Montag, 7. November 2016

Börsenspielerei

In den letzten etwa fünf Wochen habe ich mitgemacht  beim Börsenspiel der Finanz+Wirtschaft. Und dabei erfahren: Wenn du auf Finanzmärkten Geld verlierst, bist du  nicht der einzige  und schon gar nicht der letzte

Gestartet mit ich bei 100'000'000 Franken, belandet bei 96'842 Franken.

Wie mies war das?

"Meine" Minus  3.2 Prozent vergleiche ich mit dem Schweizer Börsenindex SMI,  der während der selben Zeit um 7 Prozent gefallen ist. Das war meine Benchmark, die  ich schlagen wollte. Was mir gelungen ist.

Dass ich "gut" war,  bestätigt der Blick auf die Tabelle. Unter  2512 Teilnehmern habe ich Rang 1014 erreicht,

Lerne: Geld anlagen heisst Geld verlieren. Oder andersrum: Cash ist das Gebot vor dem nächsten Crash. Hätte ich "meine" 100'000 Franken behalten, könnte ich  mir auf die Schulter klopfen (Rang 153 von 2512).

Donnerstag, 22. September 2016

Bänz, der Titelheld



Bänz ist grad zurück aus Interlaken. Total aufgestellt. Gestern die zweite Aufführung seines neuen Programms, die Bühne riesig, die Stimmung fröhlich. 850 Personen an langen Tischen, ein Mix aus Open-Air-Festival und Dorffest. «Was draussen im Land abgeht, davon haben viele Journalisten in Zürich keine Ahnung», sagt Bänz Friedli, der ebenfalls ein Journalist in Zürich war. Doch ihn zog es auch in die Provinz. Ob als Journalist, Kolumnist oder Kabarettist – im Grunde tue er immer dasselbe: «Ich beobachte. Höre zu. Frage nach.» Und dann erzählt er von diesen fremden Welten.

Nach dem Auftritt in Interlaken traf er André und Paul zum Bier. Mit André hatte er vor 36 Jahren in Uettligen BE ein Grümpelturnier gegründet, wo er bis heute mitspielt. Den Paul hatte er damals im Gemeinderat von Wohlen bei Bern abgelöst. Gerade 20 war er, als er gewählt wurde – zum jüngsten Exekutivpolitiker der Schweizer Geschichte.

Diesen Ruf brachte er nie mehr los. Als Friedli letztes Jahr mit dem Salzburger Stier ausgezeichnet wurde, dem wichtigsten Preis für Kleinkunst im deutschsprachigen Raum, sagte der Laudator: «Er kennt den Feind.» Und wie. Der Ehemalige entlarvt die Amtierenden, teilt mal nach links aus, dann nach rechts. Toni Brunner, der damalige SVP-Präsident, klopfte ihm im Zug nach Bern auf die Schulter – zum Dank. Denn er weiss, dass Satiriker den Toggenburger Toni noch populärer machen.

Im neuen Programm nimmt Bänz Friedli Simonetta Sommaruga beim Wort, der es im geräumigen Eigenheim mit ihrem Partner zu eng geworden ist. Soeben hat sie in der Altstadt eine «Zweitwohnung» bezogen; dabei kämpft ihre Partei gegen kalte Betten.
Das ist «ke Witz», wie sein Programm heisst. Bänz Friedli tritt damit unter anderem im Dezember am Arosa Humor-Festival auf (siehe Leserangebot S. 20). Die Wirklichkeit, sagt er, sei so absurd, dass er nichts überzeichnen müsse. «Was tun nach dem Einschlag einer Atombombe?», fragt er. Und zitiert die Anleitung aus den 1980er-Jahren, die Zivilschützer Friedli nie vergessen wird: «Den atomaren Staub mit einem Schlauch von den Dächern spülen und das Vieh gut abspritzen.»

Spricht Bänz Friedli über sein Leben, tönts planlos. Das eine habe sich aus dem andern ergeben. Den Clown spielte er erstmals als Zwölfjähriger im Turnverein von Wohlen. Als später in Uettligen ein altes Haus mit Jugendraum vom Abriss bedroht war, engagierte er sich in der Jugendgruppe Vulkan, die Studiofilme ins Dorf brachte und Lesungen organisierte. So lernte der kleine Bänz den grossen Franz Hohler kennen. Heute sind sie Berufskollegen. «Ich wurde von einer Gruppe von Jungen, die sich Vulkan nannte, nach Uettligen eingeladen», erinnert sich Franz Hohler. «Unter ihnen war der Schüler Bänz Friedli, und ich hatte damals den Eindruck, dem sei es Ernst mit allem, was er anpackte. Es erstaunt mich demnach nicht, dass Bänz Friedlis Vulkan auch heute noch fröhlich weiterspeit, und ich freue mich darüber.»

«Schnurre» gelernt hat Friedli mit 19 beim Berner Lokalradio Förderband, wo er den «Pseudotschingg» gab, der dem hiesigen Publikum italienische Cantautori vorstellte. Seine Schallplatten kaufte er im Keller des Berner Ladens Bebop, wo Polo Hofer Stammgast war und ihn mit der Musik der US-Südstaaten vertraut machte. Im Bro Records, einem anderen Berner Plattenladen, begegnete er öfter Kuno Lauener, dem Sänger von Züri West. Beide kamen aus dem gleichen Antrieb: Sie wurden von einer mysteriösen Schönen bedient, deren Namen «ich bis heute nicht weiss».

Treu sind sich Kuno und Bänz als ewig leidende Fussballfans der Berner Young Boys. Zieht Bänz heute seinen gelbschwarzen YB-Schal auf der Bühne hervor, braucht er nichts zu sagen, sein Publikum lacht.

Im Basler «Tabourettli» sass eines Abends im Publikum: Emil, den Bänz als Bub im Circus Knie bewundert hatte. Heute schallt das Lob zurück: Friedli sorge für «eine Blutauffrischung des Schweizer Kabaretts – eine kulturelle Wohltat», sagt Emil Steinberger.

All dies gelernt hat Bänz Friedli «by doing», ohne Ausbildung. Sprache und Musik, das sind seine Pfeiler. Dank dem Blues im Blut hat er ein Gefühl für das richtige Timing, das eine Pointe erst zum Witz macht. Zum Beweis, wie Rhythmus die Comedy prägt, zitiert Bänz Friedli, geboren 1965, aus einer Nummer von Cés Keiser, verstorben 2007: «Und e Schegg und e Bon und e Kindertrumpetli.» Cés Keiser sei, so der Musikjournalist, der erste Rapper der Schweiz.

Den eigenen Sprung auf die Bühne schaffte Friedli zwanglos. Als Kolumnist lebte er sich in zwei Hauptrollen hinein: zuerst als Pendler, dann als Hausmann. Nach der Geburt der beiden Kinder Hans und Anna Luna zog Bänz 1998 mit seiner Frau Barbara von Bern nach Zürich. Genauer: in den Vorort Schlieren. Fortan pendelte er in die Limmatstadt, schaute genau hin, hörte zu und protokollierte für die Gratiszeitung «20 Minuten».
Zeitgleich arbeitete er als Musikjournalist beim damaligen Nachrichtenmagazin «Facts». Dort schrieb er einmal einen gnadenlosen Verriss über Mundartrocker Gölä. Der aufkommende Star reagierte grandios: Er druckte den Verriss auf sein T-Shirt und schaltete, so gekleidet, ein ganzseitiges Inserat in der Zeitschrift «Facts» unter dem Titel «Fägts?».
Bänz hintersann sich. Plötzlich war er ein arroganter, städtischer Journalist, der offenbar keine Ahnung hatte, weshalb etwas die Leute bewegt. «Ich musste hingehen und es mir anschauen. 1200 Menschen sangen im Gemeindesaal von Horgen mit wässrigen Augen Göläs Hit ‹E Schwan, so wiss wie Schnee› – ich bekam Hühnerhaut.» Daraufhin erklärte «Facts» Gölä zum Mann des Jahres 1998. Autor: Bänz Friedli.

Daheim in Schlieren kam es heraus wie bei andern Doppelverdiener-Paaren auch: Die Rollenverteilung klappte nicht doppelt. Bänz zog die Konsequenz. Während seine Frau weiterhin für ihren Job als Produzentin und Filmerin ins Fernsehstudio Leutschenbach pendelte, wurde er Hausmann. Und avancierte just in dieser Rolle zur Ikone. Auf seine Kolumne im «Migros-Magazin» erhielt er wöchentlich Dutzende Briefe seiner Fans, ausnahmslos weiblichen Geschlechts. Er ging auf Lesetour, 600 Auftritte. Bis ihm eines Abends auffiel: «Jetzt habe ich die ganze Zeit frei geschnurrt und kein einziges Wort abgelesen.» Er war zum Kabarettisten geworden, ohne es beabsichtigt zu haben.

«Gömmer Starbucks?» hiess 2013 sein Programm, mit dem er als Kabarettist bekannt wurde. 200 Vorstellungen ausverkauft, Bänz Friedli präsentierte den Jugendslang. Von Aarberg bis Ilanz klärte er Eltern auf, wie kreativ, klug und beflissen die heutige Jugend sei. Aus dem «Hausfrauenflüsterer», wie ihn das «NZZ Folio» einmal betitelt hat, wurde der «Jugendversteher». Lehrer besuchten mit Schulklassen seine Vorstellungen, es war ihm fast peinlich.
Im neuen Programm macht er «ke Witz» mehr. «Ich bin einfach Bänz Friedli», sagt er. Und hält uns Zuschauern unter dem Motto «Bänz Friedli gewinnt Zeit» einen Spiegel vor: wie wir vor lauter Zeitgewinn so viel Zeit sparen, dass am Ende gar keine mehr übrig bleibt.

Dieser Text ist soeben in der “Schweizer Familie” erschienen.

Montag, 22. August 2016

Olivier Pagan, Stefan Kurt, Siylle Forrer, Marco Solari, Gabriela Manser

Zur Zeit: Neulich traf ich
Oliver Pagan, Zoo Basel
Stefan Kurt, BFG
Sibylle Forrer, Pfarrerin
Marco Solari, Filmfestival Locarno
Gabriela Manser, Flauder

Alle Interviews gedruckt in der "Schweizer Familie".






Freitag, 29. Juli 2016

Zur Zeit: : Ein Gespräch mit der Pfarrerin Sibylle Forrer

Was haben Sie heute vor?
Am Nachmittag führe ich in Kilchberg ein Traugespräch. Das mache ich vor jeder Hochzeit. Oft stehen wir in der Kirche Probe, das hilft dem Paar gegen die Nervosität. Soeben habe ich im Fernsehstudio das “Wort zum Sonntag” aufgenommen.
Waren Sie da auch nervös?
Eine Portion Nervosität ist nötig, auch bei jeder Predigt. Ich muss aufpassen, dass ich nicht nicht so schnell rede, wie ich mir das gewohnt bin. “2000 Worte pro Sekunde”, stand in der Maturzeitung über mich.
Das Wort zum Sonntag”, die Sendung zu Religion und Gesellschaft, ist vier Minuten kurz. Über was haben Sie diesmal gesprochen?
Ich habe ich auf Facebook gefragt: Welches Thema wünscht Ihr? Es kamen Ideen für zehn Jahre. Nun habe ich die traurige Lebensgeschichte eines Verdingkindes erzählt, da stehen wir als reformierte Kirche in der Verantwortung.
Sie sind sehr aktiv auf Facebook.
Ich mache das nebenher, etwa beim Zugfahren. Eine verrückte Welt. Man kommt mit Menschen in Kontakt und tauscht sich aus. Ich schätze das Interaktive an den social media.Was bedeutet Zeit im theologischen Sinn?
Im Buch “Kohelet”, steht der bekannte Text zum ThemaAlles hat seine Zeit.” Wir haben eine Zeit fürs Weinen, eine Zeit fürs Lachen. Es gibt nicht bloss Happy Time, das Leben ist ein ständiges Entstehen und Vergehen. Gerade deswegen ist es so wichtig, dass wir das Hier und Jetzt so gut wie menschenmöglich füllen.
Sie haben im Frühling einer tschetschenischen Familie während sechs Wochen Kirchenasyl geboten. Warum?
Zwei Mal hatte die Polizei versucht, diese Familie zwei Mal mit zwangsweise auszuschaffen. Das wollten wir ein drittes Mal verhindern, damit die Kinder nicht total traumatisiert werden. Das ist gelungen. Wir hatten aber natürlich auch die Hoffnung, dass die Behörden einlenken und die Familie in der Schweiz bleiben kann.
Wie geht es der Familie heute?
Vor allem für die Kinder ist es schwer. Sie leben in einem für sie komplett fremden muslimischen Land. Sie reden kein Wort Russisch, dürfen darum nicht in die Schule. Die Mädchen müssen Kopftücher tragen. Bei uns hätte Marha, das älteste, bald die Gymiprüfung gemacht, so gute Noten hatte sie. Sie kam gerne mit ihrer Schwester Linda in die Kirche, weil es sie interessiert hat.
Sie ecken mit Ihrem Engagement an, manchmal auch mit einem “Wort zum Sonntag”.
Es ist mir ein Anliegen, Stellung zu beziehen::für ein multikulturelles Zusammenleben. Oder für eine “Ehe für alle”, auch für Schwule und Lesben. Ich lege dar, dass der Islam im Kern keine gewalttätige Religion ist. Und wenn ich als Pfarrerin “gleicher Lohn für Mann und Frau” fordere, löst das bereits von gewissen Kreisen einen Shitstorm aus.
Wie oft beten Sie? Das Gespräch mit Gott ist ist für mich ein ständiger Begleiter, das kann ich nicht an- und abstellen wie einen Wecker
Wann stehen Sie am Morgen auf?
Um sieben läuten die Glocken, wir wohnen ja direkt bei der Kirche. Am ersten Morgen bin ich gestanden im Bett, inzwischen empfinde ich den Klang als wunderbar. Mein Mann überhört es sogar, er führt als Gastronom drei Beizen und geht noch später ins Bett als ich.
Was täten Sie, wenn Ihnen drei Wochen geschenkt würden?
Den Jakobsweg ablaufen zusammen mit Freunden und meinem Hund bis ans Ziel Santiago de Compostela.

Sibylle Forrer, 36, ist reformierte Pfarrerin in Kilcherg ZH. Ihre nächsten und letzten “Wort zum Sonntag”: Samstag 13. August, und Samstag, 10. September, SF1, 20 Uhr.

Dieses Gespräch wurde in der neuen Ausgabe der "Schweizer Familie" gedruckt. Dabei wurden leider ein paar Korrekturen von Sibylle Forrer nicht übernommen. Sorry. Das hier ist die "abgesegnete" Version.



Donnerstag, 19. Mai 2016

Mit der Miss Schweiz im Brockenhaus

© Paolo Dutto
studio@paolodutto.com











































Im Alltag trägt Lauriane Sallin keine luxuriösen Labels. Die aktuelle Miss Schweiz steht auf das Originelle. Also treffen wir uns statt in einer teuren Boutique im Brockenhaus, zentral gelegen hinter den vielen Gleisen am Hauptbahnhof Zürich. Die Ware, die hier feilgeboten wird, ist nicht in jedem Fall spottbillig, dafür echt: riesige Plakatschilder, ausgesessene Wirtshausstühle, Hüte, die mehr als alte Hüte sind. «Ein cooler Ort», sagt Sallin mit dem Charme einer Welschen, die auch mal ein englisches Wort einstreut.

Mit «cool» meint sie lebendig. So lebendig, wie die Kleider sind, in denen sie sich heute präsentiert. Angesagt ist «le style Sallin», wie er originaler nicht sein könnte: selber genäht. Vorgestern, erzählt sie, habe sie im Warenhaus diesen blumigen, fast groben Stoff entdeckt. Ein Meter Breite und knapp drei Meter Länge waren ihr genug, um daraus einen Rock zu zaubern an einem einzigen Samstag in Belfaux FR am Küchentisch im Elternhaus.

Ihr Vater Nicolas: gelernter Maurer. Ihr Bruder Arnaud: gelernter Maurer. Ihr Freund Nathy: gelernter Maurer. Sie selber hat zwei Semester Kunstgeschichte an der Universität Freiburg hinter sich. Ihr Berufsziel: Archäologin. «Steinwerk ist unsere Leidenschaft», sagt sie. Und wenn ihr andere Leute sagen, als schönste Frau der Schweiz müsse sie doch nicht im Dreck buddeln, freut sie sich umso mehr auf den Sommer. Wie letztes Jahr wird sie in der Schweizerischen Archäologischen Schule in Athen ein dreiwöchiges Praktikum absolvieren und wie letztes Jahr im Anarchistenviertel Exarchia wohnen. Wo das Leben auch im wirtschaftlichen Desaster pulsiert und die Jugend trotz miserablen Perspektiven den Mut nicht verloren hat. «Anarchismus», doziert die Miss Schweiz 2016, «bedeutet, dass es über dir keine Leute gibt, die dir sagen, was du zu tun hast.»

Zum Beispiel möchte sie lieber nicht als Model am Automobilsalon in Genf vor Boliden stehen. Total verweigert hat sie sich den Anordnungen und Pflichten einer Miss trotzdem nicht: In Dielsdorf ZH posierte sie an einem Jubiläumsfest von BMW zusammen mit ihrer Vorgängerin Laetitia Guarino, Studentin für Medizin. Zwischen den Missen: Guido Fluri, 49, Immobilienunternehmer aus Baar ZG. Vor vier Jahren hat Fluri die Marke «Miss Schweiz» gekauft, um sie neu zu positionieren: weg vom Oberflächlichen, hin zum Tiefergründigen. Makellos schön muss eine Miss weiterhin sein. Aber gleichzeitig soll sie auch glaubwürdig sein für karitative Aktivitäten. Das hat Lauriane Sallin gereizt, nun erledigt sie beides parallel.

Neben ihren Verpflichtungen für L’Oréal, BMW, Pasito, Balmain und andere Sponsoren wird sie im August mit Bundespräsident Johann Schneider-Ammann an die Olympischen Sommerspiele nach Rio fliegen und dabei ein paar Tage anhängen: für ein Projekt von Terre des Hommes. Es wird ihr vierter Einsatz für eine Hilfsorganisation. Unmittelbar nach der Wahl zur Miss Schweiz besuchte sie Marokko – im Dienst von Corelina, einer Stiftung, die sich für herzkranke Kinder einsetzt. In Rabat erkannte sie, dass nicht allen Kindern geholfen werden kann: «Bei jeder Untersuchung muss eine Entscheidung getroffen werden: Operation – ja oder nein? Leben – ja oder nein? In dem Moment, als ich das hörte, hatte ich ein komisches Gefühl. Ich empfand Ungerechtigkeit, ja ich spürte eine Mitschuld.» Denn sie hätte allen Kindern eine Operation ermöglichen wollen.

Gegründet wurde die Stiftung Corelina vom prominenten Berner Herzchirurgen Thierry Carrel, unterstützt von Guido Fluri, dem neuen Besitzer der Organisation Miss Schweiz. Am Zürcher Opernball wirbelte Fluri die Miss übers Parkett; das ist der Glamour. Doch die beiden verbindet ein Schicksal, das mit dem Miss-Schweiz-Engagement nichts zu tun hat: Fluri lebt seit zehn Jahren mit der Diagnose Hirntumor, Laurianes Schwester Gaëlle ist im Alter von 23 Jahren an einem Hirntumor gestorben – im Mai 2015 während der Castings zu den Miss-Schweiz-Wahlen. Lauriane gab nicht auf, sie wusste, dass sich Gaëlle das so gewünscht hätte.

Als gekürte Miss Schweiz lobte Lauriane Sallin das Rehabilitationszentrum für Kinder und Jugendliche in Affoltern ZH, das auf Hirnverletzungen spezialisiert ist. In der Westschweiz gibt es so etwas nicht. Als Gaëlle nach der Operation nach Hause durfte, musste sie von der Mutter Anne-Noëlle, einer gelernten Krankenschwester, gepflegt werden. Eine Belastung, vor allem psychisch, besonders auch für Lauriane. Nun kämpft sie dafür, dass auch im Kanton Freiburg ein derartiges Reha-Zentrum geschaffen wird.

Deshalb knüpfte sie Kontakt zum höchsten Gesundheitspolitiker im Land: Alain Berset. Man kennt sich schliesslich vom Dorf. Die Eltern Sallin und die Eltern Berset sind sogar in der gleichen politischen Partei. Als Bersets Sohn Alain am 14. Dezember 2011 in Bern zum Bundesrat gewählt wurde, gabs ein Dorffest in Belfaux. Als Sallins Tochter Lauriane am 7. November 2015 in Basel zur Miss Schweiz gewählt wurde, gabs das nächste Dorffest. Kürzlich trafen sich die beiden Amtierenden in der traditionellen Dorfkäserei zu einem Fotoshooting, arrangiert vom Ringier-Medienhaus Zürich.

Inzwischen haben sogar Kulturjournalisten die Miss Schweiz entdeckt. Der Zürcher Autor Linus Schöpfer traf sie und fand «die Intensität, mit der Sallin über akademische Theorien sprach, bemerkenswert». Schöpfers ganzseitiger Artikel, veröffentlicht im Zürcher «Tages-Anzeiger», verleitete das deutsche Nachrichtenmagazin «Spiegel» zum Kalauer «Miss Verstand». Die katholische und die reformierte Presse hat die praktizierende Christin Sallin zur Religion befragt. Und der ehemalige Bundesrat Moritz Leuenberger hat sie als Gesprächsgast zu seiner Matinee im Zürcher Bernhard Theater eingeladen. Dass er mit einer Miss Schweiz über den klassischen griechischen Dichter Sophokles diskutieren konnte, genoss Leuenberger: «Lauriane Sallin denkt sehr politisch.»

Tatsächlich mischte sie sich aktiv in einen Abstimmungskampf ein: Rund um die Durchsetzungsinitiative bezog sie im Februar öffentlich Stellung gegen die SVP-Vorlage. So etwas wäre für eine frühere Miss Schweiz undenkbar gewesen. Und bald wirbt sie mit ihrem Äusseren für einen schonenden Umgang mit den Ressourcen: zu den Themen Wohnen und Ernährung tritt sie auf der neuen Plattform «Energie Schweiz» auf, die vom Bundesamt für Energie geleitet wird.

Ihr Einsatz als Miss Schweiz dauert noch ein halbes Jahr. Sie wird 120 000 Franken verdienen und dabei weiterhin im ländlichen Belfaux im Elternhaus wohnen. Der Eingang ist kaum zu finden, es geht durch eine Mischung aus Garage und Stall. Katzenfamilien, Kaninchen und Wachteln in Käfigen, frei laufende Hühner im Nachbarhof. Mutter Anne-Noëlle sagt: «Unser Zusammenleben hat sich durch Laurianes Titel kein bisschen verändert.» Manchmal kocht ihr die Tochter den Zmittag. Oder sie metzget ein Huhn höchstselbst. «Ich töte das Tier nicht», betont Lauriane Sallin, das Töten erledigt ihr Vater oder ihr Grossvater. Aber sie nimmt die Hühner aus und seziert die Innereien mit wissenschaftlicher Neugier. «Auf diese Weise gewinne ich Respekt vor den Tieren.»

So traurig sie war, als ihre Schwester Gaëlle starb, so rational erzählt sie heute vom Abschied: «Ich habe das auch als positiv erlebt», wie sie die letzten Stunden mit ihrer Schwester verbracht hat. Sie hat gelernt, jeden Augenblick zu schätzen: «Eine Minute ist immer eine Minute. Was du während dieser Minute tust, entscheidest du allein. Danach ist es vorbei, danach kannst du diese Minute niemandem mehr schenken.» Genau so möchte sie ihr zukünftiges Leben gestalten.

Erschienen in "Schweizer Familie"



Montag, 4. April 2016

Eine kleine Geschichte der Schweizer Banknoten




Wenn die Nationalbank am 12. April ihre frisch gedruckten Scheine aus dem Hut zaubert, sind drei Dinge absehbar: Erstens die Zahl 50, zweitens die Farbe grün, und drittens wird das Publikum den neuen Noten schlechte Noten erteilen. Zu lange hat man sich an die bisherigen gewöhnt, die ohne jeden Zweifel wunderschön sind, nicht zuletzt im Vergleich zu den Euro-Noten.


Noch schöner als die jetzige Schweizer Serie war die vorherige, an die man sich nostalgisch gern erinnert, etwa an den Sankt Martin auf dem blauen Hunderter. Wobei die vorvorherige, die erste Schweizer Serie als „die schönste“ überhaupt betrachtet werden darf. Das war noch echte Kunst – bei der sich die Regierung persönlich eingemischt hat.


Am 1. September 1908 schreibt Bundesrat Robert Comtesse dem berühmten Ferdinand Hodler einen Brief nach Genf. „Unser Wunsch“, so der Politiker zum Maler, sind Banknoten als „Kunstwerke, die darüber hinaus einen entschieden schweizerischen und nationalen Charakter“ auszeichnen. Das sei „keine leichte Aufgabe, und sie ist umso schwieriger für den Künstler, als er für die Komposition und die figürlichen Motive, Ensemble und Ornamente , die darauf Platz haben müssen, nur über einen sehr beschränkten Raum verfügt.“ Der Bundesrat bittet um zwei Entwürfe, das Honorar dürfe Hodler hernach allein bestimmen.


Die Harmonie ist bald vorüber, Künstler sind bockige Gesellen. „Unzuverlässig“, „langsam“, wird über Hodler in der neu gegründeten Nationalbank geklagt. Der Konflikt bricht aus rund um das Bild vom „Mäher“, das für die Rückseite der Hunderternote vorgesehen ist. Die Die Stellung des Mähers könne nicht stimmen, und die Art, wie er mit der Hand zur Sense greift, erst recht nicht. Darauf einigen sich laut Protokoll vom 29. März 1909 die drei höchsten Amtsträger in der Expertenkommission: Robert Comtesse, der Bundesrat, Johann Hirter, der Präsident des Bankrats der Nationalbank, und Heinrich Kundert, der Präsident des Direktoriums der Nationalbank.


Was ist der Ursprung dieses ungehörigen Verdachts, der grosse Landschaftsmaler habe sich vom Bodenständigen abgehoben? Vermutlich bekamen die Mitglieder der Expertenkommission eine Schwarz-Weiss-Fotografie zu sehen, die bis heute erhalten ist. Sie zeigt den bärtigen Hodler mit seiner Staffelei auf einer Terrasse über den Dächern der Stadt Genf sitzen. Vor ihm posiert ein Mann im weissen Hemd mit seiner Sense. Keine grüne Wiese, keine Berge im Hintergrund, nur graue Mauern und dunkle Kamine.


Rudolf Locher, Inspektor im Dienst der Nationalbank, nimmt seine Berufsbezeichnung beim Wort. Im nächsten Sitzungsprotokoll der Expertenkommission heisst es: „Nachdem Rudolf Locher sich auf seinen letzten Reisen durch mehrere Kantone die Art der Sensenhaltung genau angesehen hat, kann er nun erklären, 'dass die Sense nirgends so gehalten wird, wie dies auf der Zeichnung des Herrn Hodler der Fall ist'“. Immerhin ein Experte deckt den Künstler: Bankrat Theodor Reinhart, Teilhaber des Winterthurer Handelshauses Volkart, privat ein bedeutender Kunstsammler, bezeugt, „dass sein Knecht, wie mehrere Fotografien belegen, die Sense genau so hält wie Hodlers Mäher.“


Der sture Hodler gibt zum Schluss nur bei zwei andern Details nach: Das „Käppli“, das er seinem Mäher ursprünglich verpasst hat, lässt er weg. Auch dieses wurde beanstandet, weil es „von Kostümkennern als für einen Mäher nicht statthaft erkannt“ wurde. Ebenso ersetzt Hodler, wie von ihm verlangt,die Sandalen des Mähers durch festes Schuhwerk.


Trotzdem verliert er den zweiten Teil des Auftrags. Hodler darf die Hunderternote mit seinem mysteriösen „Mäher“ und die Fünfzigernote mit seinem unbestrittenen „Holzfäller“ schmücken. Doch die Illustration der beiden höchsten Noten, der Fünfhunderter und Tausender, wird dem Westschweizer Maler Eugène Burnand anvertraut.


Stolz präsentiert Rodolphe de Haller, Vizepräsident des Direktoriums der Nationalbank, Burnands Entwurf für die Rückseite der Fünfhunderternote. „Appenzeller Näherinnen in einem Appenzeller Interieur“, lautet der Titel. „Eine gefällige Szene“, meint der Bankier, die vom Stil an Albert Anker erinnere.


Auf Umwegen erfahren andere Experten der Kommission, dass sich Burnand an Fotos aus seinem Familienalbum gehalten habe, die drei seiner Kusinen beim Nähen zeigen – freilich nicht im Appenzellischen, sondern in Montpellier, Frankreich.





Diesmal schlüpft der Sammler Theodor Reinhart, beim „Mäher“ auf der Seite des Malers, in die Rolle des pingeligen Inspektors. Im Mai 1910 reist er mit Burnand ins Appenzellerland, um „den dortigen Typus zu studieren“.


Solche Anekdoten zeigen: Geld geht ans Herz, damals wie heute. Und bis die Kraft der Kunst die Macht der Gewohnheit gewinnt, braucht es Zeit: Hodlers „Mäher“, einst exakt 100 Franken Wert, wird heute, falls die Note ungefalzt ist, unter Sammlern zum 25-Fachen getauscht.


Erfunden wurden Banknoten aus einem profanen Motiv: Sie sind spottbillig, spottbillig in der Herstellung. Die derzeit kursierende violette Tausendernote, die auf der Vorderseite das ehrfürchtige Portrait des Basler Kunsthistorikers Jacob Burckhardt trägt, wird effizient produziert für 30 Rappen pro Stück. Auf diese Weise verwandelt sich, etwas salopp gesagt, ein Fetzen Papier in einen Wert, der dank Garantie durch die Schweizerische Nationalbank überall als 1'000 CHF anerkannt wird. Damit ist „unser“ Tausender die wertvollste Banknote der Welt.


Eine solch wundersame Vermehrung gelingt auf Schweizer Territorium erstmals 1825. Zu dieser Zeit gibt es noch keinen Bundesstaat und schon gar keine Nationalbank. Herausgegeben wird das neue Papiergeld von der lokalen „Depositen-Cassa der Stadt Bern“. Dahinter steht die Berner Burgergemeinde, die für das nötige Vertrauen sorgt bei den reichen Leuten. Im breiten Volk jedoch werden die ersten Banknoten als das tituliert, was alle Banknoten bis heute sind: „Zettel“. Und die kleine Berner Cassa, die solche Scheine in Umlauf bringt, wird als „Zettelbank“ verspottet.


Der Wert dieser ersten Zettel ist mehr als happig. Die tiefste Berner Note, 500 damaligen Schweizer Franken, entspricht ziemlich genau drei Kilo Silber. Weil kein Mensch mit drei Kilo Silber einen Laib Brot kauft, sind diese Zettel effektiv kein Bargeld, sondern Wertpapiere.


Das Stadtberner Geschäftsmodell macht Schule. Zwölf Jahre später schafft die private „Bank in Zürich“ Zettel unter dem Namen „Trabanten-Thaler“. Die private „Bank in St. Gallen“ folgt mit Noten, die auf „Reichsgulden“ lauten, während „Die Bank in Basel“, ebenfalls in privatem Besitz, „französische Franc“ ausstellt.


So zeigt sich das typisches Bild der Historie: die moderne Schweiz wächst – im Gegensatz zur heutigen EU – wirtschaftlich langsam zusammen. Zuerst werden die Zölle zwischen den Kantonen abgeschafft, Masse und Gewichte vereinheitlicht, und ert szum Schluss folgt die Währungsunion wie das Sahnehäubchen auf den Kaffee.


Als die Bundesverfassung 1848 in Kraft tritt, ändert für die 38 regionalen Zettelbanken gar nichts. Ihre 38 „Zettel“ bleiben in Umlauf für die grossen Summen. Das Kleingeld, bis heute „Münz“ genannt, besteht aus Münzen, die Edles enthalten: echtes Silber, oft gar ein klein wenig Gold. Aber auch diese Münzen werden regional geprägt, und zwar in einer unglaublichen Vielfalt: Aargauer Batzen, Bündner Bluzger, Zürcher Dukaten - rund drei hundert Varianten kursierten in der alten Helvetik, heutige Historiker nennen das einen „Münzenwirrwarr“.


Erst 1850, zwei Jahre nach Gründung des Bundesstaats, geht das Münzmonopol an den Bund. In Art. 1 des neuen Gesetzes wird der Franken exakt definiert: „fünf Gramm Silber, neun Zehntheile (9/10) fein.“


Was nach einem eigenständigen eidgenössischen Beschluss tönt, ist in Wirklichkeit der pure Anschluss ans damalige Europa. Die damalige „Leitwährung“ ist der französische Franc mit fixem Silbergehalt. Die Konsequenz daraus ist ein fixer Wechselkurs: 1 alter Schweizer Franken = 1,5 französische Franc.


Die Produktion und Prägung der neuen Schweizer Einfränkler ist so teuer, dass die Schweiz gar nicht erst beabsichtigt, die gesamte Nachfrage nach Münzen selber zu prägen. Man wählt die nahe liegenden Lösung: im Inland werden ab 1852 auch französische und belgische Münzen akzeptiert. Das ist ja auch kein Problem, weil sie gleich gross sind wie die Schweizer Münzen mit dem genau gleich hohen Silberanteil.


Auf diese Weise geschieht, was in heutiger Zeit kaum vorstellbar ist: Faktisch wird die Schweiz Teil einer Münzunion mit Frankreich, Belgien, Sardinien, Parma, der ehemaligen cisalpinen Republik und dem Königreich Italien. Am 1. August 1866 wird diese lateinische Münzunion vertraglich besiegelt; kurz danach stösst Griechenland dazu. Pikant ist aus heutiger Warte, dass man damals nicht über die Griechen herzieht, sondern über die Schweizer „Münzenparasiten“, die zu geizig sind, genügend eigene Münzen zu prägen.


Schlecht vorbereitet ist der neue Bundesstaat auch auf das Papiergeld. Erst drei Jahrzehnte nach Gründung des Bundesstaats wird nach zweimaliger Volksabstimmung das Banknoten-Monopol dem Bund übertragen. Bloss existiert zu dieser Zeit noch keine zentrale Bank, die den Wert der neuen Noten verbürgen könnte. Als die Nationalbank 1905 ihre Schalter öffnet, muss sie sich notfallmässig behelfen: indem sie die Zettel der 38 „Zettelbanken“ übernimmt und mit einer roten Rosette samt einem Schweizer Kreuz beklebt. Das Design spielt keine Rolle, die „Zettelbanken“ haben das Motiv der ersten Schweizer Briefmarke auf die Zetteln übertragen: Mutter Helvetia, hübsch flankiert mit einem rundlichen Büblein unten rechts.


Als 1911 die ersten und schönsten Banknoten der Nationalbank, geschaffen von Ferdinand Hodler und Eugène Burnand, in Umlauf kommen, dauert es nicht lang, bis die Schweiz in den Strudel des Ersten Weltkriegs gerät. Erstmals wird der Franken als „sicherer Hafen“ entdeckt. Im Inland werden die silberhaltigen Fünfliber gehortet – und vom Ausland begehrt wie Gold. In der Not schafft die Nationalbank grösseres Münz aus billigen Zetteln: Fünfer- Zehner- und Zwanzigernoten! Endlich Bargeld auf Papier, mit dem man eine Sau einkaufen oder seinen Knecht bezahlen kann.


Für solch billige Noten ist auch kein Künstler von Hodler'schem Kaliber gefragt, diesen Job erledigt ein normaler Mitarbeiter mit dem Nachnamen Balzer bei der Druckerei Orell Füssli. Und der wählt für die Vorderseite der Fünfernote ein Medaillon des unverdächtigen Wilhelm Tell.


Präsentiert wird die Fünfernote im August 1914, kurz nach Ausbruch des ersten Weltkriegs. In Umlauf bleibt die billigste Schweizer Banknote so lange wie keine andere: bis 1980. Ältere Leute erinnern sich heute gern an diese Fünfer, obschon Orell Füsslis Mitarbeiter Balzer gewiss kein Künstler war.


Der Firmenname Orell Füssli weist auf die nächste Krux. Technisch ist es nicht trivial, „Zettel“ herzustellen, die sicher sind vor Fälschungen. Und zwar bis heute: um mehr als fünf Jahre musste Orell Füssli die Herausgabe der neuen 50er Noten verschieben, bis sie nun am 12. April präsentiert wird.


Damals, eim Druck der hochwertigen Holder- und Burnand-Werke, ist von Anfang klar: dazu wird die Schweiz nicht fähig sein, fabriziert wird in London. Als sich der Zweite Weltkrieg abzuzeichnen beginnt, wird der ausländische Produktionsstandort zum Problem. Was, wenn die Schweiz von den Lieferungen aus London abgeschnitten wird? Die Nationalbank reagiert sofort, beauftragt den prominenten Maler Hans Erni für eine neue Serie. Erni, bei der Hunderternote unterstützt vom Berner Kollegen Victor Surbek, arbeitet schnell. Umgehend werden die neuen Noten in der Schweiz bei Orell Füssli gedruckt, als Notvorrat gelagert – und im Jahre 1956 eingestampft. Erni, ein bekennender Kommunist, tobt. Einige konservative Nationalräte haben sich gesträubt, ihn zum Schöpfer von Schweizer Banknoten zu ehren.


Von Holder bis Erni – neue Banknoten erzeugen Nebengeräusche. Auch diesmal. Die Jury wird vom besten Kunstkenner der Schweiz, dem inzwischen verstorbenen Jean-Christoph Ammen, geleitet. Man ist sich nicht einig, insbesondere bei den Entwürfen von Manuela Pfrunder. „Einige Jury-Mitglieder“, sagte Ammann an einer Pressekonferenz, „sind der Ansicht, dass die Bilder eine etwas langweilige Auserlesenheit aufweisen und auch insgesamt nichts Neues bieten. Darüber hinaus ist die Anschaulichkeit nicht immer optimal.“


Die Jury kürt den Bieler Grafiker Manuel Krebs, die Nationalbank wählt die Zweitplatzierte Manuela Pfrunder. Stein des Anstosses ist ein feiner, kaum sichtbarerer Totenkopf auf den Tausender, der wertvollsten Banknote der Welt. „Wir wollten zeigen, dass Geld etwas Materielles ist, das man nicht ins Grab mitnimmt“, heisst es im Atelier von Manuel Krebs.


Revolutionär wäre der Totenkopf nicht gewesen. Der frechste Schweizer Banknoten-Grafiker ist der unbekannteste: Pierre Gauchat. Unvergessen sein St. Martin auf der blauen Hunderter. Oder sein „Jungbrunnen“ auf der Rückseite der Fünfhunderter: Mindestens zwei Mal muss Gauchat seinen Entwurf überarbeiten, bis die Frauen züchtig genug erscheinen. Und erst die Rückseite der Tausendernote: Ein frivoler „Totentanz“, in Zirkulation von 1957 bis 1980.















Samstag, 13. Februar 2016

Negative Zinsen sind für Banken auch positiv

Warum? Weil unsere Banken im einheimischen Hypothekar-Geschäft noch nie so hohe Margen eingefahren  haben wie heute mit Libor-Hypotheken.

Rechne: minus 0,7 Prozent Libor-Zins + 1 Prozent Marge = 1,7 Prozent effektiver Gewinn.

Merke: Auch wenn der Kunde nur ein Prozentchen  zahlt, verdient die Bank umso mehr. Verrückte Zeiten!