Donnerstag, 30. April 2009

Never Give Up


Warum will der Skirennfahrer Daniel Albrecht, wenn er aus dem Koma erwacht, so schnell wie möglich wieder Skirennen fahren? Weil er nichts anderes kann.

Warum will ein Journalist, wenn er aus dem Koma erwacht, so schnell wie möglich wieder Journalist sein? Weil der nichts anderes kann.

Warum will Hans-Rudolf Merz...

Zur Aktion Never Give Up

Mittwoch, 29. April 2009

Mittwoch, 22. April 2009

Ich Anfänger

Gestern trug ich mich aus soziologischer Neugier bei Facebook ein. Sogleich wurde ich nach meinen persönlichen Kontakten in meiner Adresskartei gefragt.

Dadurch gewann ich immerhin zwei Erkenntnisse.

Erstens: viele meiner Freunde und Bekannten machen tatsächlich mit, darunter einige, die ich dort nie und nimmer erwartet hätte.

Zweitens: Ich selber bin zu naiv für die Moderne. Facebook wollte meine Kontakte natürlich nicht nur, um herauszufinden, wer bereits mitmacht. Sondern um sämtlichen meiner Kontakte eine Mail zu senden unter dem dämlichen Titel:

"Schau dir meine Fotos in Facebook an - von dir ist bestimmt auch eins dabei"

Sorry.

Dienstag, 21. April 2009

Corrigenda

Ich habe hier neulich behauptet, im Geseundheitswesen blieben die Preise mehr oder weniger konstant, während die Mengen rasant zunehmen. Das Resultat sei die so genannte "Kostenexplosion" (mathematisch: Mengen mal Preise).

Das stimmt nicht ganz. Die Preise steigen auch, letztes Jahr um 3,9 Prozent. Aber solange die Mengen explodieren, steigen die Prämien für die Krankenkassen umso stärker. Nächsten Oktober um mindestens zehn Prozent.

Montag, 20. April 2009

Ein gesundes Konjunkturprogramm?

Pascal Coucherpin wird, je länger er nicht zurücktritt, zur zweiten Ruth Dreifuss. Damals wie heute dasselbe. Zuerst zwingt der Bundesrat (die Bundesrätin) die Krankenkassen dazu, Reserven aufzulösen, damit die Prämien nicht zu stark steigen . Darauf folgt ein Rückstau - bis die Prämien explodieren. Worauf der Bundesrat wie damals die Bundesrätin dasselbe fordert: Mehr Prämiensubventionen.

Das passt heute immerhin zur Konjunktur. Ich selber habe etwas Ähnliches kürzlich vorgeschlagen: Jeder Steuerzahler, ob Baby oder Greis, soll eine Tausendernote - bar in die Hand erhalten.In der Hoffnung, dass wir damit ein kleines konjunkturelles Strohfeuer entfachen.

Aber ich habe es anders gemeint: als eine einmalige Aktion,die sofort wirkt.

So wie ich unsere Gesundheitsminister von Dreifuss bis Couchepin kennengelernt habe, meinen die es anders: Sie wollen ein längerfristiges Problem kurzfristig entschärfen. Um später in Ruhe abtreten zu können.

Sonntag, 19. April 2009

Das Migros-Magazin

Am Mittwoch druckte der Tages-Anzeiger einen Artikel von Miriam Meckel unter dem Titel "Die Verluderung des Journalismus". Dieser Artikel bgeann so:

Es gab einmal die Grenze zwischen redaktionellem Teil und Anzeigen in einer Zeitung. Es war dieser Grat, auf dem Chefredaktoren und Verleger behutsam wandelten, wollten sie die Zukunft ihrer Zeitung als unabhängiges Meinungsmedium nicht gefährden. Inzwischen ist dieser Grat so schmal geworden, dass manch ein Chefredaktor schon abgestürzt ist, und zwar auf die Seite der Anzeigen.

Am Samstag legte derselbe Tages-Anzeiger seiner Zeitung sein Magazin bei, das mehr als nur ein M besser war, sondern auch sonst wie ein Migros-Magazin daherkam, das über mehr als 40 redaktionelle Seiten hinweg Fotos aus dem Migros-Geschäftsbericht integral abdruckte.

Als bezahlender Magazin-Leser frage ich mich nun, ob die ganzseitige Nivea-Anzeige auf Seite 33 eine bezahlte Anzeige ist, oder ob es sich hierbei um ein verstecktes Honorar der Magazin-Redakktion an die Migros handle, welche in ihren Regalen bekanntlich auch Produkte der Nivea verkauft.

Ich weiss es nicht, aber ich bekenne hiermit: Ich selber mache um Nivea einen Bogen. Ich vetraue den Produkten pHbalance. Die sind mindestens ein M besser.


Dieser Migros-Markensalat, nebenbei gesagt, wäre vielleicht sogar einmal ein Thema für einen recherchierten Artikel im Magazin. Als gewöhnlicher Migros-Kunde nämlich bin ich ein M verwirrt.



Samstag, 18. April 2009

Gesunde Gedanken

Heute steht in der Zeitung , die Kranken sollen sich vermehrt an den Kosten beteiligen, dann sinken die Gesundheitskosten von allein.

Ich meine: im besten Fall sinken sie ein klein wenig. Leute, die so etwas vorschlagen, vergessen, warum wir überhaupt eine Krankenversicherung abschliessen: nämlich nicht , um uns vor Bagatellen zu schützen. Sondern um uns gegenüber Grossrisiken abzusichern. Ein neue Herzklappe, zwei Hirnschläge, fünf Wochen künstliches Koma - so etwas kann uns allen passieren.

Und genau deswegen schliessen wir eine Krankenversicherung ab. Weil im Fall des Falls niemand - mal abgesehen von einem Opsel oder Vasella - für die eigenen Kosten aufkommen kann.

Ich zum Beispiel habe meiner Krankenkasse im Jahr 2007 einige hunderttausend Franken Kosten "verursacht". Ich wurde als ganz normaler Allgemeinversicherter auf vier Intensivstationen in drei Schweizer Spitälern über Wochen behandelt, am offenen Herz und am offenen Schädel operiert, und daran anschliessend für Monate in zwei Reha-Kliniken verlegt - ohne dass jemand gefragt hätte, wie viel ich selber bezahle. Falls es jemanden interessiert; in jenem Jahr 2007 habe ich exakt ein tausend Franken selber bezahlt - die maximale Franchise plus den Selbstbehalt, wie es in der Grundversicherung üblich ist.

Okay: Von mir aus darf man gerne darüber reden, ob man diese finanzielle Selbstbbeteiligung etwas erhöhen soll, um zu verhindern, dass wir alle wegen jeder Bagatelle zum Arzt laufen. Aber man darf sich davon keine Wunder erwarten: Die grossen Kosten entstehen in den zum Glück seltenen extremen Ausnahme-Fällen. Just in diesen Fällen darf es aber keine Rolle spielen, wie viel der Patient selber bezahlt.

Denn wer weiss schon, wen es als nächsten trifft?

Buch-Tipp

Mittwoch, 15. April 2009

Kranke Kassen

In schwierigen Zeiten wie diesen geraten wir in Versuchung, selbst negative Nachrichten positiv zu interpretieren. Weil die Krankenkassenprämien nächsten Oktober um zehn Prozent explodieren werden, fragen mich einige Leute:

Bewahrt uns dieser horrende Anstieg wenigstens vor der Deflation?

Leider nein. Die Krankenkassenprämien steigen nämlich nicht, weil die Preise im Gesundheitswesens steigen, sondern weil die Mengen zunehmen. Grob gesagt bleiben Operationen, Konsultationen, Medikamente mehr oder weniger gleich teuer. Aber wir verlangen von allem mehr.

Die Inflation hingegen misst sich an den Preisen im Gesundheitswesen, nicht an den Mengen. Und darum führt eine Ehöhung der Krankenkassen-Prämien nie zu Inflation, wie wir spätestens seit Dreifuss' Zeiten wissen sollten. Ebenso wenig wird der nächste Prämienschock zu Chouchepins Zeiten die Deflation verhindern. Allenfalls wird die Diskussion über die korrekte Messung der Teuerung neu ausbrechen - aber schnell versanden .

Und was ist von der heute im Tages-Anzeiger ausgebrochene Debatte über einkommensabhängige Krankenkassenprämien zu halten?

Herzlich wenig. Zu dieser Frage hat das Volk schon genügend oft genügend klar abgestimmt.

Statt dessen hole ich einen andern Vorschlag aus der Mottenkiste hervor: Die Krankenkassenprämien sollten nicht nach dem Einkommen, sondern nach dem Alter abgestuft sein. Das tönt unsozial, aber das tönt nur so. So lange ältere Leute reicher sind als jüngere, dürfen sie meiner Meinung nach ruhig höhere Prämien zahlen. Schliesslich verursachen sie auch höhere Gesundheitskosten.

Umgekehrt führen altersabhängige Prämien direkt zu einer Entlastung der jungen und aktiven Generation.


Gemäss den Berechnungen, die ich im Buch Idée suisse angestellt habe, könnten die Kinderprämien sogar gratis sein. Das wäre eine einfache Massnahme: schnell umzusetzen und sofort wirksam zu Gunsten aller Familien, die heute noch Kinder haben.

Jugendliche von 19 bis 26Jahren könnten neu eine "Jugendprämie" zahlen , die deutlich günstiger wäre als die heutige Erwachsenenprämie.

3. Für Leute zwischen 26 bis 50 gilt neu eine so genannte "Erwachsenen-Prämie", die leicht billiger wäre als die heutige Erwachsenenprämie.

4. Für Leute von 50 bis 65 Jahre gilt neu eine "Midlife-Prämie", die leicht höher wäre als die heutige Erwachsenenprämie.

5. Ab 65 Jahren gelten "Senioren-Prämien", die sich im Vergleich zu den heutigen Erwachsenenprämien verdoppeln.

Klar, damit würden sämtliche Älteren benachteiligt, und sämtliche Jüngeren bevorteilt. Klar, das wäre eine Giesskanne. Aber ich frage ? Wäre das eine Giesskanne in die falsche Richtung?

Zum Glück nicht.

"Zwischen dem 50. und dem 65. Lebensjahr setzt die Vermögensbildung ein", heisst es in einer Analyse der Zürcher Steuerstatistik. Zur Pensionierung, ab Alter 65, sind die Leute im Durchschnitt nicht nur reich, sondern sehr reich - und sie werden mit zunehmendem Alter immer noch reicher.

Es ist doch absurd, wenn die ärrmeren Jungen gezwungen werden, die reicheren Alten via Krankenkassen zu subventionieren.

Die CVP-Nationalrätin Ruth Humbel schlägt etwas Ähnliches vor. Ruth Humbel weiss, wovon sie spricht. Denn Sie kommt aus dem Kanton Aargau. Just der Aargau ist Musterbeispiel dafür, wie reich die Über-65-jährigen heute sind.

Zum Trost noch das: Wir alle gehen im Durchschnitt öfter zum Arzt. Wir alle lassen uns im Durchschnitt öfter operieren. Wir alle schlucken im Durchschnitt mehr Medikamente. Aber es hilft uns wenig, wenn wir die Schuld dem ominösen "Durchschnitt" zuschieben. Wer von will, wenn er selber krank ist, mit dem Sparen bei sich selber anfangen? Freiwillige bitte vortreten.

Ganz am Ende kommt trotzdem eine positive Botschaft heraus: Wir erreichen unser Ziel nämlich. Wir alle leben im Durchschnitt immer länger.




Sonntag, 12. April 2009

Deflationäre Welt

Heute habe ich zu selbst-therapeutischen Zwecken wieder einmal eine Tabelle studiert. Um nachzuprüfen, in welchen Ländern die Deflation bereits greift und das allgemeine Preisnivieau ins Sinken geraten ist.

Resultat:

In Japan.
In China.
In Taiwan.
In Thailand.
In der Schweiz.

Fortsetzung folgt.

Samstag, 11. April 2009

Journi-Gossip

In der neuen WoZ gibt es eine saftige Story als Beleg einer uralten Regel: Einmal Fanatiker, immer Fanatiker. Lebendes Exempel dafür ist Markus Somm. Einst glühender Verehrer einer bewaffneten Revolutionärin, heute bekennender Anhänger und Biograf eines entwaffneten SVP-Vizepräsidenten. So etwas wechselt bei ihm im 15-Jahres-Rhythmus.

Was mich zur Prognose verleitet: Köppels heutiger Stellvertreter wird nicht ewig Köppels Stellvertreter sein.

Freitag, 3. April 2009

Früher oder später

Ich habe vorhin in meinem Blog zurückgeblättert, besonders auf die Kommentare zur Geldpolitik der Nationalbank geachtet, und dabei
erkannt:

in einigen Punkten habe ich recht bekommen - leider.

Am Anfang war die Schweizerische Nationalbank nur rhetorisch bei der Sache.

Sie wollten die kurzfristigen Zinsen drücken, hiess es. Aber die Herren der Nationalbank folgten ihren eigenen Worten nicht. Im Gegenteil: Die kurzfristigen Zinsen
schossen sogar über die langfristigen hinaus. Damit wurde die Zinsstruktur invers.


Und eine inverse Zinsstruktur ist das sichere Zeichen, dass die Rezession kommt - eher früher als später.


Jetzt ist die Rezession da, und schlimmer : aus ihr ist eine Deflation geworden. Das allgemeine Preisniveau sinkt, wie am heutigen Tag offiziell zugegeben wird.



Jede Deflation ist - rückblickend gesehen - der sichere Beweis dafür, dass die vorherige Geldpolitik nicht genügend expansiv war. Das geben die Herren der Nationalbank verblümt zu, drücken forsch aufs Pedal, senken die kurzfristigen Zinsen und schwächen den Franken weiter.

Logischerwiese explodiert jetzt die Geldmenge. Plastisch sieht man das in der grafischen Darstellung der Geldmenge M1.


Eine derartige Aufblähung der Geldmenge ist das sichere Zeichen dafür, dass es eher früher als später zur Inflation kommen wird.

Und so wie ich die Herren der Nationalbank von damals kenne: reagieren sie auf Inflationsgefahren nicht bloss resolut, sondern "zu resolut". Dann

schaffen sie, wie Markus Lusser in den späten 80er und frühen 90er Jahren, eine Rezession.

Alsostellt sich heute Freitag, 3. April , am Tag, an welchem in der Schweiz offiziell die Deflation beginnt, eine ganz andere Frage:

Wann beginnt die Nationalbank , die drohende Inflation zu bekämpfen?

Ich hoffe für uns alle: Eher später als früher!