Samstag, 1. November 2008

Mein Lehrer Greenspan


Alle prügeln auf Greenspan ein und erklären diesen zum Sündenbock der gegenwärtigen Finanzkrise.

Als bloggendes Greenhorn bekenne ich, dass ich von Greenspan einiges gelernt habe.

Alan war ein Kenner und Meister von Statistiken, aus denen er allerhand herauszulesen wusste. Zum Beispiel eine Regel, die heute – leider – wieder aktuell wird:

„Jeder Inversion der Zinskurve ist in den letzten 40 Jahren eine Rezession gefolgt“.


Dieser grosse Satz des Alan Greenspan gilt sogar für die kleine Schweiz. Am schlimmsten war die Inversion der Zinskurve in der Amtszeit von Markus Lusser zwischen 1988 und 1996. Lusser kämpfte und kämpfte gegen die angeblich drohende Inflation derart rigoros, dass die kurzfristigen Zinsen weit über die langfristigen Zinsen hinausschossen ( = inverse Zinsen). Es folgte eine anhaltende Wachstumsschwäche während den 90er Jahren. Markus Lusser wurde zum „Jobkiller der Nation“. So titelte das damalige Nachrichtenmagazin Facts. Zum selben Schluss kamen Gewerkschafter und namhafte Ökonomen, sogar innerhalb der Nationalbank selber.

Jetzt ist es wieder so weit: Die Zinsen sind invers. Am schlimmsten in den USA, in der EU,sogar in China. Seit einigen Wochen auch in der Schweiz. Erst Ende letzter Woche ist es der Nationalbank endlich gelungen, die kurzfristigen 3-Monatssätze zu senken. Aber noch sind sie nicht tief genug. Von der Economiesuisse bis zu den Gewerkschaften, alle Ökonomen wollen noch tiefere Zinsen. Jean-Pierre Roth, der Nationalbankpräsident himself, kündet in der NZZ von heute an: das werde geschehen.

Zwischenfrage:

Warum können Zinsen überhaupt invers sein? Sprich: Warum können die kurzfristige Zinsen höher sein als die langfristigen ? Warum können die Wolkenkratzer-hochverschuldeten USA und zahlreiche EU-Länder sich fröhlich weiter verschulden? Zu Zinssätzen, die auf Jahrzehnte hinaus tiefer sind als die heute geltenden Kurzfristzinsen?

Antwort:

Weil die Märkte zur Zeit verrückt spielen. Und weil alle Leute wissen: Lange wird das nicht andauern. Lange werden die Zinsen nicht invers sein.

In einem ersten Schritt werden, wie Roth heute via NZZ bestätigt, die tiefen kurzfristigen Zinsen weiter gesenkt. Noch tiefer sinkende kurzfristige Zinsen bedeuten im Klartext: Die expansive Geldpolitik wird noch expansiver.

Extrem expansiv.

Eine extrem expansive Geldpolitik führt, das wissen wir nicht erst seit Greenspan, zu Inflation - eher früher als später. Eine anziehende Teuerung aber wird die Leute bald davon abhalten, ihren überschuldeten Staaten noch mehr Geld auszuleihen. In der Folge werden die langfristigen Zinsen für Staatsobligationen steigen und über die kurzfristigen hinaus schiessen - eher früher als später.

Also naht das Ende der inversen Zinsen. Von allein, ganz automatisch. Nur ist das - leider - keine frohe Botschaft, im Gegenteil. Höhere Langfristzinsen bedeuten, dass es eng wird. Eng für alle. Eng für sämtliche überschuldeten Staaten, eng für einige überschuldete Unternehmen. Aus dem Credit Crunch wird dann eine Zinsklemme.

Und wir alle werden noch zu spüren bekommen, was Alan Greenspan vorausgesagt hatte.

„Jeder Inversion der Zinskurve folgt eine Rezession“.

Das nächste Mal spätestens 2010.

1 Kommentar:

Daniel Zehntner hat gesagt…

Lieber Markus, schön dass man von dir wieder Kommentare zum wirtschaftlichen Geschehen lesen darf. Sie sind erhellend und leider auch in ihrer Ironie wahr. Das Gesetz, dass die inverse Zinskurve der unfehlbarer Frühindikator einer kommenden Rezession ist, wird sich mit Sicherheit in den nächsten zwei Jahren bstätigen. Was mich Wunder nimmt: Welche Taschenspielertricks wird die neue US-Regierung zeigen, damit die Schuldenwirtschaft weitergeht und der Dollar gleichwohl globale Leitwährung bleibt.