Mittwoch, 30. Dezember 2009

Zehner-Aussichten

Zweitens freue ich mich auf die Fortsetzung der Finanzkrise, zuschauenderweise.

Ich selber habe alle meine wenigen Aktien, die ich hielt, verkauft. Das persönliche Risiko ist damit beschränkt: Klar, via Pensionskasse bin ich weiterhin mit dabei. Auch mache ich, aus steuerlichen Gründen, fröhlich weiter mit der 3. Säule. Solange ich hier mit 100 Prozent Sicherheit Steuern spare, spekuliere ich sogar ein bisschen: mit einer maximalen Aktienquote von 45 Prozent, angelegt in Indexfonds.

Aber ansonsten bin und bleibe ich ein aktienbefreiter Schuldner, der von den historisch tiefen Libor-Zinsen profitiert. Für meine Hypothek zahle ich seit Monaten klar unter 1 Prozent. Günstiger geht's nie mehr! Und ich bin ziemlich optimistisch, dass ich auch Anfang 2011 dank der Libor-Hypothek weniger als 2 Prozent Schuldzinsen zahlen muss.


Währenddessen beobachte ich das grösste keynesianische Experiment, das jemals in Friedenszeiten gewagt wurde: Was sich auf britisch "Dificit Spending" nennt, steigt stetig. Es handelt sich um eine öffentliche Schuldenmacherei in einem Ausmass, wie ich - und wohl auch Keynes selber - das nie für möglich gehalten hätte. Von Grossbritannien zu den USA über die ganze EU, einschliesslich Deutschland bis nach Japan. Alle Staaten machen fröhlich mit und verschulden sich laufend neu, aber ausgiebig. Links regierte lateinamerikanische Staaten erscheinen in diesem Umfeld plötzlich als Musterknaben.

Ob wir aus dieser globalen Sackgasse je wieder hinausfinden werden, ohne dass es zu einer massiven Inflation kommt?

Das weiss niemand. Ich möchte einfach gewarnt haben: vor Aktien , und vor allem auch vor Staatsanleihen. Wer unbedingt Geld anlegen will oder muss, kaufe langweilige Kassenobligationen bei einer Kantonalbank . Wer darüber hinaus immer noch zu viel Flüssiges hat, kaufe sich ein Haus - und zahle mittel- bis langfristig, wenn die Inflation und die Liborzinsen zu steigen anfangen, die Schulden zurück!

Ja, ich freue mich sehr auf die kommenden Jahre. Zum Zuschauen wird das sehr interessant!

Zehner-Freuden

Erstens freue ich mich auf die SVP-Initiative zur Volkswahl des Bundesrats. Ich werde sie unterschreiben. Weil ich überzeugt bin, dass das Schweizer Volk einen Blocher nie gewählt hätte. Wir wollen von teamfähigen Leuten regiert werden, die mindestens ihre Stellvertreter informieren, wenn sie zur Operation ins Spital müssen.

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Nach Kopenhagen

Global verhandeln, lokal bedenken: Gestern badete ich in einem Whirlpool auf 2000 Metern über Meer und fand es ganz lustig dort.

Sonntag, 20. Dezember 2009

Ungesunde Aussichten

Die Krankenkassenprämien sollen laut SonntagsZeitung bald vom Body-Mass-Index und einem Fitness-Test abhängig sein. Demnach habe ich beste Chancen, dass meine persönlichen Prämien sinken werden.

Nur: Was taugt diese Prognose?

Ich habe im Jahr 2007 und 2008 horrende Gesundheitskosten "verursacht" , bei ähnlichem Body-Mass-Index und zumindest phasenweise ähnlicher Fitness. Daraus habe ich gelernt: Man ist nicht immer "selber schuld", wenn man krank wird.


Das wissen Versicherungsmathematiker bestens: Wenn sie die Kosten der Zukunft prognostizieren wollen, achten sie in der Regel auf die Kosten des Vorjahrs . Zum Beispiel bei der Haftpflicht fürs Auto. Wer dieses Jahr noch einen Unfall macht, zahlt im nächsten Jahr eine höhere Prämie. Nach fünf unfallfreien Jahren erreicht der Rabatt sein Maximum.

Dieses Prinzip könnten wir auch auf die die Krankenvericherung übertragen. Um "die Gesunden" der Zukunft zu belohnen, müssten einfach die heutigen "Kranken" bestraft werden - und zwar völlig unabhängig vom Resultat beim 12-Minutenlauf.

Wollen wir das?

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Pressevielfalt

Laut Blick von heute verprügeln Schweizer Deutsche, laut Weltwoche von heute hauen Ausländer Schweizer. Hauptsache, die Seite 1 wird voll.

Dienstag, 15. Dezember 2009

Zur Einwanderung in den Sozialstaat

Wie schützt sich die Schweiz vor Einwanderern, die hier gar nicht arbeiten? Wenn nicht alles täuscht, wird das zum zentralen politischen Inland-Thema.

Meine Antwort: Wir dürfen die Ausländer nicht diskriminieren, wir müssen sie gleich behandeln. Was zur Folge hat, dass die Eintrittsbarrieren in den Sozialstaat Schweiz höher werden müssen. Höher für alle. Für Schweizer wie Ausländer.

Angestossen wurde diese Diskussion bereits in der Arbeitslosenversicherung. Studenten sollen in Zukunft nicht mehr "frisch ab Uni" Arbeitslosengeld beziehen dürfen.

Ja, das finde ich auch. Heute gilt eine minimale Beitragsdauer von 12 Monaten, sowohl bei der Arbeitslosenversicherung wie bei der IV, sowohl für Schweizer wie Ausländer. So viel kann man auch von Studenten verlangen. Vielleicht könnte man diese 12-Monatsfrist sogar auf 24 Monate verlängern, wiederum für alle, Schweizer wie Ausländer, wobei selbstverständlich Beiträge im Ausland angerechnet werden.


Es geht hier um ein Prinzip das wir alle begreifen und wohl sogar akzeptieren. Leistung gegen Leistung. Wer Geld vom Staat will, muss selber ein Minimum dazu beitragen.

Nicht eingelöst wird dieses Prinzip bei der Schweizer Sozialhilfe. Hier herrscht bis heute die "Bedingungslosigkeit". Alle dürfen Ansprüche anmelden, niemand muss eine Vorleistung nachweisen. Ich habe vor etwa sieben Jahren mal verlangt, dass alle, die Sozialhilfe beanspruchen, ein Minimum selber verdienen müssen. Ich nannte damals ein Monatseinkommen von tausend Franken und bin damit bös unter die Räder gekommen. So etwas wollte damals niemand, das seien "angelsächsische Methoden".

Nun könnten solche Fragen neu aktuell werden, siehe Tages-Antzeiger von heute, Seite 1. Ich hoffe einfach, dass nicht einseitige Massnahmen gegen "Ausländer" ergriffen werden, sondern dass alle - Schweizer wie Ausländer - gleich angefasst werden. Klar, das ist eine unangenehme Diskussion. Da wagt sich niemand vor.

Montag, 14. Dezember 2009

Das Comeback

Das neue Interview mit Daniel Albrecht endet so:





Spiegel : Werden Sie jemals wieder die Streif hinunterfahren?

Albrecht: Natürlich. Entweder ich komme ganz oder gar nicht zurück. Wissen Sie, worüber ich oft nachdenke? Sollte ich es schaffen und in zehn Jahren als Weltmeister oder Olympiasieger aufhören, wird sich jeder an den Unfall erinnern. Ein Comeback katapultiert einen Sportler auf eine Ebene, die er auf normale Art und Weise nie erreichen würde. Die Frage ist nur, ob es das wirklich wert ist.



Spiegel: Herr Albrecht, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Sonntag, 13. Dezember 2009

rECHTZEITig schenken

Alle Bücher zum Freundschaftspreis inkl. Porto und Verpackung.

Meine Liste:

1. Weys Deutschstunde
2. Ochsenbein
3. Aus Frankreichs Küchen
4. Die Andouillette
5. Miss Universum
6. Zoologische Miniaturen.

Und wenn ich das Buch Grimassenherz nicht selber geschrieben hätte, würde ich auch das empfehlen.

Ende der Werbung.

Samstag, 12. Dezember 2009

Die Verbotsspirale

Am Anfang war das Minarett-Verbot. Dann kam das Plakat-Verbot, gefolgt vom Burkaverbot und einem Einreiseverbot für einen Vogel. Zwischendurch parlierte ein katholischer Parteipräsident über das Verbot von jüdischen und islamischen Friedhöfen. Nun könnte ich als nicht-religiöser Liberaler zu Gunsten eines Verbots des Verbots an und für sich plädieren. Doch bevor es so weit kommt, auferlege ich mir selber ein Denk- und Schreibverbot.

Freitag, 11. Dezember 2009

Machtsymbole


Aber kein einziges neues Minarett mehr.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Multikulti

Gelingt die Integration von Ausländern in der Schweiz? Das zeigt sich auch an Geschichten wie dieser hier.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Tariq Ramadan

Nassim Ben Khalifa, Schweizer U-17-Fussball-Weltmeister-Stürmer mit tunesischen Wurzeln, antworte auf die Frage der Schweizer Illustrierte, welche Person er gerne kennenlernen würde, nicht mit «Roger Federer», sondern mit «Tariq Ramadan» - zum Missfallen der Weltwoche. Weil in der Schweiz aber noch nicht die Scharia gilt, rief die Weltwoche lediglich zur Sippenhaft auf, indem sie schrieb: "Wir erinnern uns: Tariqs Bruder Hani Ramadan forderte vor einigen Jahren die Einführung der Steinigung in der Schweiz." Laut Weltwoche soll aus dem gewünschten Treffen Ben Khalifas mit Tariq Ramadan vorerst nichts werden. Ramadan sei untergetaucht.

Nun denn: In der deutschen Zeit gibt Tariq Ramadan ein Interview zum Ja des Schweizer Volks zur Minarettinitiative, das unser Fussball-Weltmeister Nassim Ben Khalifa im Volltext nachlesen kann.

Und ich ungläubigerBlogger erinnere daran, dass Tariq Ramadan laut dem US-Magazin Foreign Policy der einzige Schweizer unter den hundert wichtigsten globalen Denkern sein soll, dem der lokale Historiker Ulrich Schlüer vor laufender TV-Kamera ein "Berufsverbot" verhängen möchte.

Fortsetzung folgt

Montag, 7. Dezember 2009

1 Schweizer Denker

Auf die Liste der "1oo wichtigsten globalen Denker 2009", publiziert vom US-Magazin Foreign Policy, schafft es ein einziger Schweizer. Und zwar ein Muslim. Mehr

Sonntag, 6. Dezember 2009

Wie weit reicht Geld?

Binswanger gibt sich im Magazin von gestern hilflos: Economiesuisse hätte richtig antreten müssen.Wie viele Millionen Franken wären bitte sehr nötig gewesen, um das Verbot der Minarette zu verhindern? Ich schätze grob: hundert hätten nicht genügt.

Es fehlte den Kirchen , den Medien, den Intellektuellen das Geld zuletzt. In erster Linie mangelte es an Iden, Argumenten, Engagement, wie der Historiker Urs Altermatt heute selbstkritisch zu bedenken gibt. Der einzige, von dem ich was gehört und gesehen habe, war mein Facebook-Freund Frank Bodin.

Alle andern müssen sich an der eigenen Nase nehmen: Binswanger, Du & ich.

Dienstag, 1. Dezember 2009

Vielfalt

Vom Minarett-verbot bis zur Verwahrung: Laufend nimmt das Volk Initiativen an, die in der Praxis nicht umgesetzt werden können.

Das stimmt.

Aber diese undurchführbaren Begehren werden nicht allein vom rechten Rand des politischen Spektrums verlangt. Art. 84 unserer Bundesverfassung, Absatz 2, lautet:

"Der alpenquerende Gütertransitverkehr von Grenze zu Grenze erfolgt auf der Schiene. Der Bundesrat trifft die notwendigen Massnahmen. Ausnahmen sind nur zulässig, wenn sie unumgänglich sind.."

In diesem Sinn empfehle ich allen Paragrafenwächtern von Lausanne, Strassburg bis Brüssel:

Stellt Euch ans Portal des Gotthard-Strassentunnels und zählt die ein- und ausfahrenden Lastwagen!

Montag, 30. November 2009

Einfalt

57 von 100 Stimmenden, dreieinhalb von 23 Ständen... und der Tages-Anzeiger titelt heute auf Seite 1:
"Zweigeteilte Schweiz".

Sonntag, 29. November 2009

Nach der Abstimmung

Die Schweiz wird auch mit einem baurechtlichen Verbot in der Bundesverfassung die Schweiz bleiben. Denn Freiheit war bisher immer auch die Freiheit des Andersdenkenden. Und hoffentlich für ewig die Freiheit des Andersglaubenden.

Samstag, 28. November 2009

Vor der Abstimmung

Ausgerechnet jene Kreise, welche die unabhängige.neutrale und direkt-demokratische Schweiz bewahren wollen, bekunden Mühle, Entscheide, die an der Urne gefällt werden, zu akzeptieren. Zum Beispiel über die Personenfreizügigkeit mit der EU. Mehrmals haben wir darüber abstimmen dürfen oder müssen, letztmals am 8. Februar des laufenden Jahres. Die Resultate waren konsistent: Das Schweizer Volk sagt "Ja", notfalls mehrmals. Wir sind offen gegenüber andern Menschen - egal, an welchen Gott sie glauben.

Freitag, 27. November 2009

"Mein Abentuer Dubai"


Aus aktuellem Anlass lese ich das neue Buch von Michael Schindhelm: Dubai Speed. Dort geht eben alles schneller, auch der Kollaps. Schindhelm, aufgewachsen in der DDR, gross heraus gekommen in Basel, hat übrigens auch über seine Erfahrungen bei uns gutes Buch geschrieben.

Donnerstag, 26. November 2009

Mittwoch, 25. November 2009

Ökonomisch

Heute habe ich beschlossen, mein Abo des Economist nicht mehr zu erneuern. Dabei schätze ich ich dieses trockene, ja heitere Heft sehr. Der Economist hat mich immer zuverlässig informiert und oft rechtzeitig gewarnt. Zum Beispiel vor der Immobilienblase und dem darauf folgenden Aktiencrash. Ich hab's gelesen, nicht geglaubt - und bin damit selber schuld.

Nun erneuere ich das Abo nicht mehr. Warum? Weil der Economist das meiste, was ich bisher auf dünnem Papier verschlungen habe, ins Netz stellt. Gratis.

Jetzt wird meine Altpapiersammlung nochmals ein klein wenig leichter.

Dienstag, 24. November 2009

Die gute Tat

...von heute bestand darin, dass ich das Migros-Magazin und die Coop-Zeitung abbestellt habe. Das geht ganz einfach, die Nummern stehen im Blatt, ein Telefon genügt jeweils. Und schon wird die Altpapier-Sammlung leichter.

Montag, 9. November 2009

In aller Munde

Wann machen Giacobbo & Müller eine wirklich lustige Sendung?
Gestern gab es Altherrenwitze.

Freitag, 6. November 2009

"Behinderte...

..kosten uns nur Geld" und ähnliche Sprüche:

Eine ausgezeichnete Kampagne, finde ich, die den Finger auf den wunden Punkt legt und ihren Zweck damit erfüllt hat. Die Aufmerksamkeit wurde erreicht. Nun wissen alle: Ohne Integration in die Arbeitswelt wird es teuer. Teuer für Nicht-Behinderte.

Ein Detail nur hätte ich zu kritisieren. Ich würde das Wort "Behinderte" ersetzen durch "Invalide" . Denn am stärksten gegen Vorurteile zu kämpfen haben jene Invaliden, die gerade nicht unter sichtbaren Behinderungen leiden. Sondern an Depressionen, difffusen Schmerzen, neuropsycholgichen Defiziten und Ähnlichem.

Donnerstag, 5. November 2009

Still und leise

Mit meinem Blog passiert, was den meisten passiert. Sie verschwinden. Ganz einfach deswegen, weil der Blogger immer weniger schreibt und eines Tages ganz aufhört.





Genau das ist mein Ziel. Ich habe diesen Neustart aus therapeutischen Gründen gemacht. Um zu üben, um zu trainieren. Ich will, wie es bei der New York Times heisst, wieder "fit to print" werden. Ganz normale Artikel schreiben. Solche wie diesen hier.

Dienstag, 29. September 2009

Weihnachten im Oktober


Wer keinen Stress will, bestellt das Geschenk, das ab 1. Oktober lieferbar ist, bereits heute. Eine feine Sache, die garantiert ankommt.
Freundschaftspreis

Mittwoch, 23. September 2009

Gratisverkehr

Die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer will gratis Tram, Bus, Zug, Postauto und Schiff fahren. Das ergab eine Umfrage von Isopublic.

Ja, das wäre schön. Und noch schöner wäre, dass die Leute dann mit einem andern Gefühl öffentlich verkehren würden. Heute glauben die meisten, sobald sie ein Billet kaufen, dass sie etwas Gutes tun.

Das würde sich schlagartig ändern. Ist der ganze öffentliche Verkehr gratis, wird klar, dass es den öffentlichen Verkehr nur deshalb gibt, weil er von der Öffentlichkeit hauskant subventioniert wird. Heute zu zwei Dritteln. Und die stolzen Passagiere? Die zahlen den letzten Drittel. Aus dieser Sicht wäre ganz gratis nicht billig. Sondern ehrlich.

Montag, 21. September 2009

Reicht's jetzt?

Beim Betrachten der Inserate wird mir bewusst:

Als Bezüger von IV-Taggeldern habe ich noch sechs Tage Zeit. Aber ab Sonntag ist dann Schluss mit dem Missbrauch!

Mittwoch, 16. September 2009

Volkswahl?

Stellen wir uns vor, heute hätte , wie von der SVP gefordert, das Volk gewählt. Hätte Didier Burkhalter, heute von der SVP mit gewählt , gewonnen?

Zunächst hätte man wohl definieren müssen, welche Person als "echter Lateiner " durchgeht und welche nicht. Ein Deutschfreiburger wie Urs Schwaller ? Erst wenn diese Frage geklärt gewesen wäre, hätten "wir sind das Volk" entweder den Namen "Schwaller" oder den Namen "Burkhalter" auf unsere Stimmzettel schreiben dürfen.

Das Exempel zeigt, dass die Durchführung einer Volkswahl im Detail reichlich kompliziert wäre.

Etwas scheint mir immerhin klar: Ein Typ wie Didier Burkhalter hätte es in einer Volkswahl schwer gehabt. Sehr schwer.

Sonntag, 13. September 2009

Fall Freisinn


Nächste Woche, ich freue mich, erscheint die Biografie: Ochsenbein. Erfinder der modernen Schweiz. Es handelt sich, so weit ich ins Manuskript gesehen habe, um einen echten historischen Roman. Ich weiss zwar, dass das Wort "historischer Roman" in der Schweiz schlecht ankommt: Man denkt, alles sei erfunden.

Dabei schildert der Autor - Rolf Holenstein - anhand von Fakten und Anekdoten, spannend und atmosphärisch, wie der Sohn eines Rosshändlers in den ersten Bundesrat hinein gewählt wird, daraufhin zusammen mit seinen sechs freisinnigen Kollegen die Bundesverfassung von 1848 schreibt, später aus dem Amt unsanft abgewählt wird und schliesslich, am Ende seiner Laufbahn, ins Ausland auswandern will.

So gesehen passt diese Lebensgeschichte perfekt zur kommenden Woche, in welcher die Freisinn, wenn nicht alles täuscht, einen nächsten Schritt zum Abschied aus der Verantwortung unternimmt.

"Ochsenbein" vorbestellen zum Freundschaftspreis

Samstag, 12. September 2009

Richtung links

Michael Hermann legt in der NZZ von gestern dar, um was es geht bei der nächsten Bundesratswahl. Um das berühmte Zünglein an der Waage, das, wenn nicht alles täuscht, von der FDP zu CVP wechseln wird.

Warum bloss?

Weil die CVP mit ihrem klar besten Mann antritt. Während die FDP, ich wiederhole mich ungern...

Wer wird dafür die Verantwortung übernehmen müssen? Der FDP-Präsident? Wohl kaum. Der dachte aus verständlichen Gründen zuerst an sich selber. Und war entsprechend froh, dass niemand innerhalb der FDP ernsthaft fragte:

Wer wäre der beste FDP-Kandidat aus der lateinischen Schweiz (gewesen)?

Donnerstag, 10. September 2009

Bundesroth?

Aus dem Nichts taucht ein neuer FDP-Kandidat auf: Dick Marty.

Warum?

Weil es die FDP bisher verpasst hat, einen allseits überzeugenden Kandidaten aus der lateinischen Schweiz zu nominieren. Dabei hätte sie einen herausragenden Mann mit nationalem wie internationalem Leistungsausweis: Jean-Pierre Roth, der als Nationalbankpräsident - im Gegensatz zum Bundespräsidenten - in den letzten Monaten eine allseits beeindruckende Leistung hingelegt hat.

Warum zum Teufel nominiert die FDP heute nicht ihren besten Kandidaten?

Das ist die Frage, die zu stellen ist, wenn sich die FDP-Vertreter nach der Wahl lauthals beklagen werden, "unverdient" einen Sitz an die CVP verloren zu haben.

Sonntag, 6. September 2009

Bin ich ein Spital-Schmarotzer?

In der NZZ von heute Sonntag die Sicht eines Patienten.
Mehr

Samstag, 5. September 2009

Vertrauen ist nötig

Wie und warum ist die Wirtschaft in die Krise geschlittert?

Weil sich der Mensch nicht streng rational verhält, sondern auch mal aus dem Bauch heraus" entscheidet. Indem er auf Werte wie "Fairness" und "Vertrauen" achtet.
Das behaupten keine Esoteriker, sondern ein Nobelpreisträger (Geroge A. Akerlof) und ein zweiter US-Star (Robert J. Shiller). Mit ihrem gemeinsamen Werk Animal Spirits schaffen sie etwas, was wir dringend nötig haben: etwas Vertrauen in die Zunft der Ökonomen. Ihr Buch ist, man lese und staune, spannend und verständlich.
*****

Mittwoch, 2. September 2009

Neustart?

Soeben meine vier, fünf letzten Post gelesen und mich über mich selber geärgert. Was tun? Posts, die mir nicht gefallen, vom Netz nehmen? Alles in Zukunft besser machen? Oder neu starten?

Wir werden sehen.

Sonntag, 30. August 2009

Mehr Freiheit, weniger FDP

Pellis Freunde verabschieden sich laut, aber selbständig aus dem Bundesrat. Zur Ersatzwahl von Couchepin treten sie mit der zweiten Garnitur an. Mit dieser Taktik nähern sie sich sachte ihrem Fernziel an: Falls Merz in den nächsten Tagen tatsächlich zurücktreten sollte, wird er sicher durch einen waschechten Deutschschweizer Freisinnigen ersetzt.

Mittwoch, 26. August 2009

Wer wird "Bundesroth"?

Ich suche noch immer das schlagende Argument, warum man der FDP einen Sitz wegnehmen soll.

Selbstverständlich könnte man diesen Sitz der SVP überlassen und damit endlich wieder für numerische Konkordanz sorgen. Doch das will niemand, das fordert nicht einmal die SVP , ganz zu schweigen von der FDP-CVP-SP-Grünen Mehrheit.

Statt dessen zeichnet sich ab, dass die CVP mit einem zusätzlichen Sitz belohnt werden könnte. Warum ausgerechnet die CVP?

Dafür gibt es ganz sicher kein schlagendes Argument - ausser der Tatsache, dass die FDP über keinen einzigen geeigneten Kandidaten verfügt. Genau das scheint nämlich der Fall zu sein. Bis heute haben die Radikalen den jungen Dynamo Pascal Broulis lanciert. Aber Broulis spricht zu wenig Deutsch. Encore pire: Er versteht offenbar auch nur wenig Deutsch.

Somit frag ich kleiner Blogger mich, wie der perfekt Schweizer Deutsch parlierende CVP-Kandidat noch zu verhindern wäre.

Ich sehe einen letzten Notausgang: Indem die FDP in diesen Tagen einen wirklich überzeugenden, wirklich entschlossenen Kandidaten aus der lateinischen Schweiz hervor zaubert. Das kann wohl kaum Didier Burkhalter sein, das kann auch kaum mein Facebook-Amigo Fulvio Pelli sein...
Sondern:

Jean-Pierre Roth : der amtierende Präsident der Schweizerischen Nationalbank, der während der Finanzkrise eine brillante, souveräne Rolle gespielt hat, international vernetzt ist, übrigens auch in Bundesbern bestens vernetzt ist, der auf Ende 09 ohnehin aus der Nationalbank zurücktreten will, der aber mit Jahrgang 1946 klar zu jung ist für eine Zukunft als AHV-Renter.

Mein Fazit:
Ich wechsle das Pferd. Von Broulis auf Roth. Die Wette gilt.

Donnerstag, 20. August 2009

Unternehmen Bank Schweiz

Als Steuern zahlender Kleinaktionär der UBS freue ich mich, dass ein Grossaktionär, nämlich die Eidgenossenschaft, mit einem ordentlichen Gewinn aussteigt. Ich jedoch bleibe an Bord, hab ich doch Franken 25.40 pro Aktie bezahlt, womit ich immer noch im Minus bin. Aber in drei, vier Jahren werde ich ebenfalls aussteigen, hoffentlich ebenfalls mit ordentlichem Gewinn...

Mein Einstieg in die UBS

Mittwoch, 19. August 2009

Zwei mal zwei mal Nein

In Anlehnung an meinen Facebook-Freund Fulvio ("es ist nicht so, dass ich nicht Bundesrat werden will") schrieb ich hier neulich: "Es ist nich so, dass ich nicht mehr bloggen will." Nun fällt mir auf, dass ich über die doppelte Verneinung gestolpert bin: In letzter Zeit habe ich kaum mehr gebloggt.

Und wie aktiv ist mein "Freund" ? Gemäss Facebook hat Fulvio Pelli die Zahl seiner Freunde ein wenig gesteigert, aber nur ein wenig (von 845 auf 890). Und selber postet er so selten, dass es kaum reichen wird, um eine Bundesratswahl zu gewinnen. Aber er hat ja auch nie behauptet, dass er dies im Sinn hat.

Wenn ich wetten müsste - ich würde alles Geld auf Pascal Broulis setzenn. Und merke soeben, dass ich mich nur wiederhole. Es ist wirklich noch nicht Zeit, dass ich weiter bloggge.

Mittwoch, 12. August 2009

Ferienerlebnisse

Wenn einer eine Reise tut, hat er was zu vergleichen. Ein SVP-Mann aus dem Luzernischen war in Osteueropa, seither kommen ihm Schweizer Frauen wie "Vogelscheuchen" vor.



Ich war in der Bretagne und habe auf dortigen Speisekarten die Wurst "Andouillette" entdeckt.





Gewöhnliche Schweizerinnen und Schweizer vergleichen Preise. In Norwegen sind sie höher, in der grossen weiten Eurozone aber etwa gleich hoch wie hier.





Das ist kein Zufall, sondern der Politik der Schweizer Nationalbank zu verdanken. Sie interveniert am Devisenmarkt und hält seit Monaten den Franken künstlich tief - und damit den Euro hoch.



1 Euro gilt seither deutlich mehr als 1.50 Franken. Permanent. Zum Segen des hiesigen Tourismus. Und der übrigen Exportindustrie.





Dies ist eine weitere, ja vielleicht die wichtigste Annäherung der Schweiz an die EU unter dem Stichwort "autonomer Nachvollzug". Damit kann ich gut leben, und die heimische Wirtschaft hoffentlich gut überleben. Dass SVP-Politiker dagegen noch nicht Sturm laufen, liegt offenbar daran, dass die sich gern von geschminkten Osteueropäerinnen blenden lassen.

Dienstag, 11. August 2009

Doppelte Verneinung

"Es ist nicht so, dass ich nicht interessiert wäre", sagt Bundesratsaspirant Fulvio Pelli. Es ist nicht so, dass ich nicht mehr bloggen will. Aber zu meinem Facebook-Freund Pelli fällt mir tatsächlich nichts Neues zu ein: Mon Favori für die Couchepin-Nachfolge ist und bleibt Pascal Broulis.

Freitag, 10. Juli 2009

Pause

Beim Lesen der Zeitung fällt auf: Die Journalisten schreiben zu viel. Und die Blogger bloggen zu viel. Alle Leute reden zu viel. Auch der aktive Bundesrat Merz würde besser schweigen, sagt Alt-Bundesrat Villiger, beide FDP, beide in unterschiedlichen Rollen engagiert für die UBS. Am Ende blickt niemand mehr durch. vom Fall Tinner bis zum Bankgeheimnis - wir alle haben doch keine Ahnung . Daraus ziehe ich die Konsequenzen und sage nichts mehr. Ich darf das. Ich gehöre zu den Privilegierten, die eine Pause einschalten - noch bevor sie in die Ferien fahren.

Samstag, 4. Juli 2009

Mein Freund Fulvio

Pelli sei Favorit für Couchepins Nachfolge, steht heute in der Zeitung. Für mich wärs eine Première. Ein Freund von mir wird Bundesrat. Flvio ist einer meiner 144 Freundinnen und Freunde, die ich dank Facebook habe. Umgekehrt bin ich einer von 845 Freundinnen und Freunde, auf die Fulvio Pelli zählt. Selbstverständlich haben wir auch ein Dutzend gemeisame Freunde: zum Beispiel den Genossen Andi Gross.

Mein Favorit für Cochepins Nachfolge bleibt trotzdem Pascal Broulis.

Freitag, 3. Juli 2009

Was ist hier faul?

Je tiefer die Konjunktur ins Loch fällt, umso höher die Debatte. Am höchsten hinaus schiesst wieder mal die Weltwoche. Hier lesen wir in der gestrigen Ausgabe , warum die heutigen Jugendlichen keine Lehrstellen und danach keine Stellen mehr finden. Das liegt am Willen, an der Disziplin, am Eifer, am Einsatz, an der Freude und an allem andern, woran es den Jungen von heute einfach mangelt. Belegt wird diese noble These mit zwei Kronzeugen: Einem Baumeister und einem Schreinermeister, die anonym bleiben wollen. Ich vermute mal, dass diese beiden Anonymen Fleissigen schon über 30 sind.

Donnerstag, 2. Juli 2009

Nie aufgeben!

Mein Wort des Tages kommt von Daniel Albrecht, der wieder Ski fährt:

"Die erste Kurve konnte ich fast nicht fahren, auch die zweite war sehr hart, und als ich nach sechs, sieben Bögen unten ankam, war mir schlecht. Dann bin ich wieder rauf, und es ging besser. Es war alles noch da, aber ich musste es in mir drin zusammensuchen. Das ist, wie wenn man in einem aufgeräumten Zimmer gelebt hat, und plötzlich ist da ein totales Durcheinander. Man findet seine Sachen nicht mehr so leicht."

Mehr

Mittwoch, 1. Juli 2009

Die Deflation....

...zieht immer weitere Kreise. Erstmals, seit es die Erozone gibt, meldet die Eurozone ein sinkendes Preisniveau von 0,1 Prozent im Monat Juni. Erstmals seit 1980 sinken die Versicherungsprämien in der Schweiz, bei Sachversicherungen immerhin um 3,5 Prozent, bei Lebensversicherungen sogar um 5,3 Prozent. Und wie jeder Blick in hiesige Kleiderläden zeigte: so schnell wie diesen Sommer hat der Ausverkauf noch nie eingesetzt. Es wird langsam Zeit, dass auch Journalisten schreiben, was ist: Deflation!

Montag, 22. Juni 2009

Favori Broulis

Wenn ich wetten müsste, wer zum Nachfolger Pascal Couchepins gewählt wird, würde ich alles Geld auf Pascal Boulis setzen.

Ich sehe keinen Grund, ausgerechnet die CVP ausgerechnet jetzt mit einem zweiten Sitz zu belohnen. Ich sehe auch keinen Anlass, mit den Grünen eine nächste Kleinpartei in die Regierung zu locken. Nach der Abwahl Blochers und der Demütigung der SVP werden alle andern Parteien alles tun, damit die minimale politische Stabilität, die heute besteht, erhalten bleibt. Überdies ist Pascal Broulis eindeutig Romand, eindeutig ein Exekutiver, und sogar jung genug, dass der alte Pelli still bleibt. Es ist auch nicht unbedingt ein Nachteil, wenn Boulis kein Deutsch sprechen kann. Er muss nur Deutsch verstehen, das genügt.

Zum Kennenlernen

Freitag, 19. Juni 2009

Ich binge, also bin ich nicht

Soeben die Alternative zu google.com getestet. Und dabei getan, was alle tun. Den eigenen Namen eingegeben. Und erkannt: Beim googlen komm ich besser weg. Viel besser. Aber ich bleibe dran und werde bei bing.com wieder vorbeischauen. Und sei es nur zum nächsten Test.

Mittwoch, 17. Juni 2009

Rettet den Iran!

Die Berichterstattung aus Teheran werde in diesen Tagen behindert, lese ich heute als zahlender Kunde desTages-Anzeiger. Die Berichterstattung im Tages-Anzeiger selber kann davon kaum betroffen sein: Zuständig ist Astrid Frefel, die in Kairo sitzend durchaus Interessantes zu erzälen hat. Aber selbst diese Beobachtung aus der Ferne wird demnächst behindert werden: Laut der Internet-Seite "Rettet denTagi!" gehört Astrid Frefel zu den Opfern der Sparmassnahmen.

Montag, 15. Juni 2009

Die Altlast der PK Rieter

Wer erinnert sich an Jürg Maurer, den "frechsten Pensionskassenverwalter der Schweiz"? Der war doch mal im Dienst der Firma Rieter. Mit Betonung auf war. Seit einiger Zeit ist er verschwunden. Und mit ihm hat sich der formidable Zustand der Rieter Pensionskasse in Luft aufgelöst. Ihr Deckungsgrad sackte innert Jahresfrist von mehr als 142 Prozent auf weniger als 98 Prozent ein. Das scheint mir Minus-Weltrekordverdächtig!

Samstag, 13. Juni 2009

Migros, Apple & Co. in Zeiten der Deflation

In der Deflation sinkt das allgemeine Preisnivau. In der Schweiz derzeit im Tempo von 0,5 Prozent. Da wir Konsumenten das wissen, halten wir uns zurück. Und warten mit Einkaufen ab, bis die Preise noch weiter gesunken sind.

Die Migros reagiert nun ein M schneller. Sie gibt an ihre Cumulus-Kunden ein Coupon-Büchlein ab. Darin gibt's Gutscheine für 10 Prozent Rabatt aufs ganze Sortiment, die man Woche für Woche einlösen darf. Der erste Coupon ist gültig bis 21. Juni, der zweite vom 22. bis 28. Juni, der dritte vom 29. Juni bis 5. August. Die Botschaft ist klar: Warten Sie nicht, bis die Preise noch tiefer sinken! Sondern lösen Sie Ihre Gutscheine ein, bevor diese verfallen sind.


Auch der Computer-Hersteller Apple reagiert auf die Deflation. An der jüngsten, wie immer mulitmedial übertragenen Konferenz gab's im Gegensatz zu früher kaum mehr technische Neuheiten. Dafür die Ankündigung von endlich sinkenden Preisen.

Wie hiess das Motto des alten Tagi, der seit Jahren gleich teuer ist?
"Wir bleiben dran!"

Freitag, 12. Juni 2009

Stufe 6

Das Virus sei "mild", "gut heilbar", und dennoch ruft die WHO die höchste von sechs Pandemie-Stufen aus: Stufe 6.

Da frag ich kleiner Blogger mich, was passiert , wenn es noch schlimmer kommt?

Dann tritt der Schweizer Gesundheitsminister P.C. zurück. Was er soeben etwas voreilig getan hat.

Mittwoch, 10. Juni 2009

An den Pranger!

Ob Raser, Abzocker, Hooligans, es gibt ein probates Mittel, das nach Mittelalter tönt, aber sogar bei Marcel Ospel Wunder wirkt.

Zum Thema

Montag, 8. Juni 2009

P.S.

Sonntag Vormittags lese ich immer das kleine Kunststück von Peter Schneider auf der Titelseite der SonntagsZeitung. Klug, witzig, aktuell, kurz.



Sonntag Abends sah ich bisher jeweils die grosse Kiste Giaccobo/Müller. Aber jetzt kommt die Sommerpause, die zu meinem Glück bis 11. Oktober dauern wird. Vielleicht denken sich die beiden während dieser kurzen Pause sogar ein paar neue Scherze aus. Zuletzt ging es meistens nur noch um die die beiden selber: um Giacccobo/Müller. Laut, öd, voraussehbar.

Sonntag, 7. Juni 2009

C.S.

Warum lesen wir eine Krankengeschichte?

Vermutlich weil wir wir erfahren wollen, wie andere Leute mit ihrem Schicksal umgehen, das schlimmer ist als das eigene,mit dem wir bisweilen hadern.

Ich habe in den letzten beiden Wochen das Schlingensief-Buch gelesen, viel Trost und einige sehr schöne, eigentlich triviale Stäze gefunden. Schon der Titel ist eine Wucht:

"So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!".

Kein Spruch für den Kalender. Aber ein Motto für jeden Tag, das über den heutigen hinaus reicht.

Samstag, 6. Juni 2009

Über Humbug

Ich habe nun für zwei Wochen Ruhe gegeben. Eine Denkpause eingelegt. Keinen Post mehr gesetzt. Und dabei die Erkenntnis gewonnen: Auch ich rede zu viel. Auch ich schreibe zu viel. Und trage auf diese Weise dazu bei, dass die Welt mit Bullshit überschwemmt wird. Nicht nur im Internet, sondern auch in Zeitungen, für die wir Geld bezahlen.

Was hilft dagegen? Bücher lesen? Wer will, kann dieses kleine Buch lesen. 80 Seiten dünn. Dort steht genau dieser Gedanke drin und noch ein par zusätzliche. Auf deutsch: Über Humbug


Oder sollen wir ins richtige Theater gehen? Heute vor einer Woche stand ich spontan an der Kasse am Schauspielhaus Zürich. Es waren nicht sehr viele Leute da, Es gab noch jede Menge Tickets. Am Ende der Vorstellung wusste ich, warum: Es war leider keine mitreissende Inszenierung, sondern einer der vielen Schlusspunkte der Ära Hartmann, die das spärliche zahlende Publikum kalt gelassen haben. Nun kann man sagen: Das Stück war nicht vom Meister selber inszeniert, sondern von Werner Düggelin, der ohne jede Zweifel einmal ein Meister gewesen war - früher.
Aber ich habe in den letzten Jahren auch einige moderne Stücke von Hartmann gesehen und muss gestehen: Mir blieb keines in guter Erinnerung haften.


Ein paar Tage später hat der gross gewachsene, Deutsch sprechende, direkt am Zürcher See wohnende und diese Stadt als Sprungbrett benutzende Hartmann via Tages-Anzeiger uns allen ein paar Stätze hinterlassen, die, wenn ich streng wäre, zur Kategorie "Bullshit" zählen würde. Dabei finde ich es eigentlich nur schade, dass Hartmann solche Produktionen nie auf die Bühne brachte.

Samstag, 23. Mai 2009

Die Sudoku-Probe

Für wie dumm schätzen die Zeitungen uns Leserinnen und Leser ein, die für ihre Blätter noch bezahlen?

Ich messe das an den Zahlenrätseln und schliesse daraus: Der Tages-Anzeiger hat offenbar keine hohe Meinung von mir. Die Basler Zeitung, die ich heute gekauft habe, lockt in ihrem Kultur-Magazin mit einem Sudoku der Kategorie "sehr schwer", das sich als kinderleicht entpuppt. "Das schwere" der Schweizer Familie hingegen war diese Woche wirklich sehr knifflig.

Nun warte ich gespannt auf die NZZ von morgen Sonntag. Letzten Sonntag nämlich brachte sie eines der Kategorie "knifflig", das mir unlösbar vorkam.

Gratis-Variante
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Montag, 18. Mai 2009

Die freie Wahl als Lebensstil

Das Volk will die freie Arztwahl, die freie Spitalwahl, die freie Therapiewahl. So lautet das Resultat sämtlicher Abstimmungen, letztmals gestern Sonntag. Die Quittung dafür zahlen wir in Form stark steigender Prämien für die Krankenkasse.

Politiker, die dies verhindern wollen, stehen auf verlorenem Posten.Das erleben wird auch der Warenposten-Unternehmer Otto Ineichen, der diese Woche seine neue Internetseite aufschaltet, um gegen die so genannte "Lifestyle-Medizin" anzurennen.

Dienstag, 12. Mai 2009

Lob der Gier

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel erklärt uns, "warum der Kapitalismus nicht aus seinen Fehlern lernen kann." Schuld sei, so erfahren wir ganz vorn, "die Gier".

Ich las das nicht zum ersten Mal, aber ich hielt durch,von Seite 96 bis Seite 109. Und habe dabei entdeckt. Dieser Text wimmelt nur so von von Fragen. Offenbar sind Antworten doch nicht so simpel, wie uns die ausgepresste Zitrone auf dem Titelblatt weismacht.

"Wann schlägt Gewinnstreben um in Gier? Bei 6, 14 oder 18 Prozent Rendite?", lautet die eine Frage. "Wenn sich Leistung lohnen soll, ab welcher Höhe wird dieser Lohn unmoralisch?", lautet die nächste.

Ich habe keine Ahnung. Im selben Spiegel auf Seite 62 jedoch las ich von einer wirklich interessanten Geschäftsidee, entwickelt von Jakob Augstein, dem Sohn des Spiegel-Gründers.Der will die Wochenzeitung Freitag zur Community ausbauen. Einem Jekami, bei dem auch Amateure willkommen sind. Leistung lohnt sich: Die besten Beiträge schaffen es in die Print-Ausgabe.

Damit passt dieses Modell perfekt in die Wikipedia- und Open-Source-Welt in Zeiten der Deflation. Überall arbeiten die besten Leute gratis. Einfach so. Weil sie die Gier überwinden - und Spass haben wollen. Und nebenher Werte schaffen, die besser sind als die Produkte der Profis .

Montag, 11. Mai 2009

Deflationäres Dumping

Gestern berichtete die SonntagsZeitung darüber, wie die mit Staatsgeldern gerettete UBS mit Dumping gegen ihre Konkurrenz antritt. Zum Beispiel mit Billigst-Hypotheken, bei denen die UBS gerade noch 0,2 Prozent auf den offiziellen Libor draufschlägt. So macht die nach wie vor grösste Bank der Schweiz Geschäfte, bei denen von vornherein klar ist, dass sie kein Geld verdienen kann.

Heute berichte ich, wie die Migros-Tochter Ex Libris dasselbe Prinzip mit meinem neuen Buch durchspielt.

Bei Ex Libris kostet es SFr. 19.60.

Zuvor kauft es Ex Libris bei einem Zwischenhändler ein, der Fr. 12.60 pro Exemplar bezahlen muss.
Daraufhin treten weitere Kosten hinzu:

2 Franken fürs Porto
1 Franken für die billigste Verpackung
2 Franken für die Rechnungsstellung und Zahlungskontrolle etc.
2 Franken für den Transport des Buchs, die Zwischenlagerung, die Abwicklung des Versands.


Summa summarum belaufen sich die Kosten auf mindestens Fr. 19.60 pro Buch - womit klar ist, dass Ex Libris von vornherein kein Geld verdienen kann.


Wer als Kund darauf achten möchte, dass auch unser Verlag etwas verdienen und weiterhin Bücher produzieren kann, kaufe mein Buch bitte hier. Danke!

Donnerstag, 7. Mai 2009

Pascal und ich

Couchepin will die Gesundheitskosten senken. Darum zielt er auf Leute, die regelmässig zum Doktor und gelegentlich ins Spital gehen. Also auf Leute wie mich. Die sollen sich in Zukunft stärker an den Kosten beteiligen.

Bis jetzt musste ich jedes Jahr 300 Franken Franchise zahlen plus maximal 700 Franken Selbstbehalt. Macht in meinem Fall exakt tausend Franken, unabhängig davon, ob ich mehr als hundert tausend Franken Kosten "verursacht" habe wie im Jahr 2007 oder knapp zehn tausend wie 2008.

Nächstes Jahr wird es nicht unbedingt teurer für mich, aber komplizierter. Ich muss nun für die ersten sechs Konsultationen beim Arzt, die ersten sechs Untersuchungen im Spital jeweils bar 30 Franken auf den Tisch legen. Also werde ich in Zukunft 6 x 30 = 180 Franken selber zahlen müssen.

Diese 180 Franken jedoch werden dann mit der Franchise und dem Selbstbehalt verrechnet. Damit das klappt, müssen Ärzte, Spitäler, Krankenkassen speziell Buch führen. Das sorgt garantiert für mehr Bürokratie.

Die Pointe kommt erst: Bei Chronisch Kranken nämlich soll der maximale Selbstehalt von 700 auf 600 Franken reduziert werden.

Somit wird sich die Frage stellen, wer ein Chronisch Kranker ist und wer nicht. Diese Unterscheidung ist im Einzelfall heikel . Ich selber wüsste es von mir selber nicht. Aber vielleicht weiss es mein Kardiologe, der jeden Monat meine Blutverdünnung misst. Oder vielleicht wissen es die Neurologen im Unispital, die alle sechs Monate mit einem EEG das Epilepsie-Potenzial in meinem Hirn schätzen.

Dieses medizinische Fachpersonal wird mich nämlich wie bisher weiter behandeln. Aber es wird in Zukunft peinlich darauf achten müssen, ob ich die sechs Mal 50 Franken bar bereits bezahlt habe. Zusätzlich muss es wohl beurteilen, ob ich als "chronisch krank" gelte. Lautet die Antwort "ja", spare ich hundert Franken.

Sonntag, 3. Mai 2009

Deflationäre Welt (2)

Zum Test, ob ich globale Trends noch erfasse, studiere ich ab und zu Statistiken. Zum Beispiel auf den hintersten beiden Seiten im Wochenmagazin Economist. Dort schaue ich nach, in welchen Ländern das Preisniveau bereits ins Rutschen geraten ist.

Vor drei Wochen tat ich dies zum ersten Mal. Resultat: In fünf Staaten.

Heute tat ich es wieder. Und ich erfahre: Die geschätzte Inflation 09 hat bereits in sieben Staaten ein Minus im Vorzeichen:

In den USA: minus 0,8 Prozent.
In Japan: minus 1,0 Prozent.
In China: minus 0,8 Prozent.
In Schweden: minus 0,1 Prozent.
In der Schweiz: minus 0,2 Prozent.
In Malaysia: minus 0,7 Prozent.
In Thailand: minus 1,2 Prozent.

Was mit den Preisen rund um mich geschieht, erlebe ich selber so:

Vor einem halben Jahre habe ich meine variable Hypothek in eine Libor-Hypothek umgewechselt. Seither schwankt der Zinssatz Monat für Monat. Konkret: Er sinkt Monat für Monat. Im Oktober habe ich bei 1,85 Prozent angefangen. Ich fand das unglaublich günstig. Heute bin ich bei 0.95 Prozent angelangt.

Und: vorgestern ist mein neues Buch in die Läden gekommen. Heute bietet es mein Verlag bereits mit Rabatt an.

Post vom 12. April

Donnerstag, 30. April 2009

Never Give Up


Warum will der Skirennfahrer Daniel Albrecht, wenn er aus dem Koma erwacht, so schnell wie möglich wieder Skirennen fahren? Weil er nichts anderes kann.

Warum will ein Journalist, wenn er aus dem Koma erwacht, so schnell wie möglich wieder Journalist sein? Weil der nichts anderes kann.

Warum will Hans-Rudolf Merz...

Zur Aktion Never Give Up

Mittwoch, 29. April 2009

Mittwoch, 22. April 2009

Ich Anfänger

Gestern trug ich mich aus soziologischer Neugier bei Facebook ein. Sogleich wurde ich nach meinen persönlichen Kontakten in meiner Adresskartei gefragt.

Dadurch gewann ich immerhin zwei Erkenntnisse.

Erstens: viele meiner Freunde und Bekannten machen tatsächlich mit, darunter einige, die ich dort nie und nimmer erwartet hätte.

Zweitens: Ich selber bin zu naiv für die Moderne. Facebook wollte meine Kontakte natürlich nicht nur, um herauszufinden, wer bereits mitmacht. Sondern um sämtlichen meiner Kontakte eine Mail zu senden unter dem dämlichen Titel:

"Schau dir meine Fotos in Facebook an - von dir ist bestimmt auch eins dabei"

Sorry.

Dienstag, 21. April 2009

Corrigenda

Ich habe hier neulich behauptet, im Geseundheitswesen blieben die Preise mehr oder weniger konstant, während die Mengen rasant zunehmen. Das Resultat sei die so genannte "Kostenexplosion" (mathematisch: Mengen mal Preise).

Das stimmt nicht ganz. Die Preise steigen auch, letztes Jahr um 3,9 Prozent. Aber solange die Mengen explodieren, steigen die Prämien für die Krankenkassen umso stärker. Nächsten Oktober um mindestens zehn Prozent.

Montag, 20. April 2009

Ein gesundes Konjunkturprogramm?

Pascal Coucherpin wird, je länger er nicht zurücktritt, zur zweiten Ruth Dreifuss. Damals wie heute dasselbe. Zuerst zwingt der Bundesrat (die Bundesrätin) die Krankenkassen dazu, Reserven aufzulösen, damit die Prämien nicht zu stark steigen . Darauf folgt ein Rückstau - bis die Prämien explodieren. Worauf der Bundesrat wie damals die Bundesrätin dasselbe fordert: Mehr Prämiensubventionen.

Das passt heute immerhin zur Konjunktur. Ich selber habe etwas Ähnliches kürzlich vorgeschlagen: Jeder Steuerzahler, ob Baby oder Greis, soll eine Tausendernote - bar in die Hand erhalten.In der Hoffnung, dass wir damit ein kleines konjunkturelles Strohfeuer entfachen.

Aber ich habe es anders gemeint: als eine einmalige Aktion,die sofort wirkt.

So wie ich unsere Gesundheitsminister von Dreifuss bis Couchepin kennengelernt habe, meinen die es anders: Sie wollen ein längerfristiges Problem kurzfristig entschärfen. Um später in Ruhe abtreten zu können.

Sonntag, 19. April 2009

Das Migros-Magazin

Am Mittwoch druckte der Tages-Anzeiger einen Artikel von Miriam Meckel unter dem Titel "Die Verluderung des Journalismus". Dieser Artikel bgeann so:

Es gab einmal die Grenze zwischen redaktionellem Teil und Anzeigen in einer Zeitung. Es war dieser Grat, auf dem Chefredaktoren und Verleger behutsam wandelten, wollten sie die Zukunft ihrer Zeitung als unabhängiges Meinungsmedium nicht gefährden. Inzwischen ist dieser Grat so schmal geworden, dass manch ein Chefredaktor schon abgestürzt ist, und zwar auf die Seite der Anzeigen.

Am Samstag legte derselbe Tages-Anzeiger seiner Zeitung sein Magazin bei, das mehr als nur ein M besser war, sondern auch sonst wie ein Migros-Magazin daherkam, das über mehr als 40 redaktionelle Seiten hinweg Fotos aus dem Migros-Geschäftsbericht integral abdruckte.

Als bezahlender Magazin-Leser frage ich mich nun, ob die ganzseitige Nivea-Anzeige auf Seite 33 eine bezahlte Anzeige ist, oder ob es sich hierbei um ein verstecktes Honorar der Magazin-Redakktion an die Migros handle, welche in ihren Regalen bekanntlich auch Produkte der Nivea verkauft.

Ich weiss es nicht, aber ich bekenne hiermit: Ich selber mache um Nivea einen Bogen. Ich vetraue den Produkten pHbalance. Die sind mindestens ein M besser.


Dieser Migros-Markensalat, nebenbei gesagt, wäre vielleicht sogar einmal ein Thema für einen recherchierten Artikel im Magazin. Als gewöhnlicher Migros-Kunde nämlich bin ich ein M verwirrt.



Samstag, 18. April 2009

Gesunde Gedanken

Heute steht in der Zeitung , die Kranken sollen sich vermehrt an den Kosten beteiligen, dann sinken die Gesundheitskosten von allein.

Ich meine: im besten Fall sinken sie ein klein wenig. Leute, die so etwas vorschlagen, vergessen, warum wir überhaupt eine Krankenversicherung abschliessen: nämlich nicht , um uns vor Bagatellen zu schützen. Sondern um uns gegenüber Grossrisiken abzusichern. Ein neue Herzklappe, zwei Hirnschläge, fünf Wochen künstliches Koma - so etwas kann uns allen passieren.

Und genau deswegen schliessen wir eine Krankenversicherung ab. Weil im Fall des Falls niemand - mal abgesehen von einem Opsel oder Vasella - für die eigenen Kosten aufkommen kann.

Ich zum Beispiel habe meiner Krankenkasse im Jahr 2007 einige hunderttausend Franken Kosten "verursacht". Ich wurde als ganz normaler Allgemeinversicherter auf vier Intensivstationen in drei Schweizer Spitälern über Wochen behandelt, am offenen Herz und am offenen Schädel operiert, und daran anschliessend für Monate in zwei Reha-Kliniken verlegt - ohne dass jemand gefragt hätte, wie viel ich selber bezahle. Falls es jemanden interessiert; in jenem Jahr 2007 habe ich exakt ein tausend Franken selber bezahlt - die maximale Franchise plus den Selbstbehalt, wie es in der Grundversicherung üblich ist.

Okay: Von mir aus darf man gerne darüber reden, ob man diese finanzielle Selbstbbeteiligung etwas erhöhen soll, um zu verhindern, dass wir alle wegen jeder Bagatelle zum Arzt laufen. Aber man darf sich davon keine Wunder erwarten: Die grossen Kosten entstehen in den zum Glück seltenen extremen Ausnahme-Fällen. Just in diesen Fällen darf es aber keine Rolle spielen, wie viel der Patient selber bezahlt.

Denn wer weiss schon, wen es als nächsten trifft?

Buch-Tipp

Mittwoch, 15. April 2009

Kranke Kassen

In schwierigen Zeiten wie diesen geraten wir in Versuchung, selbst negative Nachrichten positiv zu interpretieren. Weil die Krankenkassenprämien nächsten Oktober um zehn Prozent explodieren werden, fragen mich einige Leute:

Bewahrt uns dieser horrende Anstieg wenigstens vor der Deflation?

Leider nein. Die Krankenkassenprämien steigen nämlich nicht, weil die Preise im Gesundheitswesens steigen, sondern weil die Mengen zunehmen. Grob gesagt bleiben Operationen, Konsultationen, Medikamente mehr oder weniger gleich teuer. Aber wir verlangen von allem mehr.

Die Inflation hingegen misst sich an den Preisen im Gesundheitswesen, nicht an den Mengen. Und darum führt eine Ehöhung der Krankenkassen-Prämien nie zu Inflation, wie wir spätestens seit Dreifuss' Zeiten wissen sollten. Ebenso wenig wird der nächste Prämienschock zu Chouchepins Zeiten die Deflation verhindern. Allenfalls wird die Diskussion über die korrekte Messung der Teuerung neu ausbrechen - aber schnell versanden .

Und was ist von der heute im Tages-Anzeiger ausgebrochene Debatte über einkommensabhängige Krankenkassenprämien zu halten?

Herzlich wenig. Zu dieser Frage hat das Volk schon genügend oft genügend klar abgestimmt.

Statt dessen hole ich einen andern Vorschlag aus der Mottenkiste hervor: Die Krankenkassenprämien sollten nicht nach dem Einkommen, sondern nach dem Alter abgestuft sein. Das tönt unsozial, aber das tönt nur so. So lange ältere Leute reicher sind als jüngere, dürfen sie meiner Meinung nach ruhig höhere Prämien zahlen. Schliesslich verursachen sie auch höhere Gesundheitskosten.

Umgekehrt führen altersabhängige Prämien direkt zu einer Entlastung der jungen und aktiven Generation.


Gemäss den Berechnungen, die ich im Buch Idée suisse angestellt habe, könnten die Kinderprämien sogar gratis sein. Das wäre eine einfache Massnahme: schnell umzusetzen und sofort wirksam zu Gunsten aller Familien, die heute noch Kinder haben.

Jugendliche von 19 bis 26Jahren könnten neu eine "Jugendprämie" zahlen , die deutlich günstiger wäre als die heutige Erwachsenenprämie.

3. Für Leute zwischen 26 bis 50 gilt neu eine so genannte "Erwachsenen-Prämie", die leicht billiger wäre als die heutige Erwachsenenprämie.

4. Für Leute von 50 bis 65 Jahre gilt neu eine "Midlife-Prämie", die leicht höher wäre als die heutige Erwachsenenprämie.

5. Ab 65 Jahren gelten "Senioren-Prämien", die sich im Vergleich zu den heutigen Erwachsenenprämien verdoppeln.

Klar, damit würden sämtliche Älteren benachteiligt, und sämtliche Jüngeren bevorteilt. Klar, das wäre eine Giesskanne. Aber ich frage ? Wäre das eine Giesskanne in die falsche Richtung?

Zum Glück nicht.

"Zwischen dem 50. und dem 65. Lebensjahr setzt die Vermögensbildung ein", heisst es in einer Analyse der Zürcher Steuerstatistik. Zur Pensionierung, ab Alter 65, sind die Leute im Durchschnitt nicht nur reich, sondern sehr reich - und sie werden mit zunehmendem Alter immer noch reicher.

Es ist doch absurd, wenn die ärrmeren Jungen gezwungen werden, die reicheren Alten via Krankenkassen zu subventionieren.

Die CVP-Nationalrätin Ruth Humbel schlägt etwas Ähnliches vor. Ruth Humbel weiss, wovon sie spricht. Denn Sie kommt aus dem Kanton Aargau. Just der Aargau ist Musterbeispiel dafür, wie reich die Über-65-jährigen heute sind.

Zum Trost noch das: Wir alle gehen im Durchschnitt öfter zum Arzt. Wir alle lassen uns im Durchschnitt öfter operieren. Wir alle schlucken im Durchschnitt mehr Medikamente. Aber es hilft uns wenig, wenn wir die Schuld dem ominösen "Durchschnitt" zuschieben. Wer von will, wenn er selber krank ist, mit dem Sparen bei sich selber anfangen? Freiwillige bitte vortreten.

Ganz am Ende kommt trotzdem eine positive Botschaft heraus: Wir erreichen unser Ziel nämlich. Wir alle leben im Durchschnitt immer länger.




Sonntag, 12. April 2009

Deflationäre Welt

Heute habe ich zu selbst-therapeutischen Zwecken wieder einmal eine Tabelle studiert. Um nachzuprüfen, in welchen Ländern die Deflation bereits greift und das allgemeine Preisnivieau ins Sinken geraten ist.

Resultat:

In Japan.
In China.
In Taiwan.
In Thailand.
In der Schweiz.

Fortsetzung folgt.

Samstag, 11. April 2009

Journi-Gossip

In der neuen WoZ gibt es eine saftige Story als Beleg einer uralten Regel: Einmal Fanatiker, immer Fanatiker. Lebendes Exempel dafür ist Markus Somm. Einst glühender Verehrer einer bewaffneten Revolutionärin, heute bekennender Anhänger und Biograf eines entwaffneten SVP-Vizepräsidenten. So etwas wechselt bei ihm im 15-Jahres-Rhythmus.

Was mich zur Prognose verleitet: Köppels heutiger Stellvertreter wird nicht ewig Köppels Stellvertreter sein.

Freitag, 3. April 2009

Früher oder später

Ich habe vorhin in meinem Blog zurückgeblättert, besonders auf die Kommentare zur Geldpolitik der Nationalbank geachtet, und dabei
erkannt:

in einigen Punkten habe ich recht bekommen - leider.

Am Anfang war die Schweizerische Nationalbank nur rhetorisch bei der Sache.

Sie wollten die kurzfristigen Zinsen drücken, hiess es. Aber die Herren der Nationalbank folgten ihren eigenen Worten nicht. Im Gegenteil: Die kurzfristigen Zinsen
schossen sogar über die langfristigen hinaus. Damit wurde die Zinsstruktur invers.


Und eine inverse Zinsstruktur ist das sichere Zeichen, dass die Rezession kommt - eher früher als später.


Jetzt ist die Rezession da, und schlimmer : aus ihr ist eine Deflation geworden. Das allgemeine Preisniveau sinkt, wie am heutigen Tag offiziell zugegeben wird.



Jede Deflation ist - rückblickend gesehen - der sichere Beweis dafür, dass die vorherige Geldpolitik nicht genügend expansiv war. Das geben die Herren der Nationalbank verblümt zu, drücken forsch aufs Pedal, senken die kurzfristigen Zinsen und schwächen den Franken weiter.

Logischerwiese explodiert jetzt die Geldmenge. Plastisch sieht man das in der grafischen Darstellung der Geldmenge M1.


Eine derartige Aufblähung der Geldmenge ist das sichere Zeichen dafür, dass es eher früher als später zur Inflation kommen wird.

Und so wie ich die Herren der Nationalbank von damals kenne: reagieren sie auf Inflationsgefahren nicht bloss resolut, sondern "zu resolut". Dann

schaffen sie, wie Markus Lusser in den späten 80er und frühen 90er Jahren, eine Rezession.

Alsostellt sich heute Freitag, 3. April , am Tag, an welchem in der Schweiz offiziell die Deflation beginnt, eine ganz andere Frage:

Wann beginnt die Nationalbank , die drohende Inflation zu bekämpfen?

Ich hoffe für uns alle: Eher später als früher!

Donnerstag, 26. März 2009

Phänomen Schweizer Familie

Kurt W. Zimmermann, prominenenter und scharfer Medienkritiker, lanciert in der heutigen Weltwoche (massiv sinkende Leserzahlen) eine kluge Frage:

Gibt in der jetzigen Zeit, in der alle Zeitungen und Zeitschiften rundum massenweise Leser verlieren, seitenweise redaktionelle Inhalbe streichen und Stelle um Stelle abbauen - gibt es in solchen Zeiten auch ein Titel, der gewinnt?

Ja, es gibt ihn. Die Schweizer Familie, auf die alle neunmal klügeren Journalisten höhnisch herabschauen.

Leider verliert selbst Kurt W. Zimmermann kein Wort darüber, warum das so ist.Also stelle ich meine Vermutung in den Raum:

Das Phänomen Schweizer Familie besteht womöglich darin, dass diese Zeitschrift einen andern Zugang zu den Themen findet. Sogar zu einem Thema wie der öden Wirtschaftskrise. Da publiziert sie Artikel wie diesen hier.

Dienstag, 24. März 2009

Die unsichtbare Hand


Seit zwei Wochen ist der Kurs des Euro gemessen in Schweizer Franken erstaunlich stabil. 1 Euro hält sich "deutlich über Fr. 1.50."

Dieses neue Gleichgewicht ergibt sich wohl kaum zufällig auf dem Markt . Am 12. März hat die Schweizer Nationalbank angekündigt, dass sie von nun an auf dem Devisenmarkt interveniere. Wie wir nun täglich mitverfolgen können, sagt sie das nicht nur; sie tut es auch. Indem die Nationalbank ganz offensichtlich einen Euro-Kurs von "deutlich über Fr. 1.50" anstrebt - ohne dass sie dieses Ziel so exakt und konkret benennt.

Das ist gut so, denn damit verpflichtet sich die Nationalbank zu nichts, sie bleibt theoretisch frei. Aber sie steht praktisch parat. Um weitere Milliarden von Franken auf den Markt zu werfen und diese gegen Euro auszutauschen - sobald sich der Euro-Kurs Richtung Fr. 1.50 hinunter bewegen sollte.

Ein klares Signal, finde ich: zu Gunsten des Werkplatzes Schweiz.

Daneben kündete die Nationalbank ganz konkret an, dass sie den Drei-Monats-Libor auf 0,25 Prozent absenken will. Das sagt sie fadengerade heraus. Und das tut sie es auch. Bis heute ist der Drei-Monats-Libor auf 0,4 Prozent gesunken; er wird in den nächsten Wochen weiter sinken.

Das wäre ein zweites klares Signal, wiederum zur Schwächung des Frankens - und wiederum zu Gunsten des Werkplatzes.

Auch das ist gut so. Seit die Finanzmärkte verrückt spielen, sorgt wenigstens die Nationalbank für ein bisschen Ruhe. Indem sie endlich den Euro-Wechselkurs zur obersten Zielgrösse macht, was mir für für eine Exportnation mitten in Europa nichts als vernünftig erscheint.

Damit vollzieht unsere Nationalbank währungspolitisch den EU-Beitritt, ohne dass sie das klar sagt. Völlig autonom. Ohne dass dies politisch diskutiert wird. Ohne dass irgendjemand aufschreit.

Auch das ist gut so.

Sonntag, 22. März 2009

Idée suisse

Die SRG SSR idée suisse habe nicht zu wenig Geld, sondern zu viel Geld, meint ein ehemaliger Radiodirektor in der NZZ von heute Sonntag.

Die SRS SSR idée suisse könne leicht Geld sparen,, schreibt die SonntagsZeitung von heute.

Zum Beispiel könnte sie das das zweite Tessiner Programm streichen, das ohnehin kaum jemand sieht.

Wie krass der Tessin mit Radio und TV überversorgt ist, schrieb ich schon in meinem Buch Idée suisse.

Kostprobe:

"Auf jeden einzelnen Zahnarzt kommen im Tessin fünf Radio- und TV-Journalisten.".

Heute halte ich fest:

Zuerst stellen wir das zweite Tessiner Radio ab, wenigstens in der Deutschschweiz . Damit hat Radio NRJ seine Frequenz.

Dann streichen wir das zweite Tessiner Fernsehprogramm, das zweite Westschweizer Fernsehprogramm und - aus Rücksichtnahme auf die sprachlichen Mehr- und Minderheiten - auch das zweite Deutschschweizer Fernsehprogramm .

Damit darf sich die SRG SSR idée suisse voll darauf konzentrieren, ihren Auftrag mit den jeweiligen ersten Programmen zu erfüllen. So etwas wäre sowohl denk- wie zumutbar.

Um diesen Auftrag zu erfüllen, braucht es im nicht unbedingt peinliche Permanance-Serien oder Karaoke-Übungen am Sonntag Abend. Sind das doch Sendungen, die enorme Mittel verschlingen, es aber nicht einmal zum Thema auf den Pausenplätzen in unseren Schulen schaffen.

Selbstverständlich darf die SRG SSR idée suisse auch ihren Internetdienst einstellen; den nämlich würde gar niemand vermissen.

Das nenne ich die Krise als Chance: In Ruhe dürfen wir uns überlegen, was die Sweiz zusammen hält - und was eher nicht.

Donnerstag, 12. März 2009

Zur Aufwertung des Schweizer Frankens

Der heutige Entscheid der Nationalbank wird die Leserinnen und Leser dieses Blogs kaum wirklich überraschen. Vierlei zeichnet sich ab:

Erstens: Die Zinssätze in der Schweiz gehen Richtung null Prozent. Ich selber habe, wie hier berichtet, eine Libor-Hypothek auf Monatsbasis abgeschlossen. Inzwischen sank der Satz, den ich meiner Hausbank, der Credit Suisse abzuliefern habe, auf 1,0 Prozent. Das ist irre günstig.

Zweitens: Die Deflation ist da. Die Nationalbank rechnet neu mit negativen Tuerungsraten - und zwar offiziell!

Drittens: Die nächste Krise wird eine Währungskrise sein. Der Dollar wird an Wert verlieren, der Euro ebenfalls. Und welche Währung wird zulegen?

Richtig: Der Schweizer Fanken. Worüber sich die hiesige Exportwirtschaft gar nicht freuen kann.

Um diesen drohenden Anstieg des Frankens zu dämpfen, interveniert die Schweizer Nationalbank bereits heute. Sie will den Schweizer Frnanken schwächen. Um dies zu erreichen, muss sie die Geldmenge weiter aufblähen. Noch stärker, als sie die Geldmenge in den letzten Quartalen ohnehin schon aufgebläht hat.

Damit baut die Nationalbank - viertens - eine weiteres Krisenpotenzial auf. Auf längere Frist droht die Inflation. Weswegen die Nationalbank in einem oder in zwei Jahren zur Inflationsbekämpfung übergehen wird resp. muss. Und dann, dann sage ich "gute Nacht".

Samstag, 7. März 2009

Zum Niedergang der USA

Stellen wir uns vor, Uncle Sam möchte der EU beitreten, um am Euro teilhaben zu können. Warum nicht? Kroatien, die Türkei wollen auch.

Aber da stellen sich ein paar unabhängige Schweizer quer: "No Chance", sagen sie, und verweisen auf die Kriterien von Maastricht, wonach das jährliche öffentliche Defizit (Nettoneuverschuldung) nicht mehr als 3 Prozent des Bruttoinlandprodukts betragen dürfe.

Während die USA gemäss ihrem neuen Haushaltsplan für 2009 sage und schreibe 12 Prozent anpeilen.

Okay, so etwas lässt einen Barack Obama kalt, solange sich die Europäer selber auch nicht an ihre Regeln halten. Da hat Barack Obama sogar Recht. Müsste Angela Merkel persönlich in Brüssel anklopfen, würde ihr nicht einmal Sarkozy die Tür öffnen. Excusez-moi, aber zuerst müsse der einstige "Musterknabe" Deutschland seinen eigenen Haushalt in Griff bekommen.

Angela Merkel wiederum könnte mit ihrem Finger auf die Euro-Länder im Durchschnitt zeigen, die sich 2009 mit 4,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts neu verschulden wollen. Und was tun eigentlich die Japaner? Richtig, die planen für 2009 eine Verschuldungsquote von 5,6 Prozent.

Tatsächlich gibt es lediglich zwei Länder auf der Erde,welche die strengen Maastrichter Kriterien zur Zeit erfüllen : Kanada mit einer geplanten Neuverschuldung der öffentlichen Haushalte von 2,4 Prozent, und die Schweiz mit einer solchen von 1,7 Prozent.

Aber Kanada will der EU so wenig beitreten wie die Schweiz, und die Schweiz will der EU so wenig beitreten wie die USA. Die USA nämlich brauchen gar keinen Euro, so lange sie ihren Greenback haben, in welchem sie sich laufend neu und fröhlich weiter verschulden können.


Den nötigen Kredit erhalten die Amerikanerinnen und Amerikaner von den Chinesinnen und Chinesen. Diese erzielen 2009 einen geschätzten Zahlungsbilanzüberschuss in Höhe von 6,1 Prozent ihres Bruttoinlandprodukts - und legen diese gigantische Summe in erster Linie in den USA und in zweiter Linie in der Euro-Zone und in dritter Linie in Japan an. Sofern sie sich auch in nächster Zeit so verhalten wie in früheren Zeiten. Diese Prozesse müssen aber nicht ewig so weiter gehen wie bisher.

Welchen Schluss ziehe ich daraus?

Dass die nächste Krise eine Währungskrise sein wird und ich deswegen keinen Cent auf auf den Dollar wette und auch keinen auf den Euro. Da lasse ich mein Geld lieber in Schweizer Franken liegen - selbst wenn der Zins auf Null Komma Null Prozent absinken sollte!

Sonntag, 22. Februar 2009

Das Bloggeheimnis

Was Schweizer Bankiers können, kann ich auch. Jedes Berufsgeheimnis lässt sich auf drei Arten lüften:

Freiwillig.
Selbständig.
Aktiv.

Also erkläre ich freiwillig, warum ich in den letzten Tagen zur einseitigen Verletzung des Schweizer Bankgeheimnisses nichts gesagt habe.

Weil ich mich dazu nicht in der Lage gefühlt hätte. Es ging mir alles zu schnell. Es tönte mir alles zu kompliziert.Und ich merkte, dass es anderen Leuten, die sich zum geknackten Bankgeheimnis geäussert haben, ähnlich erging. In der Folge verhaspelten sie sich vor laufender Kamera wie Marianne Fassbind, die Fachfrau im Studio Leutschenbach.

Währenddessen verlor ich kleiner Blogger kein einziges Wort.

Aber ich möchte hiermit klar gesagt haben: Ich hatte keine Angst. Ich fürchtete mich weder vor den USA noch fürchtete ich mich vor Google Inc., dem Weltkonzern, der mir die Software zur Verfügung stellt , auf welcher NEUSTART läuft. Gratis. Dem Weltkonzern, welcher NEUSTART ins Netz stellt Gratis. Dem Weltkonzern, der dafür sorgt, dass Sie, liebe Leserin, lieber Leser, NEUSTART gefunden haben. Gratis.

Trotzdem wird Google Inc. mich nie in die Knie zwingen. Mich nie. Auch die USA übrigens werden mir keine Lizenz entziehen. Keine. Schliesslich kann mir auch kein Gericht der Schweiz mit einer superprovisorischen Verfügung drohen.

Nein. Ich schütze meine Kunden. Alle. Indem ich verspreche, niemandem etwas zu sagen, wenn ich nichts zu sagen habe.

Freitag, 13. Februar 2009

Die Deflation ist da

Ich hätte ich nie gedacht, dass ich so etwas wie eine Deflation noch miterlebe. Aber jetzt ist es so weit: jetzt sinkt das allgemeine Preisniveau tatsächlich. Hier in der Schweiz.





Damit verbunden ist Zweierlei:


1. Immer mehr ist ganz gratis. Die Zeitung, sowohl im Internet wie im Kasten. Das Telefonieren im Festnetz (als Lockvogel für die schnellste Internetverbindung bei der Swisscom. Was mit Handys begonnen hat, setzt sich bei Laptops fort: Wir erhalten die Geräte gratis. Alle zwei Jahre zum Dank für ein Abo, das bald nochmals billiger wird.





Am schnellsten wandelt sich die Mentalität bei Jugendlichen. Für sie ist gratis längst selbstverständlich. Programme, Games, Filme, Musik - alles frei zum Download.





Begünstigt werden diese mentalen Veränderung durch eine technologische Revolution, die leise, aber täglich voran schreitet:


2. Immer mehr wird nur noch ein bisschen besser. Aber viel, viel billiger.





Früher wollten die Hersteller ihre Produkte besser und noch besser machen. Das war einmal. Jetzt machen sie ihre Produkte noch ein klein wenig noch besser. Ob Digitalkameras, Rasierer, Shischuhe, Snowboards: Alles kann noch ein klein wenig besser, aber viel, viel billiger werden. Von Desktops zu Autos: die meisten der neuen Billig-Modelle kommen erst auf uns zu. Kühlschränke, Waschmaschinen: Alles wird noch billiger - und spart, wenn die Hersteller nicht blöd sind, sogar Energie.





"Wir sind doch nicht blöd". Nein, wir Konsumenten sind nicht blöd. Und wir finden Geiz auch nicht besonders geil. Uns ist sogar klar, dass die Deflation, die sich anbahnt, kein ökonomisches Paradies sein wird. Im Gegenteil. Wenn alles billiger wird, merkt der Hinter letzte: Am besten kauft man gar nichts mehr. Und wartet ab, bis es ganz gratis ist.

Wohlstand für alle?

Manches deutet darauf hin, dass passieren könnte, was ich bis vor kurzem nie für möglich gehalten hätte: Dass ich noch so etwas miterleben könnte wie eine Massenarbeitslosigkeit.

Sonntag, 8. Februar 2009

Blochers zweitgrösster Triumph

Heute Sonntag ist die SVP wieder über sich selbst hinaus gewachsen. Mit 29 Prozent Wähleranteil (Nationalratswahlen 2007) erreichte sie 40 Prozent des Volkes. Ein schönes Resultat.

Noch schöner präsentiert sich der heutige Tag durch die Brille des SVP-Vizepräsidenten Christoph Blocher. Als er noch Bundesrat war, stand er hinter der Personenfreizügigkeit mit der EU. Nach seiner Abwahl wankte er zwar, aber er blieb sich treu und wandte sich zuerst gegen das Referendum , mit dem Argument, dass es sich um eine "Scheinfrage" handle. Logischerweise empfahl er für den Fall, dass ein Referendum zu Stande käme, den Boykott der Abstimmung.

Irgendwann muss er dann seine Meinung gewechselt haben. Auf jeden Fall tingelte er bis in die letzen Tage vor der Abstimmung mit Vorträgen durch die Säle und warb für ein "Nein". Wäre er hingegen seiner ursprünglichen Einschätzung treu geblieben, hätte er den zweitgrössten Triumph seiner Karriere erlebt. 49 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer haben die heutige Abstimmung boykottiert. Es war fast so knapp wie damals beim EWR - nur hatte er damals die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer für sich gewonnen.




Früherer Post zum Thema

Donnerstag, 5. Februar 2009

Warren & Me

Zum Markenzeichen eines Warren Buffett gehört, dass er gewöhnlich nicht sagt, welche Aktien er gerade kauft. Aber er ist überzeugt, immer besser zu sein als der Markt. Seine Jünger, die wenigstens so gut sein wollen wie Warren Buffet , müssen dann auch gar nicht in jene Aktien investieren, in die Warren Buffet investiert. Es genügt , wenn sie in Warren Buffet's Firma Berkshire investieren

...dann geht es Warren nämlich noch besser , als es ihm ohehin schon geht.

Heute Donnerstag hören wir ausnahmsweise , in welche Firma der Meister neu gross einsteigt: in die Swiss Re! Und jetzt fragen Sie mich. ob Sie deswegen ebenfalls auf diesen Zug aufspringen sollen.

- Nein, würde ich Ihnen raten. Wenn Sie tun wollen, was ich tue, dann trauen Sie niemandem mehr und kaufen vor allem keine Einzeltitel mehr. Keine einzige! Spätestens seit dem Fall der Swissair und dem Beinahe-Fall der UBS solllten wir wissen: Jeder Einzeltitel ist zu riskant für normale Leute wie Sie & ich, die eben nicht für sich in Anspruch nehmen, schlauer zu sein als der Markt.

Ob Warren himself schlauer ist als der Markt, wird sich noch weisen. Gewinne in der Vergangenheit garantieren bekanntlich keine Gewinne für die Zukunft. Wenn ich kleiner Blogger die Entwicklung von Warren Buffets Berkshire in den letzten 52 Wochen betrachte, dann möchte ich ar nicht wissen, ob Warren Buffet ein klein wenig besser war als er übrige Markt. Ich bin einfach froh, nicht mit dabei gewesen zu sein.

Montag, 2. Februar 2009

Der Blick am Abend war eine Schrottidee

Neulich fiel mir auf, dass mir der Blick am Abend nie auffällt. Ich nehm' ihn nie. Und ich seh' nie jemanden, der wirklich interessiert oder sichtlich amüsiert darin blättert. Der Blick ist der Junk am Abend in jedem Zug und jedem Tram.

Letzten Freitag nahm ich ihn in die Hand. Obschon ich mir die Welt, die von Tag zu Tag unerklärlicher wird, kaum von Blondinen erklären lassen wollte. Was sonst noch drin gestanden wäre, war ebenso zum Spülen.

Heute nahm ich den Blick am Abend zum letzten Test. Heute hätte ich, ich glaubte es kaum, etwas über Rogers Tränen von gestern lesen können.

Darauf fiel mir auf, dass mir der richtige Blick auch nie mehr auffällt. Ich kauf' ihn nie , und nehm' ihn nicht einmal in die Hand, wenn er gratis auf einem Tisch liegt. Im Gegensatz zu früher,als man, um mittags in der Kantine mitreden zu können, wissen musste, was im Blick stand. Heute redet man in der Kantine darüber, was in 20 Minuten stand.

Und jetzt stellen wir uns vor: Es geht noch andern Leuten so wie mir. Dann ist der Blick nicht am Abend, dann ist der Blick am Ende. Aber nicht etwa wegen der Wirtschaftskrise oder wegen 20 Minuten. Sondern weil der Blick zu langweilig ist. Und nun zu Tode gestossen wird vom betriebseigenen Gratisblatt, das uns allen klar macht: Die Marke Blick ist nichts mehr Wert.

Dienstag, 27. Januar 2009

Die Die Schrottprämie ist eine Schnapsidee




Als die Engländer Indien eroberten, kriegte es ihr Gouverneur mit der Angst zu tun: Er füchtete sich vor Kobras. Und lockte die vielen Inderinnen und Inder mit einer Prämie für jeden abgelieferten Kobra-Kopf. Die Inder sollten Schlangen fangen, wünschte sich der Gouverneur.

Doch die Inder taten etwas anderes. Sie züchteten Kobras und kassierten die Prämien so.

In Deutschland lockt die Regierung Merkel zur Zeit mit einer Verschrottungsprämie. Wer sein altes Auto entsorgt und durch ein neues ersetzt, kriegt 2500 Euro.

Und was passiert? - Jetzt muss der Staat Geld ausgeben, um zu kontrollieren, ob die Leute ihre alten Autos tatsächlich verschrotten. (In Afrika ist die Nachfrage nach "alten" deutschen Modellen nämlich gross.... )

Gleichzeitig möchte die Regierung auch die Umwelt retten. Wenigstens ein bisschen. Wäre es ihr ernst damit, würde sie diese Verschrottungsprämie an die Bedingung koppeln, dass das "neue" ein besonders "grünes" Auto sein muss. Doch eine solche harte Klausel gibt es nicht.

Warum nicht? Weil die Regierung Merkel mit der neuen Prämie eigentlich die deutsche Wirtschaft ankurbeln will. Die Deutschen sollen neue Autos kaufen, damit die deutsche Autoproduktion wieder auf Touren kommt, wünscht die Regierung Merkel.

Auch das gelingt nicht richtig. Konsument innen und Konsumenten, die sich von 2500 Euro Prämie locken lassen ssollen , schauen auf den Preis. Und erkennen: deutsche Autos sind so teuer, dass ein Rabatt von 2500 Euro nicht ins Gewicht fällt.

Ganz anders beim Dacia Logan, dem zur Zeit billigsten Auto überhaupt, ab 7300 Euro im Angebot, hergestellt im rumänischen Pitesti unter der französischen Marke Renault, das und nun in ganz Deutschland zum Renner wird.

Von den Kobras im Kolonialismus bis zur Weltwirtschaftskrise 2009: Die Leute sind klüger, als die Politiker denken können. Die Verschrottungsprämie in Deutschland nützt kaum der deutschen Konjunktur, sicher nicht dem Klima. Sondern allenfalls einigen Rumäninnen und Rumänen, die nicht schwarz wie Raben, sondern fleissig wie die Bienen sind.

Montag, 26. Januar 2009

Der weisse Schwan

Noch tut die UBS , als wäre sie weiss wie ein Schwan. Aber das sind letzte Zukungen nur. Bald werden jene Herren, die heute glauben, zuoberst zu stehen, am eigenen Leib zu spüren bekommen, dass sie ab sfort auf den Segen von ganz gewöhnlichen Politikerinnen und Politikern angewiesen sind. Von Kuhrer über Rohner bis zu Haltiner - ihre Zeit läuft ab, der schwarze Schwan ist entdeckt, La crise existe.

Freitag, 23. Januar 2009

Und jetzt? Die Deflation!

Während meines stillschweigenden Betrachtens der weissen Raben auf exotischen Briefmarken, das sich bald zehn Tage lang hinhält,bilde ich mir ein, einen neuen Schwarzen Schwan entdeckt zu haben: Die Deflation! Niemand rechnete ernsthaft damit, schon gar kein namhafter Experte. Denn wenn ein einzelner Detailhändler wie die schweizerische Coop ein paar Preise von ausgewählten Markenartikeln senkt, dann ist das doch keine Deflation: erklären uns die Chefs der Schweizer Nationalbank.

Aber was sehe ich, wenn ich mir einen neuen Computer kaufen will? Dass ein neues Zeitalter ausgebrochen ist. Früher war ein Laptop ein Laptop, er kostete immer etwa gleich viel, knapp zwei tausend Franken. Was sich damals laufend geändert hat, war der Inhalt. Wir erhielten zum gleichen Preis immer bessere Leistungen.

Und jetzt? Jetzt sinken die Preise querbeet, von den Desktops zu den Laptops, und wenn das so weiter geht, wird Apple demnächst nicht mehr die Speicherkapazität seiner iPods steigern, sondern endlich den Preis senken. Das ist ein Trend, der, wie wir heute in der Zeitung lesen , noch weitreichende Konsequenzen haben wird. Von Google, HP, Logitech bis zu Microsoft, die besten Konzerne vom Silicon Valley bis zur heimischen Waadt reagieren mit ersten Entlassungen.

Und: Dieses Phänomen muss nicht unbedingt auf die neue digitale Welt beschränkt bleiben. Auch in der Auto-Industrie, so demonstrierte uns vor ein paar Monaten der indische Konzern Tata, steht diesselbe Revolution an. Wir Konsumenten erhalten immer das Gleiche - aber für immer weniger Geld.

Mehr.

Mittwoch, 14. Januar 2009

Echt weiss


Laut Wikipedia gab es tatsächlich einmal eine Art weissen Raben. Nicht auf Grönland, wie ich meinte, aber offenbar auf den Faröern, wie diese Briefmarke nahelegt....


Taleb schreibt zwar nichts über Raben. Aber seit ich Taleb lese, rechne ich mit allem! Sogar damit, dass diese Briefmarke nicht echt ist.

Dienstag, 13. Januar 2009

Der weisse Rabe

Endlich lese ich den Bestseller von Nassim Taleb, den alle lese, und seither frag ich mich, was passiert , wenn plötzlich weisse Raben entdeckt werden, die frei in Grönland leben? Warnt uns dann die SVP davor, dass diese weissen Krähen bald bei uns einfliegen? Oder belehren uns die Ornithologen, dass Raben, die gewöhnlich vielleicht schwarz sind, sicher nie so weit fliegen können?

Warten wir'sab!

Mittwoch, 7. Januar 2009

Des Kaisers neue Kleider

Es gibt Leute in der Schweiz, denen geht es wie dem alten Kaiser im Märchen. Niemand sagt ihnen direkt ins Gesicht, was alle über sie denken. Davon betroffen ist nicht nur ein Politiker, der früher eines der höchsten Ämter bekleidet hat, sondern auch ein aktiver TV-Moderator. Was Stephan Klapproth gestern um "Zehn vor Zehn" präsentiert hat, war keine Nachrichtensendung mehr, sondern eine Comedy Show. Aber leider eine schlechte.

Wie lange schauen die Chefs in Leutschenbach noch zu?

Montag, 5. Januar 2009

Sag' mir wo die Krähen sind


Als ich gestern auf meinen neuen Sohlen aufs gefrorene Eis auf der Allmend in Zürich wagte, merkte ich, dass ich leider gar keine neuen Sohlen an meine alten Schuhe montiert hatte. Es war glitschig, ich hätte den besseren Halt brauchen können. Aber ich hatte lediglich neue Einlagen in meine Schuhe gelegt, sportliche Einlagen zwar der Marke "Obama", gepostet bei der Migros. Aber das nützte wenig auf dem Eis.




Trotzdem wagte ich mich hinaus auf den eisigen Platz und hörte Krähen, die in der Kälte krähten so laut nur Krähen krähen . Es tönte nach "Change in Switzerland" Marke Blocher.




Heute kontrollierte ich die Plakatwände auf dem Bahnhof Luzern und entdeckte einen kahlen Apfelbaum, um den nicht einmal der Geier kreist, aber auch kein Rabe.
Fortsetzung folgt

Samstag, 3. Januar 2009

Auf neuen Sohlen

Heute wechselte ich die Sohle meiner Schuhe. Ich fand bei der Migros ein sportliches Produkt der Marke „Obama“. Weiter kaufte ich bei der Migros einen Rasierer der Marke Philips und einen Staubsauger der Marke Miostar. Die Migros führt fast jede Marke und dazu ein paar eigene. Wer daraus schlau wird, ist der Kunde König.

Dann legte ich los – und startete meinen Lauf. Ich dachte weder an Barack noch an den Papst, sondern nur noch an meinen Plan 09.


Fortsetzung folgt

Freitag, 2. Januar 2009

Change has come to Gaza

Gestern vermisste ich den Papst, zum ersten Mal in meinem Leben. Ich bin nicht katholisch und auch sonst nicht religiös. Aber gestern um halb acht habe ich die Tagesschau auf SF 1 eingeschaltet. Kein Papst. Dank dem Internet kam seine Botschaft zum neuen Jahr trotzdem bei mir an. .Gefordert sei „globale Solidarität“, um Frieden zu schaffen. Hätte ich das gehört, hätte ich wohl gedacht, jetzt redet der wie der Schwarze, der neulich ins Weisse Haus einzog. Aber es war tatsächlich Benedikt XVI.


Fortsetzung folgt

Donnerstag, 1. Januar 2009

Plan 09

Dieses Jahr mache ich etwas Neues . Ich schreibe einen Roman. Aber dieser Roman beginnt nicht mit den Worten: „Dieses Jahr mache ich etwas Neues.“ Sondern ganz anders.

Fortsetzung folgt