Juli 2008

Hedge Funds (2)


„Was ist ein Hedge-Fund?“


„ Eine gute Frage“, antwortet mir Erwin W. Heri aus Winterthur und erklärt : „Kaum zwei dieser Fonds oder Portfolios machen wirklich dasselbe“.



Und Erwin W. Heri aus Winterthur ist nicht irgendwer. Er ist Professor für Finanzen, Anlageprofi, Mehrfachverwaltungsrat, Bestsellerautor von diversen Ratgebern, Sehr empfehlenswert: „Moden und Mythen an den Anlagemärkten“, in welchem es heisst: „Das einzige Gemeinsame der Hedge-Funds ist, dass sie mit allen möglichen Instrumenten, ohne wesentliche Restriktionen und Regulierungen und oft ziemlich intransparent arbeiten können und wollen.“

Mit andern Worten: Ich bin nicht allein. Andere haben auch keine Ahnung, was ein Hedge Fund ist.

Fortsetzung folgt


Freitag, 11. Juli 2008

Aufruf


Kann mir jemand erklären, was ein Hedge-Fonds ist?

In einem Dokumentarfilm, neulich im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt, hiess es, die UBS, immerhin die grösste Bank der Schweiz, sei zu einer Art „Hedge-Fonds“ verkommen. Ich merkte, dass das als Schimpfwort gemeinte, war, und ich erinnerte mich daran, dass man früher, um die Papiere einer Firma herabzuwerten, von „Junk Bonds“ sprach. Aber was ist bloss ein „Hedge-Fonds“?

Um ehrlich zu sein, ich weiss es nicht.Doch das Unwort macht die Runde.

In einem Manifest über Wirtschaftsethik, verfasst von den drei Professoren Mario von Cranach, Peter Ulrich, und Philippe Mastronardi, heisst es,



- dass auf der einen Seite "Hunderttausende von Menschen ihr Heim und Zehntausende ihren Arbeitsplatz verlassen müssen, zahllose rechtschaffene Bürger um ihre Existenz bangen müssen...



- ...während "auf der andern Seite einige Hedge Funds Milliarden an der Krise selbst verdient haben."



Logisches Fazit der Ethiker:

"Gesellschaften, in denen so etwas möglich ist, sind moralisch krank."

Das finde ich auch, und darum möchte ich heute ein für alle mal wissen: Was zum Teufel ist das eigentlich, ein Hedge Fund? Wer hilft mir auf die Sprünge?


Fortsetzung folgt

Dienstag, 8. Juli 2008

Megatrends

Was sind das für Zeiten? Man wacht auf, mitten in der Nacht, setzt sich aufs Sofa, liest einen Anlagekommentar der Bank Wegelin, der nicht einfach zu lesen ist, aber am Ende bildet man sich ein, ein klein wenig kapiert zu haben. Es sind strube Zeiten.

In struben Zeiten muss man die Megatrends erkennen, um sich nach ihnen ausrichten zu können. Man darf sich freuen: Wir erleben, ökonomisch und global gesehen, einen einmaligen Boom. Mit China boomt ein halber Kontinent, wie zuvor noch nie ein halber Kontinent geboomt hat. Auch Russland boomt, Brasilien, das Baltikum, Mitteleuropa (Slowakei, Teschechien, Polen) bis und mit Rumänien. Sogar die Schweiz boomt, wie wir das vor einigen Jahren kaum zu hoffen wagten, nicht zuletzt dank den Exporten in alle boomenden Regionen dieser Welt.


Wer nur auf den Aktienkurs der UBS starrt, übersieht, was begonnen hat, eine Art goldenes Zeitalter.

Hervorgerufen wird der Wachstumsschub, wie alle Wachstumsschübe zuvor, durch eine neue Technologie: Internet samt Computer, „Dotcom“ wird endlich breit angewendet und führt zu ungeahnten Möglichkeiten. Wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, mir vor zehn Jahren gesagt hätten, sie würden heute Zeit finden, um meinen Blog zu lesen, hätte ich Sie für hirnkrank erklärt. Heute denke ich, dass Sie möglicherweise in weiteren zehn Jahren keine Zeitungen oder Magazine mehr kaufen werden. Aber Sie werden trotzdem lesen, sogar mehr lesen als heute: beim Surfen im Internet, beim Pendeln im Gratisblatt. Und Sie werden endlich Zeit haben, Bücher zu lesen!

In diesen Zeiten reden alle von „Inflation“ oder „Stagflation“. Gespenster gehen um: Im Wort „Stagflation“ steckt die „Stagnation“ – dabei boomt die Weltwirtschaft rund um uns herum. Auch die „Inflation“, die uns samt der „Stagnation“ erreichen soll, ist hohles Geschwätz. Zwar zeigen immer mehr Kolumnisten mit dem Zeigefinger nach oben, warnen vor der expansiven Geldpolitik der Zentralbanken, welche in diesen struben Zeiten die Banken angeblich mit „zu viel“ Geld versorgen und damit die „Verluste sozialisieren“.

Nun ist die Geldpolitik einer Zentralbank ein komplexes Thema, die Definitionen der Geldmengenaggregate ändern ständig, zudem schauen die Notenbanken heute statt auf die Mengen auf die Zinsen. Blicken auch wir auf diese Zinsen, erfahren wir: ob kurz- oder langfristig, ob Euro, Dollar oder Schweizer Franken, alles ist stabil, alles normal, nichts invers, günstig für Investitionen aller Art. Die Notenbanken sind trotz US-Kreditkrise nirgendwo fahrlässig expansiv. Sie sorgen schlicht für genügend Liquidität- um alles Schlimmere zu verhindern. Sie haben aus 1929 die Lehren gezogen.

In den USA sind die Immobilienpreise gekracht, sie werden wohl oder übel weiter fallen, in England, in Spanien ebenso. In der Schweiz jedoch, da bin ich mir ziemlich sicher, werden sie nicht einbrechen. Es gibt keinen Megatrend, wonach sämtliche Häuserpreise ins Bodenlose versinken. Was sich verändert, sind die relativen Preise.

Ein anderer, einzelner Preis steigt tatsächlich extrem: derjenige von Öl. Öl ist ein besonderer Saft, weil vom Öl fast alles abhängt und das teurere Öl damit alles andere auch teurer macht. Mit welchen Folgen? Die US-Amerikaner entdecken den öffentlichen Verkehr. Ich habe bei mir zu Hause die Kellerdecke isoliert, Haustüre und Fenster ausgewechselt. Jeder hohe Preis ist immer ein Signal: Wir Menschen sind anpassungsfähig. Auch für das Klima ist es nicht das Schlimmste, wenn ein jeder von uns den CO-2-Ausstoss etwas reduziert.

PS: Der Kurs der UBS-Aktie sackt heute Vormittag auf 19 Franken ab. Geht es UBS schlecht, geht es der Schweiz nicht besser. Aber das ist kein Anlass zu verzweifeln

Der neue Anlagekommentar der Bank Wegelin im Volltext:


Freitag, 4. Juli 2008

Wer übernimmt die UBS?

Ich nicht. Ich werde zu meinen bisherigen 100 Aktien keine einzige hinzukaufen.

Der russische Investor Suleiman Kerimow, der nahezu 3 Prozent der UBS-Aktien gesammelt haben soll, ist vermutlich auch eine Nummer zu klein. Selbst der frühere UBS-Chef Luqman Arnold ist via seine Anlagegesellschaft Olivant lediglich bei 2,5 Prozent der UBS angekommen.

Oder langt doch die Credit Suisse zu? Gemäss gewöhnlich gut informierten Quellen soll die Zürcher Grossbank dem Basler Pharmakonzern Novartis nacheifern, dessen Chef Danile Vasella übers Kreuz mit der Roche anangebandelt hat, ohne sich vorher mit der Konkurrenz vom andern Rheinufer abzusprechen. Dies war, wie Kurt Schiltknecht, ein Intimus von Martin Ebner, mir einmal anvertraut hat, die klügste Tat von Daniel Vasella überhaupt.

Läuft auf dem Zürcher Bankenplatz ab, was im Basler Labor vorgespurt wurde? Nicht unbedingt. In die Rolle der CS schlüpft vorerst die linke Wochenzeitung „WoZ“. Sie sucht 1'466'283'530 neue Abonnenten. Gelingt der Coup, kauft die WoZ für jeden neuen Abonnenten eine UBS-Aktie, übernimmt auf diese Weise die Mehrheit und rettet anschliessend die UBS.

Wie nötig die UBS Hilfe von aussen hat, zeigt der heutige Tag, an dem bekannt wurde, dass die UBS von den Schweizer Steuerbehörden eine "Gutschrift" in Höhe von sage und schreibe 3 Milliarden Franken erhalten hat. Als normaler Steuerzahler (zum Volltatarif!) verstehe ich die Schweiz nicht mehr: Wie dumm muss ich mich anstellen, damit auch ich einen Rabatt erhalte? wie viele Risiken eingehen, wie hohe Abschreiber einfahren?

Offenbar können die Gewinne aus dem einen Jahr mit den Verlusten aus dem andern aufgrechnet werden. Noch ist alles undurchsichtig, aber vieles erinnert an den Fall der Swissair, als der Staat schon einmal im letzten und dümmsten Moment einsprang - und erst noch auf die dümmste Art.



Anstatt von der UBS weniger Steuern zu verlangen, sollte der freisinnige Finanzminister Hans Rudolf Merz besser die Alternative "WoZ" prüfen, um sich mehr oder weniger direkt in die UBS einzukaufen. Dann hat Merz wenigstens die Chance, von allfälligen Kurssteigerung zu profitieren. Im Notfall ist es ohnehin der Staat, der die UBS übernehmen muss.

Donnerstag, 3. Juli 2008

Papa Benedikt

Die SBB wollen den Vater Staat auf Schadenersatz einklagen, weil dieser die SBB-Pensionskasse nicht mit genügend Anfangskapital ausgestattet habe. Interessant.

Noch interessanter ist, dass damals, als die SBB-Pensionskasse mit 5,5 Milliarden Franken und einem Deckungsgrad von 100 Prozent in die Selbstständigkeit entlassen wurde, niemand klagte. Im Gegenteil. Die BB-Pensionskasse (langjähriger Präsdient: Benedikt Weibel) , durfte tun, was ihrem Arbeitgeber SBB (langjähriger Präsident: Benedikt Weibel) passte. Während zehn Jahren feuerte er zehn Tausend Arbeitnehmer. Er tat dies auf eine sozialverträgliche Weise, die vom sozialdemokratischen SBB-Bundesrat Moritz Leuenberger wie folgt elobt wurde: als "Personalumbau unter einem sozialdemokratischen CEO, zusammen mit dem Personalchef und denMitarbeitern."



Konkret wurde das Problem mit mit grosszügig honorierten Früh-Invalidisierungen gelöst,die von der SBB-Pensionskase nicht genügend vorfinanziert waren - und an deren Spätfolgen die SBB-Pensionskasse bis heute leidet.

Preisfrage: Wer ersetzt welchen Schaden?

Mittwoch, 2. Juli 2008

You & Us

„Soll ich jetzt UBS-Aktien kaufen“, fragen mich Leute, die meinen, ich würde davon etwas verstehen. Ihr Gefühl trügt. Ich selber frage mich solche Dinge längst nicht mehr.

Am 30. Mai nämlich, es stand in diesem Blog, kaufte ich 100 UBS-Aktien zum Kurs von 25.40. Wie man auf der Rennbahn auf Pferde wettet, so wettete ich auf die UBS. Ich verliess mich aufs Gefühl, wissend, dass Gefühle trügen können.

Jetzt will ich nicht klagen. Ich sehe über zwischenzeitliche Verluste locker hinweg. Ich mag zwar nur ein kleiner Fisch sein. Aber ich habe trotzdem eine Strategie, was man nicht von allen hohen Tieren bei der UBS behaupten kann. Meine Strategie lautet: Ich werde keine Verluste realisieren. Nie. Was auch immer mit der UBS geschehen mag.

Dank dieser Strategie ist mein Risiko exakt berechenbar. Im schlimmsten Fall geht die UBS konkurs und meine 100 Aktien werden zu Nullen . So what! Wäre ich ein Buchhalter, sähe ich mich am heutigen Tag vielleicht zu einem vorsorglichen Abschreiber in der maximalen Höhe von 2540 Franken gezwungen. Aber ich bin immerhin in der Lage, die maximale Höhe meines Abschreibers zu nennen, wozu die Buchhalter der UBS seit einiger Zeit nicht mehr fähig sind.

Vor allem aber befolge ich eine alte Börsenregel, die besagt, dass man dem „schlechten Geld“ (UBS-Aktien zu 25.40) kein „gutes Geld“ (UBS-Aktien zu 20 Franken) hinterher werfen soll. Ich werde keine UBS-Aktien mehr kaufen. Keine einzige. Habe ich auch gar nicht nötig. Hätte die UBS tatsächlich „das Gröbste hinter sich“ , wie ich am 30. Mai, gehofft hatte, würde die Aktie bald steigen.Und wie! Aber dann verdiene ich mit – dank meinem Deal vom 30. Mai. That’s it!

Dienstag, 1. Juli 2008

Sommerstau


Rechtzeitig vor dem Sommerloch halte ich fest: es gibt Themen, die politisch einfach nicht populär sind. Aber trotzdem ökonomisch vernünftig.

Dazu gehört Road Pricing. Ein neudeutsches Wort , das nach Mittelalter tönt, nach Strassenzoll. Dabei wäre es eine zukunftstaugliche Option. Alle, die ausgerechnet dann Auto fahren wollen, wenn alle andern auch Auto fahren wollen, sollen Auto fahren dürfen. Aber dafür bitte extra bezahlen. Wie Erfahrungen in London oder Oslo zeigen, reagieren Autofahrer auf solche Signale. Prompt kommt es zu weniger Staus, weniger Wartezeiten, weniger Abgasen, hervorgerufen durch sinnlos stehende Mobile.

Trotzdem will von Road Pricing in der Schweiz niemand etwas wissen. Nicht einmal der Bundesrat, den ich sonst so lobe. Der Bundesrat ist zwar grundsätzlich dafür, lässt vorerst aber mal abklären und denkt „frühestens in zwanzig Jahren“ an eine konkrete Umsetzung.


Vielleicht hilft eine Studie aus einer politisch unverdächtigen Ecke. Die Credit Suisse zeigt kurz und bündig auf, wie Road Pricing funktioniert – und wie man Road Pricing ein paar Jahre früher schon umsetzen könnte.