Freitag, 18. März 2011

Zum Kartell der Buchhändler und Verleger

Der Schweizerische Buchhändler- und Verleger-Verband hat mit seiner jahrelangen und Millionen-teuren Kampagne nun also doch noch Erfolg gehabt: Die Buchpreisbindung wird von Staates wegen wieder eingeführt. Das zeigt zweierlei:

- wie weit weg sich diese Leute von der Internet-Realität entfernt haben. Mehr....

- Wie wenig Buchhändler und Buchverleger gemeinsam haben.

Dass Buchhändler den Preis-Wettbewerb unterbinden wollen, ist nur logisch.

Dass Buchverleger bei diesem unfairen Spiel mitmachen, ist dumm. Verleger müssen nachrechnen, wie wenig Gewinn übrig bleibt, nachdem die Buchhändler ihre fixen Margen eingezogen haben.

Wenn die Buchhändler und Verleger heute gemeinsam mit einem Gläschen auf ihren "Sieg" anstossen, wünsche ich: Prost

Und wiederhole meine Prognose zum vorläufig letzten Mal:

In drei bis fünf Jahren gibt es in der ganzen Schweiz vielleicht noch drei bis fünf Lokale, in denen gedruckte Bücher käuflich sind. Wer das nicht lesen will, wird seinen Laden trotzdem schliessen müssen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Also ich persönlich bin froh, dass es in meinem Ort (4000 Einwohner) noch einen florierenden Buchladen gibt. Dass es der ohne Buchpreisbindung wesentlich schwerer haben würde, steht außer Frage.

Chris hat gesagt…

@Anonym: Wenn er jetzt schon ohne Buchpreisbindung "floriert" hat, wozu braucht es sie denn?

Lena Schneller hat gesagt…

Die Realität ist tatsächlich sehr weit entfernt vom jetztigen Entscheid unserer Räte. Zweck des Gesetzes: Kulturpolitik. Effektive Wirkung des Gesetzes: Im Zeitalter von Internethandel, E-Books und Bücher auf mobilen Endgeräten müssen gerade kleinere Buchhandlungen die Möglichkeit haben, flexibel auf die Veränderungen im Markt reagieren zu können. Mit der Buchpreisbindung ist ihnen dies aber nicht möglich.

@Anonym: Das sehe ich wie Chris: Wenn es bis jetzt funktioniert hat, warum braucht es denn nun wieder eine Buchpreisbindung?

Ich werde jedenfalls dafür kämpfen, dass dieses unzeitgemässe und unnötige Gesetz mit einem Referendum verhindert werden kann - aus Liebe zum Kulturgut Buch.

Max hat gesagt…

Die Buchhändlerin unter https://twitter.com/mhofstaetter/status/50654412133253120 behauptet, Ex Libris verkaufe mit 15 bis 30 Prozent Rabatt häufig unter dem Einstandspreis. Ist dem so?

Als Autor erhalte ich Eigenexemplare jeweils mit 30 Prozent Rabatt. Und dabei schenkt mir der Verlag sicherlich nichts, sondern er «schenkt» mir im Wesentlichen die Bruttomarge des Buchhandels.

Markus Schneider hat gesagt…

Ex Libris erhält als grosser, mächtiger Player 45 Rabatt.

Wenn nun die kleine Buchhändlerin, die nur 35 Prozent Rabatt erhält, behauptet, Ex Libris verkaufe "unter dem Einstanspreis", meint sie wohl: Ex Libris verschenkt Porto, Verpackung, muss Rechnung stellen etc.


Warum gewährt Dir Dein Verlag "nur" 30 Prozent?

Weil der Verlag im Normalfall nicht nur dem Detailhändler, ob grosse Ex Libris oder kleine Händlerin,einen Rabatt geben muss, sondern auch dem Grosshändler, der die Bücher den Buchhändlern der ganzen Schweiz ausliefert.

Dabei gilt die Faustregel: Das Handelssystem "frisst" 54 Prozent, dem Verlag bleiben 46 Prozent. Davon gehen 10 Prozent als Honorar an den Autor. Mit den restlichen 36 Prozent zahlt der Verlag den Druck, das Lektorat, das Korrektorat, die Gestaltung der Bücher. Manchmal kommt auch ein Illustrator oder ein Fotograf zum Einsaatz.

Du siehst: Vom Büchermachen wird niemand reich. Du nicht als Autor, wir nicht als Verleger, aber auch Ex Libris nicht, solange Ex Libris mit 45 Prozent Rabatt lockt.

Chris hat gesagt…

Sehr spannend, Markus! Sind die Konditionen im Verlagswesen generell öffentlich bekannt?

Markus Schneider hat gesagt…

Lieber Chris,

nein, öffentlich bekannt ist das alles leider nicht.

Und ich frage mich schon lange, warum die Buchhändler und Verleger gemeinsam unter einem Dach (SBVV) auftreten. Denn gemeinsame Interessen haben diese beiden Gruppen nicht!

Chris hat gesagt…

Naja, jetzt ist es öffentlich bekannt - keine Journis hier?

Die beiden Gruppen haben offensichtlich sehr wohl ein gemeinsames Interesse, nämlich jenes, eine politische Rente aus den Konsumenten zu schlagen. Und das scheint ihnen bis auf weiteres ja auch gelungen zu sein.