Montag, 2. Februar 2009

Der Blick am Abend war eine Schrottidee

Neulich fiel mir auf, dass mir der Blick am Abend nie auffällt. Ich nehm' ihn nie. Und ich seh' nie jemanden, der wirklich interessiert oder sichtlich amüsiert darin blättert. Der Blick ist der Junk am Abend in jedem Zug und jedem Tram.

Letzten Freitag nahm ich ihn in die Hand. Obschon ich mir die Welt, die von Tag zu Tag unerklärlicher wird, kaum von Blondinen erklären lassen wollte. Was sonst noch drin gestanden wäre, war ebenso zum Spülen.

Heute nahm ich den Blick am Abend zum letzten Test. Heute hätte ich, ich glaubte es kaum, etwas über Rogers Tränen von gestern lesen können.

Darauf fiel mir auf, dass mir der richtige Blick auch nie mehr auffällt. Ich kauf' ihn nie , und nehm' ihn nicht einmal in die Hand, wenn er gratis auf einem Tisch liegt. Im Gegensatz zu früher,als man, um mittags in der Kantine mitreden zu können, wissen musste, was im Blick stand. Heute redet man in der Kantine darüber, was in 20 Minuten stand.

Und jetzt stellen wir uns vor: Es geht noch andern Leuten so wie mir. Dann ist der Blick nicht am Abend, dann ist der Blick am Ende. Aber nicht etwa wegen der Wirtschaftskrise oder wegen 20 Minuten. Sondern weil der Blick zu langweilig ist. Und nun zu Tode gestossen wird vom betriebseigenen Gratisblatt, das uns allen klar macht: Die Marke Blick ist nichts mehr Wert.

1 Kommentar:

Ronnie Grob hat gesagt…

Es ist einfach ein Jammer, dass die Schweiz keine richtige Boulevardzeitung hat. Schon das Titelblatt sieht so langweilig aus, dass man nicht die geringste Lust verspürt, den Blick zu kaufen. Dabei würde man das gerne. Aber wieso sollte man das? Solange er sich nicht merklich abhebt und zwingende Stories bringt, die man lesen MUSS, kann man doch auch zu einer Gratiszeitung greifen...