Freitag, 14. November 2008

The show goes on and on

Bei der mit unsern Steuergeldern geschmierten grössten Schweizer Bank laufen die Räder derart rund und heiss, dass niemand Zeit und Musse findet, ein Auge zu werfen auf die grossen Inserate, die für kleines Geld in der internationalen Presse platziert werden.

In der neuen Ausgabe des Economist prominent im vorderen Teil sehe ich wieder einmal das Uraltsujet:

"The world changes. Our commitment doesn't."
You & Us


Frühere Posts zum Thema
25. Oktober
18. Oktober

Mittwoch, 12. November 2008

Tschau Sämi

Ein Besucher meines Blogs, der weder seinen Vornamen noch seinen Namen nennen will, vom Gedankengut her wertkonservativ positioniert ist, ärgert sich , dass ich handelnde Personen wie Mister Wuffli beim Vornamen - "Peter" - nenne.

Heute, da Bundesrat Schmid Samuel abtritt, bleibe ich mir treu und verabschiede diesen kameradschaftlich. Ich tue das übrigens nicht zum ersten Mal. Heute freue ich mich einfach, dass er die Überraschung geschafft hat, aus diesem Schritt eine Überraschung zu schaffen. Ein gelungenes Finale, finde ich, nach einem langen traurigen Jass, in welchem Sämi und seine ehemaligen Kollegen sich die Trümpfe gegenseitig aus der Hand gezogen haben. So etwas funktioniert weder in der Beiz noch im Bundeshaus. Am Ende wird Peter (mit Nachname: Spuhler) zum "Verräter" erklärt , obschon dieser Frau Widmer-Schlumpf nicht beim Vornamen genannt, sondern linientreu als "Verräterin" beschimpft hat. An diesem Ende angelangt frage ich kleiner Blogger mich, wer der wirkliche "Verräter" sein soll, wenn es nicht Christoph der Herrliberger sein darf.

So gesehen hat Sämi gerade noch rechtzeitig "Tschau Sepp" gesagt.

Frühere Posts zum Thema:


10. September

1. August

Sonntag, 9. November 2008

Der freie Markt und die Moral (2)

Der freie Markt der öffentlichen Meinungen setzt den handelnden Personen so stark zu, dass diese am Ende klein beigeben. Heute meldet Die NZZ vom Sonntag, dass Peter Wuffli auf 12 Millionen Franken Bonus verzichtet, angeblich "freiwillig".

Schön.

Noch schöner ist, dass Wuffli zu den wenigen gehört, die tatsächlich "freiwillig" ein klein wenig von ihren Riesenverdiensten an die Gesellschaft zurück zahlen. Zusammen mit seiner Gattin Susanna gründete Peter, analog zu Bill & Melinda Gates, analog zu Daniel & Gattin Vasella, eine Stiftung unter dem Namen Elea. Das Ziel der Wuffli-Stiftung ist leider noch schwammig definiert, die Rede ist von "Ethik" und "Globalisierung". Konkret wissen wir nur, dass ein Projekt zur Windkraft in Madagaskar unterstützt wird.

Am schönsten wäre, wenn Mister Wuffli über seine Elea Stifung nicht nur schön reden, sondern auch professionell informieren würde.

Samstag, 8. November 2008

Der freie Markt und die Moral

Was tut ein Schweizer Magazin, das dem Zürcher Tages-Anzeiger, der Berner und der Basler Zeitung beigelegt wird, mit einem Gratis-Text über den freien Markt und die Moral?

Es füllt redaktionelle Seiten ab und spart Kosten.

Was tut das englische Magazin The Economist mit demselben Inhalt?


Es verkauft zwei Inserateseiten (Seiten 82 und 83 der aktuellen Ausgabe) und nimmt Geld ein.

Wer am Ende wissen will, was die Moral von dieser Geschicht' ist, findet die Antwort nicht etwa im freien Wettbewerb zwischen dem Schweizer Magazin und dem britischen Economist. Die vollen Antworten auf die letzten Fragen gibt es nämlich nur hier und nirgendwo sonst.

Donnerstag, 6. November 2008

Es wird Zeit

...dass die Sschweizerische Nationalbank ihre Ziele nicht deklariert, sondern erreicht.

Der Leitzins, der Drei-Monatslibor, soll zwischen 1,5 und 2,5 Prozent betragen, teilt sie heute offiziell mit.

Der aktuelle Satz: 2,56.

Also muss die Nationalbank Gas geben. Viel Gas.

Sogar der konservative Kurt Schiltknecht, der frühere Chefökonom der Nationalbank unter Fritz Leutwiler, fordert in der Weltwoche von heute: "Mehr Tempo, bitte."

Mittwoch, 5. November 2008

Es war Zeit

für Barack Obama.

Seit zwei Jahrzehnten höre ich das Klagelied über das "Zwillingsdefizit der USA": Trotzdem hat sich der verschuldete Staat immer weiter verschuldet, trotzdem wurde die rote Aussenhandelsbilanz immer roter. Das kann nicht ewig so weiter gehen, habe ich selber behauptet - vor drei Jahrzehnten.

Doch Baracks Vorgänger haben sich durchgewurstelt.

Dank der Finanzkrise haben wir nun erfahren, dass es manchmal schneller geht als wir denken können. Die nächste Krise wird eine Währungskrise sein. Neben den angeblichen Empires mit den doppelten Defiziten entstehen neue Reiche mit doppelten Überschüssen.

Und eines nicht mehr so fernen Tages - when the Change has come -
werden die Chinesinnen und Chinesen den US-Amerikanerinnerinnen und US-Amerikanern keine Dollars mehr bereit stellen. Sondern nur noch Yuan.

Samstag, 1. November 2008

Mein Lehrer Greenspan


Alle prügeln auf Greenspan ein und erklären diesen zum Sündenbock der gegenwärtigen Finanzkrise.

Als bloggendes Greenhorn bekenne ich, dass ich von Greenspan einiges gelernt habe.

Alan war ein Kenner und Meister von Statistiken, aus denen er allerhand herauszulesen wusste. Zum Beispiel eine Regel, die heute – leider – wieder aktuell wird:

„Jeder Inversion der Zinskurve ist in den letzten 40 Jahren eine Rezession gefolgt“.


Dieser grosse Satz des Alan Greenspan gilt sogar für die kleine Schweiz. Am schlimmsten war die Inversion der Zinskurve in der Amtszeit von Markus Lusser zwischen 1988 und 1996. Lusser kämpfte und kämpfte gegen die angeblich drohende Inflation derart rigoros, dass die kurzfristigen Zinsen weit über die langfristigen Zinsen hinausschossen ( = inverse Zinsen). Es folgte eine anhaltende Wachstumsschwäche während den 90er Jahren. Markus Lusser wurde zum „Jobkiller der Nation“. So titelte das damalige Nachrichtenmagazin Facts. Zum selben Schluss kamen Gewerkschafter und namhafte Ökonomen, sogar innerhalb der Nationalbank selber.

Jetzt ist es wieder so weit: Die Zinsen sind invers. Am schlimmsten in den USA, in der EU,sogar in China. Seit einigen Wochen auch in der Schweiz. Erst Ende letzter Woche ist es der Nationalbank endlich gelungen, die kurzfristigen 3-Monatssätze zu senken. Aber noch sind sie nicht tief genug. Von der Economiesuisse bis zu den Gewerkschaften, alle Ökonomen wollen noch tiefere Zinsen. Jean-Pierre Roth, der Nationalbankpräsident himself, kündet in der NZZ von heute an: das werde geschehen.

Zwischenfrage:

Warum können Zinsen überhaupt invers sein? Sprich: Warum können die kurzfristige Zinsen höher sein als die langfristigen ? Warum können die Wolkenkratzer-hochverschuldeten USA und zahlreiche EU-Länder sich fröhlich weiter verschulden? Zu Zinssätzen, die auf Jahrzehnte hinaus tiefer sind als die heute geltenden Kurzfristzinsen?

Antwort:

Weil die Märkte zur Zeit verrückt spielen. Und weil alle Leute wissen: Lange wird das nicht andauern. Lange werden die Zinsen nicht invers sein.

In einem ersten Schritt werden, wie Roth heute via NZZ bestätigt, die tiefen kurzfristigen Zinsen weiter gesenkt. Noch tiefer sinkende kurzfristige Zinsen bedeuten im Klartext: Die expansive Geldpolitik wird noch expansiver.

Extrem expansiv.

Eine extrem expansive Geldpolitik führt, das wissen wir nicht erst seit Greenspan, zu Inflation - eher früher als später. Eine anziehende Teuerung aber wird die Leute bald davon abhalten, ihren überschuldeten Staaten noch mehr Geld auszuleihen. In der Folge werden die langfristigen Zinsen für Staatsobligationen steigen und über die kurzfristigen hinaus schiessen - eher früher als später.

Also naht das Ende der inversen Zinsen. Von allein, ganz automatisch. Nur ist das - leider - keine frohe Botschaft, im Gegenteil. Höhere Langfristzinsen bedeuten, dass es eng wird. Eng für alle. Eng für sämtliche überschuldeten Staaten, eng für einige überschuldete Unternehmen. Aus dem Credit Crunch wird dann eine Zinsklemme.

Und wir alle werden noch zu spüren bekommen, was Alan Greenspan vorausgesagt hatte.

„Jeder Inversion der Zinskurve folgt eine Rezession“.

Das nächste Mal spätestens 2010.