Mittwoch, 15. April 2009

Kranke Kassen

In schwierigen Zeiten wie diesen geraten wir in Versuchung, selbst negative Nachrichten positiv zu interpretieren. Weil die Krankenkassenprämien nächsten Oktober um zehn Prozent explodieren werden, fragen mich einige Leute:

Bewahrt uns dieser horrende Anstieg wenigstens vor der Deflation?

Leider nein. Die Krankenkassenprämien steigen nämlich nicht, weil die Preise im Gesundheitswesens steigen, sondern weil die Mengen zunehmen. Grob gesagt bleiben Operationen, Konsultationen, Medikamente mehr oder weniger gleich teuer. Aber wir verlangen von allem mehr.

Die Inflation hingegen misst sich an den Preisen im Gesundheitswesen, nicht an den Mengen. Und darum führt eine Ehöhung der Krankenkassen-Prämien nie zu Inflation, wie wir spätestens seit Dreifuss' Zeiten wissen sollten. Ebenso wenig wird der nächste Prämienschock zu Chouchepins Zeiten die Deflation verhindern. Allenfalls wird die Diskussion über die korrekte Messung der Teuerung neu ausbrechen - aber schnell versanden .

Und was ist von der heute im Tages-Anzeiger ausgebrochene Debatte über einkommensabhängige Krankenkassenprämien zu halten?

Herzlich wenig. Zu dieser Frage hat das Volk schon genügend oft genügend klar abgestimmt.

Statt dessen hole ich einen andern Vorschlag aus der Mottenkiste hervor: Die Krankenkassenprämien sollten nicht nach dem Einkommen, sondern nach dem Alter abgestuft sein. Das tönt unsozial, aber das tönt nur so. So lange ältere Leute reicher sind als jüngere, dürfen sie meiner Meinung nach ruhig höhere Prämien zahlen. Schliesslich verursachen sie auch höhere Gesundheitskosten.

Umgekehrt führen altersabhängige Prämien direkt zu einer Entlastung der jungen und aktiven Generation.


Gemäss den Berechnungen, die ich im Buch Idée suisse angestellt habe, könnten die Kinderprämien sogar gratis sein. Das wäre eine einfache Massnahme: schnell umzusetzen und sofort wirksam zu Gunsten aller Familien, die heute noch Kinder haben.

Jugendliche von 19 bis 26Jahren könnten neu eine "Jugendprämie" zahlen , die deutlich günstiger wäre als die heutige Erwachsenenprämie.

3. Für Leute zwischen 26 bis 50 gilt neu eine so genannte "Erwachsenen-Prämie", die leicht billiger wäre als die heutige Erwachsenenprämie.

4. Für Leute von 50 bis 65 Jahre gilt neu eine "Midlife-Prämie", die leicht höher wäre als die heutige Erwachsenenprämie.

5. Ab 65 Jahren gelten "Senioren-Prämien", die sich im Vergleich zu den heutigen Erwachsenenprämien verdoppeln.

Klar, damit würden sämtliche Älteren benachteiligt, und sämtliche Jüngeren bevorteilt. Klar, das wäre eine Giesskanne. Aber ich frage ? Wäre das eine Giesskanne in die falsche Richtung?

Zum Glück nicht.

"Zwischen dem 50. und dem 65. Lebensjahr setzt die Vermögensbildung ein", heisst es in einer Analyse der Zürcher Steuerstatistik. Zur Pensionierung, ab Alter 65, sind die Leute im Durchschnitt nicht nur reich, sondern sehr reich - und sie werden mit zunehmendem Alter immer noch reicher.

Es ist doch absurd, wenn die ärrmeren Jungen gezwungen werden, die reicheren Alten via Krankenkassen zu subventionieren.

Die CVP-Nationalrätin Ruth Humbel schlägt etwas Ähnliches vor. Ruth Humbel weiss, wovon sie spricht. Denn Sie kommt aus dem Kanton Aargau. Just der Aargau ist Musterbeispiel dafür, wie reich die Über-65-jährigen heute sind.

Zum Trost noch das: Wir alle gehen im Durchschnitt öfter zum Arzt. Wir alle lassen uns im Durchschnitt öfter operieren. Wir alle schlucken im Durchschnitt mehr Medikamente. Aber es hilft uns wenig, wenn wir die Schuld dem ominösen "Durchschnitt" zuschieben. Wer von will, wenn er selber krank ist, mit dem Sparen bei sich selber anfangen? Freiwillige bitte vortreten.

Ganz am Ende kommt trotzdem eine positive Botschaft heraus: Wir erreichen unser Ziel nämlich. Wir alle leben im Durchschnitt immer länger.




Kommentare:

Martin hat gesagt…

Die Krankenkassenprämien sind schon heute nach dem Alter abgestuft.

Und was die Vermögensbildung im Alter betrifft: Momentan findet diese nicht mehr statt. Ob sie in Zukunft jemals wieder stattfinden wird, ist fraglich. Wie soll denn diese Vermögensbildung noch stattfinden?

Und nein, nicht wir alle gegen öfter zum Arzt usw. Ich war im letzten Jahr einmal beim Arzt, beim Betriebsarzt für die Grippenimpfung.

Anonym hat gesagt…

Ich bin ein aufrechter Bürger, der kaum zum Arzt geht, von morgens früh bis abends spät arbeitet und "vernünftig" lebt. Ich bin langsam nicht mehr sicher, ob ich das Richtige tue.

Was kann ich tun, wenn ich keine Lust mehr habe den Wahnsinn unserer Gesellschaft mitzufinanzieren?

1. Aufhören zu Arbeiten und als Schmarotzer vom Sozialstaat leben
2. Auswandern (wohin?)
3. Mich umbringen
4. Andere Lösung??

Bin ich eigentlich der Einzige, dem es so ergeht?

Danke für Hinweise!
Gruss